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Babybrei im Test: Krebsverdächtiger Stoff Furan gefunden

Magazin Oktober 2021: Zucker | Autor: Victoria Pfisterer/Meike Rix/Lena Wenzel | Kategorie: Kinder und Familie | 30.09.2021

Babybrei im Test: Wir haben 20 Breie mit Gemüse und Fleisch überprüft.
Foto: ÖKO-TEST

Ist das Kind bereit für Beikost, greifen Eltern gern zu fertigen Breien aus dem Glas. Doch unser Test zeigt: Alle 20 Babybreie mit Gemüse und Fleisch enthalten mindestens niedrige Gehalte des Stoffs Furan, der möglicherweise krebserregend ist. Wir erklären, was es mit diesem Inhaltsstoff auf sich hat. 

  • Kein einziger Babybrei mit Gemüse und Fleisch im Test schneidet mit Bestnote ab. Ein paar sind immerhin "gut". 
  • Weil sie mit "mangelhaft" durchfallen, raten wir von zwei getesteten Babybreien ab. 
  • Bedenklich ist, dass mehr als die Hälfte der Breie im Test aus unserer Sicht "erhöhte" Gehalte an Furan aufweisen. Es wird als möglicherweise krebserregend eingestuft. 

Der Zeitpunkt, wann Eltern beginnen, ihre Kinder auch mit Brei zu füttern, ist individuell. Nur, weil auf dem Ettiket von Babybreien häufig "nach 4. Monat" steht, heißt es nicht, dass die Beikost dann eingeführt werden muss. Hat das Kind kein Interesse an Brei, können Sie auch erst mit sechs Monaten zufüttern. 

Hipp, Holle & Co.: Wann sind Babys bereit für Beikost? 

Das Baby ist bereit für Brei und Co., wenn es sich zunehmend für das Essen der älteren Familienmitglieder interessiert. Öffnet es den Mund, wenn ein gefüllter Löffel auf es zukommt, und drückt es den Brei nicht mehr mit der Zunge raus, kann es losgehen.

Wichtig: Babys unter vier Monaten sind zu jung für Beikost, weil Nieren und Verdauungssystem noch nicht ausreichend entwickelt sind. Um Missverständnissen vorzubeugen, schreiben deshalb mittlerweile viele Hersteller "ab dem 5. Monat" statt "nach dem 4. Monat" auf ihre Etiketten.

Babybrei im Test: Produkte von Hipp, Holle & Co. im Vergleich. Welche sind empfehlenswert?
Babybrei im Test: Produkte von Hipp, Holle & Co. im Vergleich. Welche sind empfehlenswert? (Foto: Lopolo/Shutterstock)

Babybrei im Test: Furan als Problem 

Weil kleine Kinder besonders empfindlich sind, muss Babynahrung frei von Schadstoffen sein. Doch: In allen 20 getesteten Babybreien mit Gemüse und Fleisch hat das von uns beauftragte Labor Furan gefunden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft diesen Stoff als möglicherweise krebserregend ein.

In einigen der getesteten Produkte waren die Gehalte aus unserer Sicht sehr niedrig, in anderen sehen wir die Furanbelastung deutlich kritischer, wir bewerten sie als "erhöht". 

Zur Erklärung: Furan entsteht beim Erhitzen von Gemüse. Es entweicht aber in die Luft und ist beim Kochen am heimischen Herd eher kein Thema. Anders sieht es bei der industriellen Herstellung von Fertiggläschen aus: Bei der Sterilisation der Fertigbreie sammelt sich der Stoff an. Das ist im Produktionsprozess derzeit noch nicht vermeidbar.

Babybrei mit Gemüse und Fleisch im Test: Jetzt Ergebnisse als ePaper kaufen

Tipp: Babybrei mit offenem Deckel aufwärmen 

Den Herstellern ist es in den vergangenen Jahren zwar gelungen, die Gehalte deutlich zu senken – und akut gefährlich ist keine der festgestellten Belastungen, aber: Noch weniger wäre besser. Denn: In Tierversuchen führte die langfristige Aufnahme von Furan zu Leberschäden, hohe Dosen führten zu Leberkrebs. Zu langfristigen Schäden beim Menschen weiß man bisher noch zu wenig.

Einen offiziellen Grenzwert gibt es bislang nicht. In unserer Bewertung orientieren wir uns an den Werten, bei denen in Tierversuchen erste Schäden aufgetreten sind. Je weiter der Abstand zu diesen Werten, desto besser.

Ein wenig lässt sich die Belastung senken, wenn man die Fertigbreie bei geöffnetem Deckel erhitzt und sie dabei umrührt. Dann verflüchtigt sich ein Teil des Furans. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) geht von etwa 15 bis 30 Prozent Verflüchtigung aus.  

Babys unter vier Monaten sind zu jung für Beikost.
Babys unter vier Monaten sind zu jung für Beikost. (Foto: DinaPhoto/Shutterstock )

Eisenversorgung durch Babybrei mit Gemüse und Fleisch?

Wer seinem Baby regelmäßig einen Brei mit Fleisch gibt, geht vermutlich davon aus, dass dieser ordentlich Eisen liefert. In drei Produkten im Test ist der Eisengehalt allerdings relativ gering. Und ein Anbieter setzt seinen Gläschen Eisendiphosphat zu. Den Zusatz von Eisen aus künstlichen Quellen sehen wir kritisch, da es genug natürliche Eisenquellen gibt.

Übrigens: Für die Eisenversorgung braucht es nicht zwingend Fleisch. In der vegetarischen Babyernährung liefert Vollkorngetreide Eisen, Vitamin C aus Fruchtsaft macht das Eisen pflanzlichen Ursprungs gut aufnehmbar.

Kritik an Auslobungen auf Gemüsefleischbreien 

Unzufrieden sind wir auch mit Auslobungen, die teils auf Babybreien mit Gemüse und Fleisch formuliert sind. So steht dort geschrieben: "Alpha-Linolensäure (ALA) trägt zur Entwicklung von Gehirn und Nervenzellen bei".

In den Produkten steckt Rapsöl, das wiederum Alpha-Linolensäure enthält. Sie kann im Körper zu der wichtigen Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure (DHA) umgewandelt werden. Aber: Die umgewandelte Menge ist bei Säuglingen eher gering. Rapsöl leistet deshalb keinen relevanten Beitrag zur DHA-Versorgung.

Eine gute Quelle für DHA – auch für Säuglinge – ist Fisch oder ersatzweise Algenöl. Wenn die Werbeaussagen suggerieren, dass der Fertigbrei das Baby schon bestens mit Omega-3-Fettsäuren versorgt, führt das aus unserer Sicht in eine falsche Richtung.

Wenn sich das Baby zunehmend für das Essen der anderen Familienmitglieder interessiert, ist es bereit für Brei & Co.
Wenn sich das Baby zunehmend für das Essen der anderen Familienmitglieder interessiert, ist es bereit für Brei & Co. (Foto: Tekkol/Shutterstock )

Babybrei im Test: So steht's um Gemüse- und Obstbreie 

Für die geschmackliche Horizonterweiterung und die Nährstoffversorgung ist eine Abwechslung zwischen verschiedenen Gemüse- und Fleischsorten gut. Daher könnte Sie auch interessieren, dass wir für das ÖKO-TEST Magazin 3/2021 Babygläschen mit Gemüsebrei getestet haben. Nur zwei erhielten die Note "gut". 

Die Gründe für das Testergebnis sind vielfältig. So steckten auch in allen Gemüsebreien mindestens Spuren von Furan, das als möglicherweise krebserregend eingestuft wird. Weitere Kritikpunkte waren erhöhte Nitratwerte und Belastungen durch das Schwermetall Cadmium. Mehr dazu lesen Sie hier: Babygläschen im Test: Nur zwei Gemüsebreie sind empfehlenswert.

Auch Obstbreie haben wir bereits überprüft. Die Gläschen sind praktisch, allerdings ist der natürliche Zuckergehalt in den Babygläschen oft hoch. Außerdem war aufgefallen, dass der Anteil von echtem Obstpüree bei einigen Produkten unter 80 Prozent liegt. Das heißt, die Früchte werden beispielsweise mit Säften gestreckt. Zum Test geht es hier: Obstbrei-Test: Hersteller tricksen bei Fruchtgehalt – Elf sind "gut"

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 20 Gemüsefleischbreie für Babys eingekauft: fein pürierte und leicht stückige für ab dem fünften beziehungsweise ab dem sechsten Lebensmonat. Die Breie enthalten Rind, Huhn, Pute oder Schwein. Mit zwei Ausnahmen handelt es sich bei allen um Bio-Produkte.

Spezialisierte Labore untersuchten die Babybreie für uns auf Furan, Pestizide, Schwermetalle und Keime. Furan entsteht beim Erhitzen und Sterilisieren und ist möglicherweise krebserregend. Außerdem haben wir die Nitratgehalte bestimmen lassen. Nitrat ist natürlicherweise in Gemüse enthalten, in Säuglingsnahrung darf aber nur wenig davon stecken, weil sich aus Nitrat das problematischere Nitrit bilden kann.

Wir ließen außerdem messen, wie viel Eisen die Breie enthalten, weil Kinder in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres relativ viel davon benötigen. Wir haben zudem anhand der Packungsangaben geprüft, ob die Anbieter Eisensalze zusetzen.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) ein Furangehalt von mehr als 27 μg/kg (in der Tabelle "erhöht"). Berechnungsbasis Furan: Mangels gesetzlicher Grenzwerte für Furan orientieren wir uns an einer von der EFSA 2017 veröffentlichten Risikoabschätzung. In Tierversuchen führte die langfristige Aufnahme von Furan zu Leberschäden, hohe Dosen Furan sogar zu Leberkrebs. Messbare Wirkungen traten ab 64 μg/kg Körpergewicht (KG) pro Tag für die nicht krebserregende Wirkung bzw. ab 1.310 μg/kg KG pro Tag für eine krebserregende Wirkung auf. Liegen die Furangehalte um einen Faktor ≥ 100 für die nicht krebserregende bzw. ≥ 10.000 für die krebserregende Wirkung unterhalb dieser Werte, gelten sie als wahrscheinlich unbedenklich. Für ein Kind mit 8 kg KG, das ein Gläschen mit 190 g Inhalt am Tag komplett isst, ergibt sich daraus, dass Breie mit mehr als 5,5 μg Furan/kg den Sicherheitsabstand von ≥ 10.000 zur kanzerogenen Wirkung bzw. mit mehr als 27 μg Furan/kg auch den Sicherheitsabstand ≥ 100 zur nicht kanzerogenen Wirkung unterschreiten. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Furangehalt von mehr als 5,5 bis 27μg/kg (in der Tabelle "leicht erhöht"), b) der Zusatz von Eisendiphosphat; c) ein Eisengehalt von weniger als 0,57 mg/190 g.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Deklarationsmangel: Auslobung "Alpha-Linolensäure (eine Omega- 3-Fettsäure), wichtig für die Entwicklung von Gehirn- und Nervenzellen" oder "Alpha-Linolensäure (ALA) trägt zur Entwicklung von Gehirn und Nervenzellen bei". Zur Abwertung um eine Note führt: PVC/PVDC/ chlorierte Verbindungen in der Verpackung.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Testmethoden 

Pestizidscreening: GC-MS bzw. LC-MS/MS. Nitrat/Nitrit: nach ASU L 26.00-1 : 2018 modifiziert. Furan: Niedertemperatur Headspace-GC/MS mittels deuteriertem Furan als interner Standard gemäß Vorschrift der FDA und § 64 LFGB, Dreifachbestimmungen per Standardzusatz. Mikrobiologie: Die Proben werden in der Originalverpackung für 14 Tage bei 30 °C bebrütet; anschließend Untersuchung nach DIN EN ISO 488-2: 2014 (aerob) bzw. DIN EN ISO 488-2: 2014 mod. (anaerob). Mineralöl: nach DIN EN 16995: 2017, modifiziert. Die Modifikation betrifft die Verseifung und eine andere Matrix. Elementbestimmung/Schwermetalle: ICP-MS. Folgende Elemente wurden bestimmt: Arsen, Cadmium, Kobalt, Chrom, Kupfer, Quecksilber, Nickel, Selen, Blei, Antimon, Zinn, Zink. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Juni 2021 

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