Startseite

ÖKO-TEST Januar 2014
vom

Körperlotionen, trockene Haut

Konservativ

Wenn jetzt Kälte und Heizungsluft die Haut austrocknen, wollen wir sie mit einer reichhaltigen Körperlotion verwöhnen. Pflege pur? Bei manchen Produkten leider Fehlanzeige, in jeder dritten getesteten Körperlotion stecken kritische Konservierungsmittel.

3828 | 59
Zu diesem Thema ist ein neuer Artikel vorhanden.

27.12.2013 | Sie wollen die Kosmetikwelt verbessern: Mehr als 80.000 Menschen haben sich inzwischen auf der Onlineplattform Change.org dafür eingesetzt, dass Beiersdorf zukünftig in allen Nivea-Produkten auf Parabene verzichtet. Verbraucher machen sich Sorgen um die Nebenwirkungen dieser Konservierungsstoffe. Bestimmte Vertreter - wie Propyl- und Butylparaben - stehen unter Verdacht, wie ein Hormon zu wirken. Im Tierversuch wurde nachgewiesen, dass sie sich negativ auf die Fortpflanzung auswirken. ÖKO-TEST kritisiert die bedenklichen Parabene deshalb seit Langem. Konventionelle Hersteller setzen Parabene und andere Konservierungsmittel ein, um Lotionen und Co. vor Keimen zu schützen. Sie sollen Bakterien, Hefen und Schimmel töten oder zumindest verhindern, dass sie sich munter vermehren. Klar ist: Kosmetika, die wie Körperlotionen viel Wasser enthalten, müssen konserviert werden. Doch es geht auch ohne problematische Hilfsmittel.

Vorbild der Beiersdorf-Petition ist eine Onlinepetition gegen Parabene bei Penaten. Das Unternehmen Johnson & Johnson hat inzwischen zugesagt, dass es in Zukunft bei Babypflegeprodukten auf Parabene verzichtet. Womöglich haben auch Pläne der Europäischen Kommission eine Rolle gespielt. Diese arbeitet daran, Propyl- und Butylparabene in Kosmetikprodukten für Kinder unter drei Jahren zu verbieten. Das gilt für Produkte, die auf der Haut bleiben und für den Windelbereich gedacht sind. Für Erwachsene bleiben diese bedenklichen Parabene wohl in Zukunft erst einmal erlaubt. Für fünf andere plant die Kommission ein komplettes Verbot, davon spielt in der Kosmetik nur Isobutylparaben eine Rolle.

Der ein oder andere Kunde lässt inzwischen die Körperlotion mit Parabenen lieber im Laden stehen. "Ohne Parabene" ist ein Kaufargument geworden. Manche Hersteller bewerben ihr Produkt deshalb als frei von Parabenen. Keine Lösung ist es jedoch, stattdessen andere problematische Konservierungsmittel einzusetzen. Wie das Kontaktallergen Methylisothiazolinon, das zu Gesichts- oder Handekzemen führen kann. Der Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK), ein Netzwerk von Hautkliniken, das diagnostizierte Fälle auswertet, hat 2012 bei 6,02 Prozent der Patienten eine allergische Reaktion auf Methylisothiazolinon festgestellt, 2009 waren es nur 1,94 Prozent. Vor allem sind heute mehr Frauen betroffen. "Bei keinem anderen Kontaktallergen haben wir eine derartige geradezu epidemische Zunahme der Sensibilisierungen gesehen", sagt Professor Axel Schnuch, Leiter des IVDK. Wie das Konservierungsmittel einzuschätzen ist, hängt auch vom Produkt selbst ab. "Prinzipiell sind wir durchweg der Meinung, dass Methylisothiazolinon nicht mehr in Produkten, die auf der Haut bleiben, sogenannte Leave-on-Produkte, eingesetzt werden sollte. Hingegen dürfte der Einsatz in zum Beispiel Shampoos, sogenannten Rinse-off-Produkten, unproblematisch sein."

Vielleicht bewegt sich etwas auf europäischer Ebene. Das wissenschaftliche Beratungsgremium der Europäischen Kommission hat den Auftrag erhalten, Methylisothiazolinon in Kosmetika und das damit verbunden Risiko neu zu bewerten. Früher kam Methylisothiazolinon vor allem in Kombination mit dem als starkes Allergen bekannten Methylchloroisothiazolinon vor - hier ist die EU schon einen Schritt weiter. Sie plant, die "brisante" Mischung nur noch bei Produkten zuzulassen, die abzuspülen sind.

Naturkosmetik kann auch ohne

Dass es ganz anders geht, zeigen Naturkosmetikhersteller. Sie rühren keine kritischen Konservierungsmittel in ihre Produkte ein, setzen stattdessen auf eine ausgefeilte Gesamtrezeptur und eine Verpackung, bei der möglichst wenig Luft an das Produkt kommt, zum Beispiel einen Spender. Insgesamt ist die Haltbarkeit, wenn das Produkt erst einmal angebrochen ist, trotzdem kürzer. Oft wird empfohlen, die Lotion innerhalb von sechs Monaten aufzubrauchen. Dafür sind die Packungsgrößen meist auch klein.

Bei Naturkosmetiklabels wie dem BDIH- und NaTrue-Siegel sind außerdem naturidentische Mittel wie Benzylalkohol und Sorbinsäure erlaubt. Dabei handelt es sich um synthetisch nachgebaute Stoffe, die auch natürlicherweise vorkommen. Die beiden Siegel schreiben vor, diese auf der Packung mit dem Hinweis "konserviert mit" anzugeben. Viele Körperlotionen kommen sogar ganz ohne die Hilfe aus dem Labor aus und enthalten zum Beispiel ätherische Öle mit keimhemmender Wirkung. Kritiker der Naturkosmetik weisen darauf hin, dass es Menschen gibt, die auf die Duftstoffe in natürlichen ätherischen Ölen allergisch reagieren. Duftstoffe sind in Natur- und in herkömmlicher Kosmetik zu finden, in Letzterer auch synthetisch hergestellt. Naturkosmetikhersteller sind der Meinung, dass die Duftstoffe in ihrer natürlichen Zusammensetzung - wie sie bei ihnen vorkommen - und in hoher Qualität weniger problematisch sind, als wenn sie isoliert eingesetzt werden. Bislang reicht die Datenlage aber nicht für eine unterschiedliche Bewertung aus.

Klar ist: Nach Auswertung des IVDK lösen sieben der deklarationspflichtigen Duftstoffe im Vergleich häufiger Allergien aus als die anderen Duftstoffe. Betroffenen bleibt daher nur, beim Kauf auf die Packung zu schauen - bei Naturkosmetika ebenso wie bei konventionellen Produkten.

Wir haben 25 Körperlotionen ins Labor geschickt und sie auf bedenkliche und umstrittene Inhaltsstoffe untersuchen lassen.

Das Testergebnis

Mit Bio cremt es sich am besten. Von "sehr gut" bis "ungenügend" ist im Test alles vertreten. Die zertifizierten Naturkosmetikprodukte haben allesamt eine weiße Weste. Dagegen können sich die vier konventionellen Hersteller auf den letzten Plätzen glücklich schätzen, dass die Notenskala bei "ungenügend" aufhört. Denn bei ihnen hagelt es Minuspunkte.

ÖKO-TEST Januar 2014

Online lesen?

ÖKO-TEST Januar 2014 für 2.99 € kaufen

Zum ePaper

Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Gerade im Winter, wenn Heizungsluft die Haut austrocknet, kann eine extra Portion Feuchtigkeit eine Wohltat sein. Unsere Einkäufer haben 25 Körperlotionen eingekauft, darunter elf zertifizierte Naturprodukte. Die günstigste Lotion kostet pro 200 Milliliter 1,38 Euro, die teuerste 23,45 Euro.

Die Inhaltsstoffe
Wir haben die Körperlotionen einem umfangreichen Prüfprogramm unterzogen. Da ihr Hauptbestandteil Wasser ist, können hier Keime besonders gut gedeihen. Daher standen bedenkliche oder umstrittene Konservierungsstoffe im Vordergrund. Auch auf Paraffine und Silikone haben wir die Lotionen prüfen lassen. Außerdem beauftragten wir eine ausführliche Duftanalyse, denn viele Duftstoffe können Allergien auslösen.

Die Weiteren Mängel
Zusätzlich haben wir die Verpackungen durchleuchten lassen: Verwenden die Hersteller umweltschädliche Materialien wie PVC oder andere chlorierte Verbindungen? Kommt ein überflüssiger Karton zum Einsatz?

Die Bewertung
Körperlotionen sollen pflegen. Produkte erhalten daher nur dann ein "sehr gut", wenn sie frei von Schadstoffen sind.

So haben wir getestet

Verkaufsargument: Manche Hersteller bewerben ihr Produkt als frei von Parabenen, setzen aber andere kritische Konservierungsmittel ein.