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Babymilch: Was Sie über Anfangsnahrung wissen müssen

Magazin Juni 2021: Gesund Grillen | Autor: Katja Tölle/Meike Rix | Kategorie: Kinder und Familie | 04.06.2021

Babymilch: Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Anfangsnahrung.
Foto: igra.design/Shutterstock

HA, eHF, Pre, 1-er und Folgemilch: Sie haben keine Ahnung, worum es geht? Um Anfangsnahrung für Säuglinge. Ob Mütter nicht stillen können oder wollen – für manche Babys ist Plan B die bessere Wahl. Wir erklären Ihnen, worauf Sie bei Babymilch achten müssen.

Es sieht immer so einfach aus. Noch im Kreißsaal legt die Mama das Kind an, es saugt und fertig. So einfach kann es auch sein – wenn Mutter und Kind Glück haben. Oft sind aber gerade die ersten Wochen mühsam, und bei manchen will es auch nach Monaten einfach nicht richtig klappen.  

Für alle Mütter, die nicht stillen können oder wollen, gibt es einen guten Plan B: die Säuglingsanfangsnahrung. Doch wer das erste Mal vor dem Regal steht, fühlt sich häufig überfordert. Bei Muttermilchersatz gibt es unheimlich viel Auswahl – und da den Überblick zu bekommen, ist nicht ganz einfach. Deswegen hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Woraus besteht Babymilch?  

Muttermilchersatznahrung wird aus Kuhmilch hergestellt und so verändert, dass sie das Baby mit allem versorgt, was es braucht, und der Muttermilch in ihrer Zusammensetzung möglichst nahekommt. Die Hersteller reduzieren den Eiweißgehalt, da zu viel davon die Nieren belastet.

Dafür erhöhen sie den Gehalt an sättigendem Milchzucker. Außerdem setzen sie zahlreiche Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente zu, die der normalen Kuhmilch fehlen, in Muttermilch aber enthalten sind.

Pre, 1, 2, Folgemilch – was ist was?

Wie auch immer man sich entscheidet, mit "Pre" geht es los. Säuglinge in den ersten Lebensmonaten bekommen Pre-Nahrung. Wenn das Baby damit zufrieden ist und man nicht das Gefühl hat, dass es ständig Hunger hat, gibt es überhaupt keinen Grund, die Nahrung zu wechseln, wenn es älter wird. Kinder können sie im ganzen ersten Lebensjahr bekommen, in der zweiten Hälfte ergänzt durch Beikost.

Ein Umstieg auf die Ersatznahrung mit dem Zusatz "1" kann sinnvoll sein, wenn man nach den ersten Monaten das Gefühl hat, "Pre" reicht nicht mehr aus. Neben Milchzucker enthält 1er-Milch auch Stärke. Das macht die Milch dickflüssiger und sättigt die Kinder länger.

Ein Umstieg auf Produkte mit dem Zusatz "2" (auf den Packungen nach dem sechsten Lebensmonat empfohlen) oder "3" (ab dem zehnten Monat) ist überflüssig. Diese Produkte sind zu eiweißreich und enthalten manchmal unnötige Zusätze wie Zucker und Aromastoffe.

Wenn Frauen nicht stillen können oder wollen, gibt’s zum Glück als gute Alternative Anfangsnahrung.
Wenn Frauen nicht stillen können oder wollen, gibt’s zum Glück als gute Alternative Anfangsnahrung. (Foto: Rido/Shutterstock)

Babymilch: Wofür stehen HA und eHF?

Wenn das Baby allergiegefährdet ist, gibt es in Supermärkten und Drogerien hypoallergene Säuglingsanfangsnahrungen, kurz HA-Nahrungen. Die darin enthaltenen Kuhmilcheiweiße sind so weit gespalten, dass sie praktisch nicht mehr allergen wirken.

In den teureren Therapienahrungen für Säuglinge, die es nur in Apotheken zu kaufen gibt, sind die Eiweiße durch Hitze und Enzyme noch stärker als in HA-Nahrungen gespalten. Auf den Packungen steht manchmal die Abkürzung "eHF" für extensiv hydrolysierte Formula, das bedeutet: besonders stark gespalten. Diese Produkte wurden speziell für Säuglinge mit einer nachgewiesenen Kuhmilchallergie entwickelt. Sie basieren entweder auf Kuh- oder Sojamilch.

Allerdings: Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) empfiehlt, solche Spezialnahrungen nur auf ausdrücklichen Rat des Kinderarztes zu geben.  

Reicht Wasser aus dem Hahn?

Ja. Speziell für Säuglingsnahrung ausgelobtes Mineralwasser ist normalerweise unnötig. Denn die Grenzwerte für Leitungswasser hält der Münchner Professor Berthold Koletzko, einer der führenden Experten für Kinderheilkunde, für vollkommen ausreichend, um damit Babynahrung anzurühren.

Nur, wenn etwa der gesetzliche Nitrathöchstwert von 50 Milligramm pro Liter überschritten werde, sollen Eltern vorsorglich auf geeignetes stilles Mineralwasser zurückgreifen. In der Regel ist aber Leitungswasser völlig okay.  

Welche Babymilch empfiehlt ÖKO-TEST?

Wir raten vorsorglich zu Anfangsnahrungen, die möglichst frei von Verunreinigungen etwa mit Mineralölbestandteilen oder Rückständen aus Desinfektionsmitteln sind. Unser aktueller Test zeigt, welche Pre-Nahrungen laut den Laboranalysen am besten sind: Pre-Nahrung im Test: Mineralöl in 12 von 16 Baby-Milchpulvern. Auf andere Produkte der selben Marken wie 1er- oder HA-Nahrungen lassen sich die Ergebnisse leider nicht übertragen.

Wasser aus dem Hahn reicht aus: Speziell für Säuglingsnahrung ausgelobtes Mineralwasser ist normalerweise unnötig.
Wasser aus dem Hahn reicht aus: Speziell für Säuglingsnahrung ausgelobtes Mineralwasser ist normalerweise unnötig. (Foto: Bohbeh/Shutterstock)

Bei aktuell nicht getesteten Anfangsnahrungen raten wir Eltern, anhand der Nährwertangaben auf der Verpackung zu prüfen, ob das Verhältnis von Docosahexaensäure (DHA) und Arachidonsäure (ARA) ausgewogen ist. Beide Fettsäuren sind in Muttermilch enthalten und wichtig für die Entwicklung von Gehirn und Nervenzellen.

Führende Wissenschaftler empfehlen den Zusatz von DHA in Kombination mit ARA, weil Studien positive Wirkungen auf die Entwicklung des Sehvermögens belegen. Seit 2020 ist ein relativ hoher Gehalt an DHA in Säuglingsmilch gesetzlich vorgeschrieben, den auch alle Pre-Nahrungen im Test einhalten.

Auf Proteingehalte in Babymilch achten 

Einige Hersteller sparen aber offensichtlich noch an ARA. Wenn in der Nährwerttabelle Arachidonsäure mit einem mindestens ebenso hohen Gehalt zu finden ist wie DHA, können Sie davon ausgehen, dass die Fettsäurezusammensetzung dem Stand der wissenschaftlichen Empfehlungen entspricht.

Forscher der Universität München um Professor Berthold Koletzko haben außerdem festgestellt, dass Muttermilchersatznahrung mit späterem Übergewicht in Zusammenhang stehen kann, wenn sie zu viel Protein enthält.

Koletzko empfiehlt Säuglingsnahrungen mit reduzierten Proteingehalten von höchstens zwei (besser 1,8) Gramm (g) pro 100 Kilokalorien (kcal). Das erreichen Anfangsnahrungen, in deren Nährwertangaben Eiweißgehalte von 1,3 oder 1,2 Gramm pro 100 Milliliter trinkfertige Nahrung angegeben sind.  

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