1. Home
  2. Ratgeber

Bedenkliche Duftstoffe: Diese Düfte stinken uns

Autor: Redaktion | Kategorie: Kosmetik und Mode | 31.12.2017

Bedenkliche Inhaltsstoffe in Kosmetika können unter anderem Allergien auslösen.
Foto: CC0 / Pixabay / kaboompics

"Parfum" steht in der Inhaltsstoffliste – klingt harmlos. Aber: nicht alle Stoffe, die Allergien auslösen können, müssen deklariert werden. Andere werden zwar deklariert, sind aber nicht ohne Risiken. Wir klären auf, was uns stinkt.

Wie etwas duftet, ist gerade bei Kosmetika oft ganz wichtig für die Kaufentscheidung. Düfte verbinden wir ganz automatisch mit Gefühlen. Deshalb riechen Seifen in der Regel hygienisch nach Rosmarin und Salbei, die Zahnpasta minzfrisch, die Sonnenmilch nach Kokos und die Gesichtscreme nach Rosen, Orangen und Vanille.

Aus rund 2.500 verschiedenen Duftstoffen können die Hersteller auswählen. Was auf der Verpackung schlicht als Parfüm deklariert ist, kann es allerdings ganz schön in sich haben. Denn ein Parfümöl, das sich zum Beispiel in einer Creme findet, kann mehrere Hundert einzelne Duftstoffe enthalten. Nur erfahren die Verbraucher davon wenig, weil die Hersteller nicht deklarieren müssen, was genau sich hinter "Parfum", "Aroma" oder "Fragrance" verbirgt.

Nur 26 Duftstoffe müssen deklariert werden

Dabei wurden längst nicht alle duftenden Wirkstoffe bisher auf eine mögliche allergische Wirkung untersucht. Seit einigen Jahren müssen Hersteller immerhin 26 Duftstoffe auf der Verpackung angeben, wenn diese eine bestimmte Konzentration überschreiten – egal ob die Stoffe synthetisch hergestellt wurden oder aus natürlichen ätherischen Ölen stammen.

In Produkten, die auf der Haut bleiben, gilt das, wenn mehr als zehn Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) enthalten sind. Bei Kosmetika wie Shampoos, die abgewaschen werden, liegt der Grenzwert bei 100 mg/kg, ebenso für Wasch- und Reinigungsmittel. Die Pflicht zur Deklaration hat dazu geführt, dass die Hersteller diese Duftstoffe zunehmend ersetzen. 

Der "Duftstoffmix" ist ein Allergietest

Das ist vor allem für Duftstoffallergiker eine gute Nachricht: Immerhin über eine Million Menschen in Deutschland reagieren mit Pickeln und Pusteln auf bestimmte wohlriechende Substanzen. Duftstoffe sind nach Nickel die zweithäufigste Ursache von Kontaktallergien.

Die wichtigsten Duftstoff-Allergene finden sich auf zwei Standard-Testpflastern, die von Allergologen als "Duftstoffmix 1" und "Duftstoffmix 2" bezeichnet werden. Beide decken jeweils mehrere Wirkstoffe ab. Mit acht Prozent ist die Konzentration der Duftstoffe bei den Hauttests weitaus höher als in den meisten Kosmetika – von Parfüms einmal abgesehen.

Deshalb muss eine bestehende Sensibilisierung nicht automatisch zu einer allergischen Reaktion führen, etwa wenn die Haut nur mit geringen Mengen des Duftstoffs – zum Beispiel beim Duschen – kurz in Kontakt kommt. Bei Menschen mit einer Sensibilisierung hat der Organismus nach dem Erstkontakt mit einem Fremdstoff bereits eine Immunantwort aufgebaut, bei einem erneuten Kontakt kann es zu einer allergischen Reaktion kommen.

Mit Sensibilisierungsraten von 9,1 bzw. 4,6 Prozent (d.h. dass rund jeder zehnte bzw. zwanzigste Deutsche bei Kontakt eine allergische Reaktionen entwickeln kann) liegen die Duftstoffmixe auf den Platz 2 und 5 der Allergen-Hitliste.

Drei hochallergene Duftstoffe sind bereits verboten

Auf Platz 3 steht ein natürlicher Duftstoff, der Perubalsam. Er wird aus dem Harz eines südamerikanischen Baumes gewonnen und riecht leicht nach Vanille und Zimt. Roher Perubalsam darf als Duftstoff für Kosmetika nicht mehr verwendet werden, wohl aber Perubalsamöl, das als weniger allergen gilt. Perubalsam wird auch in manchen Süßspeisen, Backwaren und Erfrischungsgetränken sowie Zigaretten eingesetzt.

Bei bestehender Sensibilisierung kann also auch die Aufnahme über die Nahrung zum Problem werden. Der Verband der Aromenindustrie empfiehlt deshalb seinen Mitgliedern, keinen Perubalsam in Lebensmitteln einzusetzen. Perubalsam enthält über 30 Duftkomponenten, die als allergen bekannt sind, darunter Isoeugenol oder Zimtaldehyd. Diese Komponenten finden sich auch in zahlreichen anderen Duftstoffmischungen. Mit Ylang-Ylang, Jasmin und Sandelholzöl finden sich drei natürliche ätherische Öle unter den Top 20 der Kontaktallergene.

Drei als hochallergen geltende Duftstoffe – Atranol, Chloratranol (Bestandteile von Eichen- und Baummoos) und das blumig riechende Lyral – dürfen EU-weit bereits nicht mehr eingesetzt werden. Sie stehen seit 2018 auf der Liste verbotener Inhalts­stoffe. Produkte, die sie enthalten, dürfen noch bis 2021 verkauft werden. Alle drei Duftstoffe – die wir übrigens schon lange abwerten (siehe auch unten) – finden sich natürlich auf der genannten Liste der 26 Düfte, die gekennzeichnet werden müssen, wenn sie (noch) in Kosmetika enthalten sind.

Duftstoffe sind unterschiedlich allergisch

Außerdem gut zu wissen: Nicht alle der 26 Duftstoffe, die auf der Packung genannt werden müssen, sind gleich problematisch. Die Kennzeichnungspflicht umfasst sehr unterschiedliche Kandidaten: Stoffe, die als Allergene sehr wirksam sind, aber auch solche, die als Auslöser von Allergien kaum eine Rolle spielen. Das geht aus den Untersuchungen des Informationsverbunds Dermatologischer Kliniken (IVDK) hervor, der weltweit größten Datenbank zu Kontaktallergien.

"Es ist so, als würde man einen Revolver und ein Obstmesser gleichermaßen als 'gefährliche Waffen' bezeichnen", kommentiert Professor Axel Schnuch, Leiter des IVDK, die Einteilung der EU. Deshalb bewertet ÖKO-TEST in seinen Tests nicht alle 26 Duftstoffe gleich.

Diese Duftstoffe sind nichts für Allergiker

Da Allergene verschieden stark wirken können, kann man die deklarationspflichtigen Stoffe grob in die folgenden vier Gruppen unterteilen:

1. Die Studien und Datenvergleiche des IVDK zeigen, dass die folgenden Duftstoffe sehr starke Allergene sind:

  • Eichenmoos (INCI: Evernia prunastri extract, noch bis 2021 im Handel),
  • Baummoos (Evernia furfuracea extract, noch bis 2021 im Handel),
  • Isoeugenol,
  • Cinnamal und
  • Methylheptincarbonat (Methyl 2-octynoate): Der Duftstoff galt lange als eher harmlos, hat aber in jüngster Zeit eine hohe Sensibilisierungsquote gezeigt und wird daher inzwischen als starkes Allergen eingestuft.

2. Weniger potente, aber immer noch problematische Stoffe sind:

  • Cinnamylalkohol
  • Hydroxycitronellal und
  • Lyral (Handelsname, INCI: Hydroxyisohexyl 3-cyclohexene carboxaldehyde, noch bis 2021 im Handel).

3. Diese Duftstoffe treten hingegen seltener als Allergene in Erscheinung:

  • Farnesol,
  • Citral,
  • Citronellol,
  • Geraniol,
  • Eugenol,
  • Cumarin,
  • Amylcinnamylalkohol und
  • Benzylcinnamat.

4. Für die restlichen zehn Stoffe der 26er-Liste gilt trotz Deklarationspflicht: Die Untersuchungen des IVDK haben gezeigt, dass sie als Allergene im Vergleich zu ihrer Verbreitung nur eine sehr geringe Rolle spielen.

Duftstoffe können Allergien auslösen, ob sie künstlich sind oder nicht
Duftstoffe können Allergien auslösen, ob sie künstlich sind oder nicht (Foto: CC0 / Unsplash.com / Christin Hume)

Auch wenn sie nicht besonders oder überhaupt nicht allergen wirken, sind viele Duftstoffe nicht ohne Risiko. Dazu gehörigen beispielsweise Cumarin, Lilial und bestimmte Moschusdüfte.

Cumarin: Der Duftstoff kann die Leber schädigen

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät von zu viel Cumarin in Kosmetik ab (Quelle). Der Aromastoff kann bei besonders empfindlichen Personen Leberschäden verursachen. Cumarin steckt vor allem in Zimt und zimthaltigen Lebensmitteln, wird aber als synthetisch nachgebauter Duft auch Duschgelen, Lotionen, Deos und anderen Kosmetika zugesetzt und verleiht ihnen eine herbe Note.

Auch wenn man inzwischen davon ausgeht, dass von dem Cumarin, das über die Haut aufgenommen wird, weniger die Leber erreicht als über das Essen, können Kosmetika wesentlich zur Gesamtaufnahme von Cumarin beitragen.

Lilial: Ein problematischer Duftstoff

Auch der deklarationspflichtige Duftstoff Lilial (Inci-Bezeichnung: Butylphenyl Methylpropional oder BMHCA) hat zwar nur ein recht geringes allergenes Potenzial. Allerdings hat sich die Substanz in Tierversuchen als fortpflanzungsschädigend erwiesen.

Das Verbraucherschutzkomitee für Kosmetik der EU bewertet den Duftstoff daher als nicht sicher – und zwar sowohl in Produkten, die auf der Haut verbleiben wie Cremes, als auch in solchen, die wieder abgewaschen werden wie Duschgele. ÖKO-TEST findet Lilial immer wieder in Kosmetik – und wertet den Problemstoff konsequent ab.

Künstliche Moschusdüftewir raten ab

Zu den Substanzen, vor denen ÖKO-TEST seit Jahren warnt, gehören auch Nitromoschus-Verbindungen und andere künstliche Moschusdüfte. Die Duftstoffe, die ihren Namen dem seltenen und teuren Sexuallockstoff aus den Drüsen des Moschushirsches verdanken, sind für die Industrie einfach und billig herzustellen.

Im Gegensatz zu den 26 mehr oder weniger allergen wirkenden Duftstoffen müssen die synthetischen Moschusdüfte nicht deklariert werden und sind für den Verbraucher deshalb leider nicht zu erkennen. Nitromoschus-Verbindungen reichern sich im menschlichen Fettgewebe an. Moschus-Ambrette gilt als nerven- und erbgutschädigend, deshalb ist die Substanz in der EU verboten. Der Einsatz der Nitromoschus-Verbindungen Moschus-Xylol und Moschus-Keton ist nur eingeschränkt zugelassen.

Nachdem Nitromoschus-Verbindungen in Verruf geraten waren, kamen verstärkt polyzyklische Moschus-Verbindungen zum Einsatz. Doch auch diese künstlichen Moschusdüfte reichern sich im Körper an, genauer gesagt im Fettgewebe. Vorsicht ist auch hier angesagt, denn neuere Tierversuche geben Hinweise auf Leberschäden.

So bewertet ÖKO-TEST Duftstoffe

  • Um zwei Stufen werten wir die Duftstoffe Eichen- und Baummoos, Isoeugenol und Cinnamal ab. Die Daten des IVDK zeigen, dass es sich um sehr starke Allergene handelt.
  • Um eine Stufe werten wir die weniger potenten, aber immer noch problematischen Stoffe Cinnamylalkohol, Hydroxycitronellal und Lyral (nicht zu verwechseln mit Lilial, siehe oben) ab.
  • Die weiteren deklarationspflichtigen Duftstoffe Farnesol, Citral, Citronellol, Geraniol, Eugenol, Coumarin, Amylcinnamylalkohol, Benzylcinnamat und Methylheptincarbonat treten als Allergene weitaus seltener in Erscheinung; deshalb werden sie bei ÖKO-TEST nicht abgewertet, sondern nur informationshalber aufgeführt.
  • Nicht abgewertet wird auch der häufig verwendete, aber nicht deklarationspflichtige Duftstoff Majantol, den ÖKO-TEST standardmäßig bei Tests untersuchen lässt. Das BfR sieht bei Majantol ein allergenes Potenzial: Bei Allergikern kann der Duftstoff eine Kontaktdermatitis hervorrufen und zur Bildung von Ekzemen führen.
  • Für die restlichen Stoffe der 26er-Liste haben die Untersuchungen des IVDK gezeigt, dass sie als Allergene im Vergleich zu ihrer Verbreitung nur eine sehr geringe Rolle spielen. Entsprechend werten wir nicht ab.

Das rät ÖKO-TEST

Sie wollen parfümfrei einkaufen? Ein Kosmetikprodukt ist in der Regel parfümfrei, wenn sich in der Liste der Inhaltsstoffe nicht die Begriffe "Parfum", "Aroma" oder "Fragrance" finden. Bei Naturkosmetik dürfen in diesem Fall auch keine ätherischen Öle enthalten sein.

Weiterlesen auf oekotest.de: