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Wochenbettdepression: Was hilft gegen die postpartale Depression?

Mutterseele allein

Autor: ÖKO-TEST-Redaktion | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 03.03.2020

CC0 / Unsplash.com / Echo Grid

Gefühlschaos kennen viele frischgebackene Mütter. Bei den meisten gehen die Heultage bald vorüber. Manchmal entwickeln Frauen aber eine ernstzunehmende Erkrankung: die Wochenbettdepression. Was wissen wir darüber? Was lässt sich dagegen tun?

Nach Schätzungen von Ärzten und Hebammen kennen bis zu 70 Prozent aller Frauen eine besonders emotionale Phase nach der Geburt, die die Amerikaner "Baby-Blues" nennen. Bei den meisten tritt sie am 3. bis 5. Tag nach der Entbindung auf. Dabei spielen Hormonveränderungen eine Rolle. Auch der zurückliegende Geburtsstress und Schlafmangel begünstigen das Stimmungstief verständlicherweise.

Zum Glück geht die Traurigkeit der meisten frischgebackenen Mütter meist nach einigen Tagen vorbei. Bei rund 10 bis 15 Prozent aller Mütter entwickelt sich jedoch eine ernstzunehmende Erkrankung: die sogenannte Wochenbettdepression. Sie ist auch unter ihren lateinischen Namen als perinatale, postpartale oder postnatale Depression bekannt.

Wochenbettdepression betrifft viele Mütter

Nicht immer zeigt sich diese Erkrankung in den ersten Tagen nach der Geburt. Sie kann auch erst Wochen, Monate oder gar ein Jahr nach der Entbindung ausbrechen. Viele Frauen schweigen aus Scham, weil sie glauben, dem Bild einer glücklichen Mutter nicht zu entsprechen. Typische Kennzeichen einer Wochenbettdepression sind Erschöpfung und Trauer, häufige Schuldgefühle, das Gefühl innerer Leere, Angst und Reizbarkeit.

Welche Frau die schwere Krise einer Wochenbettdepression durchmacht, ist nur schwer vorherzusehen. Alter, Familienstand, Schulbildung, Beruf, Entbindungsmethode und auch das Geschlecht des Kindes spielen dabei keine Rolle, so die Wissenschaft.

Wochenbettdepression kann jede Frau treffen

Ein erhöhtes Risiko lässt sich lediglich für Mütter nachweisen, die bereits vor der Geburt unter psychischen Problemen litten oder erblich vorbelastet sind. Das dürfte aber kaum eine Überraschung darstellen – genauso wenig wie die Tatsache, dass Beziehungsprobleme und eine fehlende Unterstützung nach der Geburt das Stimmungstief verstärken können.

Vor allem aber sind die Hormone verantwortlich. Tatsächlich findet im Körper einer Frau nach der Geburt eine drastische Umstellung statt: Östrogen- und Progesteronspiegel stürzen innerhalb einer Woche rapide ab. Vier Schwangerschaftshormone verschwinden sogar völlig.

Wochenbettdepression kann viele Gründe haben
Wochenbettdepression kann viele Gründe haben (Foto: CC0 / Unsplash.com / Joshua Reddekopp)

Nach der Geburt spielen die Hormone verrückt

Der Körper der frischgebackenen Mütter stellt sich auf die zu erwartende Stillzeit um. Alle Funktionen, die er für das Austragen des Babys aufgebaut hatte, brechen ab. Jetzt wird das milchbildende Prolaktin produziert, was Östrogene und Progesteron zusätzlich hemmt. Bis sich der Hormonhaushalt wieder eingependelt hat, kann es ein Jahr dauern.

Obwohl alle Frauen nach der Geburt eine solche Hormonumstellung mitmachen, erleidet nur ein geringer Teil eine schwere Depression. Manche Ärzte haben auch die Erfahrung gemacht, dass stillende Mütter seltener an einer Wochenbettdepression erkranken.

Wochenbettdepression kann viele Gründe haben

Andere dagegen halten eher die Bedingungen in den ersten Wochen und Monaten nach der Geburt für den bedeutenderen Risikofaktor. Denn wenn die frischgebackene Mutter nach der Entbindung aus der Klinik nach Hause kommt, ist sie immer noch oft genug auf sich allein gestellt. Und das nicht nur, wenn sie alleinerziehend sein sollte.

Trotz einer verbesserten Vereinbarkeit von Beruf und Familie gehen Väter oft nach einigen Wochen wieder zur Arbeit. So fehlt tagsüber nicht nur Unterstützung, sondern oft auch ein Ansprechpartner und ausreichend sozialer Austausch.

Dazu kommt: Weil Menschen heute häufiger ihren Wohnort wechseln als früher, wohnen Eltern und erwachsene Geschwister, die der Mutter mit Rat und Tat zur Seite stehen könnten, häufig weiter weg. In ihre neue Mutterrolle langsam und behutsam hineinzuwachsen, ist deshalb nur wenigen Frauen vergönnt.

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Auch Frauen müssen das Muttersein erst lernen

Doch das Muttersein muss eine Frau erst lernen, meint auch die Psychiaterin Professor Anke Rohde, Leiterin des Bereichs Gynäkologische Psychosomatik an der Universitätsfrauenklinik Bonn: "Es kann nicht pures Glück sein, wenn man 24 Stunden am Tag den knochenharten Job einer Mutter hat. Und auch die Bindung zum Kind ist nicht einfach so da, sondern muss sich entwickeln können. Doch darüber wird in unserer Gesellschaft zu wenig gesprochen."

Das Muttersein werde verklärt, dass es auch Schattenseiten hat, dagegen in der Öffentlichkeit weitgehend ausgeklammert. Rohde spricht sich dafür aus, das Thema auch in Geburtsvorbereitungskursen anzusprechen, damit die werdenden Eltern wissen, dass solche Probleme normal sind. Und sich nicht zu scheuen, bei Bedarf Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Rat und Hilfe bei Wochenbettdepression

Gynäkologen und Kinderärzte sind inzwischen deutlich besser als früher mit der Wochenbettdepression vertraut. Wer aber das Gefühl hat, von den Ärzten nicht ernst genommen zu werden, findet auch im Internet Hilfe.

  • Der Verein Schatten und Licht beispielsweise wurde 1996 von betroffenen Frauen als Selbsthilfeorganisation gegründet. Er vermittelt nicht nur grundsätzliche Informationen über die Erkrankung, sondern auch Kontakte zu Beraterinnen, Fachleuten und anderen Betroffenen.
  • Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe ist ebenfalls eine gute Anlaufstelle und bietet Adressen von Krisendiensten, Beratungsstellen, Onlineforen, Selbsthilfegruppen und Kliniken. Ihr Info-Telefon ist unter 0800 / 33 44 533 zu erreichen (Mo., Di., Do.: 13-17 Uhr; Mi., Fr.: 08:30-12:30 Uhr).
  • Die Wochenbettdepression-Hotline der Uniklinik Frankfurt unterstützt unter 01577 / 47 42 654 (Mo. bis Fr.: 8.30 bis 18 Uhr) Mütter und Väter, die nach der Geburt ihres Kindes Symptome wie Niedergeschlagenheit, innere Leere, Schuldgefühle oder zwiespältige Gefühle gegenüber dem Kind verspüren.
  • Lesen Sie außerdem: Wochenbett-Depressionen: Neues Medikament soll Müttern helfen

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