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27 Deos und Antitranspirantien im Test

ÖKO-TEST April 2018
vom 29.03.2018

Deos und Antitranspirants

Unser Täglich ALU

Deos mit Aluminiumsalzen stehen schon länger in der Kritik. Was hat sich seit den ersten Veröffentlichungen zum Zusammenhang zwischen Aluminium in Deos und Brustkrebs getan? Und: Gibt es unter den Frischmachern gute Alternativen?

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29.03.2018 | Es steckt in der Nahrung, im Wasser und in Kosmetika: Aluminium. Und es kann sich im Körper anreichern. Wenn wir täglich über lange Zeit zu viel davon abbekommen, ist das ein Problem für unsere Gesundheit. Ein Zusammenhang zwischen Aluminium in Deos und Brustkrebs steht seit Langem zur Debatte. Was wissen wir - und was hat sich getan, seit das große Medienecho vor ein paar Jahren abgeebbt ist? Die Akte Alu ist dick. Sie umfasst auch Arbeiten, die zum Schluss kommen, dass Aluminium in Kosmetika nichts mit der Entstehung von Brustkrebs zu tun hat. Wir nennen hier Veröffentlichungen mit Hinweisen auf die problematische Wirkung von Aluminium genauso wie die Kritik an diesen Studien.

Anfang der 2000er: Phillipa Darbre ist eine der ersten Wissenschaftlerinnen, die einen möglichen Zusammenhang von Aluminium und Brustkrebs beschreibt. Sie stellt die These auf, dass Antitranspirants für die steigende Zahl von Tumoren im äußeren oberen Brustbereich, also in der Nähe der Achseln, verantwortlich seien.

2012: Die Arbeit von André-Pascal Sappino und Kollegen bekommt Aufmerksamkeit. In Zellstudien belegen die Forscher, dass Aluminiumsalze Brustzellen schädigen können. Experten verweisen jedoch zu Recht darauf, dass sich Ergebnisse aus Zellversuchen nicht einfach auf Menschen übertragen lassen.

2014: Spätestens jetzt ist Aluminium in Kosmetika in den Medien. Nach den Verantwortlichen in Frankreich und Norwegen folgt das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mit einer Stellungnahme. Es warnt ebenfalls davor, dass Verbraucher durch Antitranspirants zu viel Aluminium aufnehmen könnten. Einen Zusammenhang mit Brustkrebs oder der Alzheimer-Krankheit, die ebenfalls mit Aluminium in Verbindung gebracht wird, sieht das Institut als wissenschaftlich nicht belegt an. Aber die Wahrscheinlichkeit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung bei der Verwendung eines aluminiumhaltigen Antitranspirants sei möglich. Das BfR fürchtet vor allem Spätfolgen. "Wissenschaftlich erwiesen ist, dass hohe Aluminiumdosen neurotoxische Wirkungen beim Menschen und embryotoxische Effekte in Tierstudien zeigen." Das Medienecho ist riesig, viele Verbraucher fragen auch bei ÖKO-TEST nach, das Angebot an aluminiumfreien Deos wächst.

März 2014: Das Beratergremium für Verbrauchersicherheit (SCCS) äußert sich zu Aluminium in Kosmetika. Beauftragt hat es die EU-Kommission, die mit der Kosmetikverordnung den rechtlichen Rahmen für Deos und Co. steckt. Dem Gremium reichen die Daten zur dermalen Aufnahme nicht aus. Die EU-Kommission fordert deshalb weitere umfassende Studien.

2016: Die Industrie legt der EU neue Daten vor. Gesammelt wurden sie in einer Anwenderstudie unter realistischen Bedingungen. Realistisch ist etwa, dass Verbraucher sich den Frischmacher direkt nach der Rasur der Achseln auf die Haut sprühen. Im selben Jahr veröffentlichen Forscher um Stefano Mandriota ihre Ergebnisse aus einer In-Vitro-Studie, also wieder Zellversuche. Die Wissenschaftler weisen nach, dass Aluminiumsalze die Bildung von Tumoren und Metastasen in Milchdrüsenzellen von Mäusen fördern, wenn die Zellen ihnen über einen langen Zeitraum ausgesetzt sind. Die im Versuch verwendeten Aluminiummengen entsprechen Gehalten, die bereits in menschlichen Brustzellen nachgewiesen wurden.

2017: Wissenschaftler der Uni Innsbruck publizieren eine Studie, für die sie krebserkrankte und gesunde Frauen befragt hatten. Einem Teil der Frauen hatten sie zudem Gewebeproben entnommen. Das Ergebnis: Es gibt ein erhöhtes Brustkrebsrisiko bei der Langzeitanwendung von aluminiumhaltigen Kosmetika unter den Achseln, vor allem für junge Frauen bei mehrmaliger Anwendung am Tag. Die erkrankten Frauen hatten zudem eine höhere Konzentration an Aluminium im Brustgewebe. Offen bleibt: Ist die Anreicherung von Aluminium im Gewebe Auslöser oder möglicherweise Begleiterscheinung von Brustkrebs?

Im Oktober 2017 sollte es so weit sein: Die Risikobewertung des EU-Gremiums SCCS wurde erwartet. Doch legte die EU den Entwurf erst einmal auf Eis. Der Grund: Die Experten haben Fragen zur Studie. Derart schwerwiegende Fragen, dass die Industrie, vertreten durch Cosmetics Europe, eine neue Studie in Auftrag gegeben hat. Die Abgabe ist für November 2018 geplant. Zum bisherigen Entwurf gibt die EU-Kommission uns leider keine inhaltliche Auskunft. Die Risikobewertung erwartet die Kommission in der ersten Jahreshälfte 2019.

Stand also heute: Die Wissenschaft hat keine klaren Antworten, ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen Brustkrebs und Aluminium ist nicht bewiesen. Die Experten sind trotzdem weit weg davon, Entwarnung zu geben. Doch eine mögliche gesetzliche Beschränkung lässt auf sich warten. Verbraucher sprühen so lange weiter. Bis wir mehr über die Spätfolgen wissen, gilt es, unsere tägliche Menge Alu vorbeugend zu verringern. Das bestätigt auch der Biologe Stefano Mandriota: "Ich empfehle Verbrauchern, Produkte zu verwenden, auf denen ‚ohne Aluminium' oder ‚0 % Aluminium' steht." Wir haben 27 Deos und Antitranspirants testen lassen, mit und ohne Aluminiumsalze.

Das Testergebnis

Von "Yay!" bis zum Abgewöhnen: Viermal lautet das Gesamturteil "sehr gut", fünf Produkte schneiden "ungenügend" ab, sechs sind "mangelhaft".

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben 27 Deos und Antitranspirants eingekauft, darunter Sprays mit Treibgas und Produkte im Pumpzerstäuber. Mit dabei: große Marken, Naturkosmetik und Drogerieeigenmarken. Waren von einer Marke mehrere Varianten im Angebot, haben wir, wenn möglich, die Ausführung mit Aluminiumsalzen berücksichtigt. Wir wollten wissen, wer noch auf den umstrittenen Wirkstoff setzt.

Die Inhaltsstoffe
Welche Inhaltsstoffe setzen die Anbieter ein? Aluminiumsalze, um die Schweißmenge zu reduzieren, oder Enzymhemmer, die verhindern sollen, dass der Schweiß müffelt? Wir haben die Deos außerdem einer umfangreichen Duftstoffanalyse unterzogen und gegebenenfalls prüfen lassen, wie hoch der Anteil an Silikonverbindungen ist.

Die Weiteren Mängel
Ob 24 oder 48 Stunden: Auf vielen Deos steht eine Angabe zur Wirkdauer. Wer Versprechen abgibt, sollte sie auch halten. Legen die Anbieter uns keine Studien als Belege vor, werten wir deutlich ab. Eine etwas geringere Abwertung erfolgt, wenn die Studie aus unserer Sicht Mängel hat. Einen kleinen Abzug gibt es, wenn auf aluminiumhaltigen Produkten der Hinweis fehlt, diese nicht auf geschädigter Haut anzuwenden.

Die Bewertung
Nur wer keine kritischen Inhaltsstoffe einsetzt, kann "sehr gut" abschneiden. Aluminiumsalze werten wir ab - unabhängig vom Gehalt.

So haben wir getestet

Was und in welcher Menge ist enthalten? Ein Knackpunkt in den Laboren waren die Treibgase der Aerosolsprays, da sie sich schnell verflüchtigen.