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Was hilft gegen Sonnenbrand?

Autor: Redaktion ÖKO-TEST | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 27.07.2020

Sonne tut gut - aber nur in Maßen, sonst droht ein Sonnenbrand.

Sonnenbrand ist gefährlich. Das hat sich inzwischen herumgesprochen. Dennoch bleiben Unsicherheiten beim Thema Sonnenschutz. Wir klären die wichtigsten Fragen und verraten, was gegen Sonnenbrand hilft.

Gebräunte Haut gilt für viele nach wie vor als Schönheitsideal. Prinzipiell tut uns auch Sonne gut, wir brauchen sie zum Beispiel zur Bildung von Vitamin D. Die Bräune ist jedoch kein Zeichen von Gesundheit, sondern eigentlich das Ergebnis eines Abwehrkampfs: Die ultravioletten Strahlen der Sonne, UV-Strahlung genannt, lösen automatisch zwei Mechanismen aus, mit denen sich der menschliche Körper zu schützen versucht.

Zum einen bildet die Haut an ihrer Oberfläche über zwei bis drei Wochen hinweg eine dickere Hornschicht (Lichtschwiele), damit weniger Strahlung eindringen kann. Der zweite Schutzmechanismus entsteht durch ein körpereigenes Farbpigment - das Melanin. Dieser Farbstoff wird gebildet, wenn UV-B-Strahlen auf die Haut treffen. Er legt sich über die Zellkerne der Haut und schützt vor der Energie der UV-Strahlen. Was also gemeinhin als Sonnenbräune geschätzt wird, ist eigentlich eine Schutzreaktion der Haut.

Kann sich die Haut selbst vor Sonne schützen?

Weil sich Lichtschwiele und Pigmentierung über einen längeren Zeitraum entwickeln, ist es wichtig, den Körper langsam an die Sonne zu gewöhnen. Wie gut die Haut mit der Sonnenstrahlung umgehen kann, ist aber auch individuell verschieden und genetisch vorbestimmt. Die einen sind bereits nach einer halben Stunde in der Sonne rot, andere hüpfen den ganzen Tag am Strand ohne Anzeichen für einen Sonnenbrand umher. Wissenschaftler teilen Menschen deshalb in mehrere Hauttypen ein, die unterschiedlich auf das UV-Licht der Sonne reagieren.

Neben dem Hauttyp spielt auch die Stärke der UV-Strahlung eine große Rolle dabei, wie die Haut reagiert. Sie hängt von der geografischen Lage, der Tages- und Jahreszeit sowie der Höhe ab. Je näher am Äquator und je höher über dem Meeressspiegel ein Ort liegt, desto stärker wirkt die Sonne. Wolken in der Luft reduzieren die ultraviolette Strahlung; Reflektionen des Sonnenlichts an Wasser oder Schnee verstärken sie. Auch im Frühjahr droht schnell ein Sonnenbrand, weil die Haut zum einen sonnenentwöhnt und damit empfindlich ist. Zum anderen ist die Ozonschicht, die normalerweise einen Großteil der UV-Strahlung zurückhält, in dieser Jahreszeit am dünnsten.

Ausreichend Sonnencreme beugt Sonnenbrand vor.
Ausreichend Sonnencreme beugt Sonnenbrand vor. (Foto: CC0 / Retha Ferguson / Pexels)

Eigentlich aber ist es gar nicht so schwer, mit heiler Haut durch Frühling und Sommer zu kommen, wenn Sie ein paar Regeln beachten.

Sonnenbrand vorbeugen mit 3 Tricks

Sonnenschutzmittel dick auftragen

Auch wer bekleidet ist, kann auf Sonnenschutzmittel nicht verzichten. Die unbedeckten Körperstellen müssen eingecremt werden, vor allem die "Sonnenterrassen": Nase, Wangen, Ohren, Schultern, Hand- und Fußrücken.

Sonnenschutzmittel sind in vier Kategorien eingeteilt, entsprechend ihren Lichtschutzfaktoren (LSF) beziehungsweise SPF für Sun Protection Factor:

  • Basis (LSF 6, 10)
  • mittel (LSF 15, 20, 25)
  • hoch (LSF 30, 40, 50)
  • sehr hoch (LSF 50+)

Der LSF-Faktor gibt an, um wie viel sich die Eigenschutzzeit der Haut verlängert, bevor es zum Sonnenbrand kommt. Die tatsächliche Schutzwirkung ist abhängig vom Hauttyp und der Intensität der Sonnenstrahlung. Wer hellhäutig ist (Hauttyp I), kann sich ungeschützt maximal zehn Minuten in der Sonne aufhalten, ohne zu verbrennen. Eine Sonnencreme mit LSF 15 verlängert den Schutz rechnerisch auf 150 Minuten (10 Minuten Eigenschutz x 15). Gerade hellhäutige Typen sollten diese Zeit aber nicht voll ausnutzen, da sie besonders empfindlich sind. Einen absoluten Schutz bieten hingegen auch hohe Lichtschutzfaktoren nicht.

Da Schweiß, Wasser oder Abrieb die Wirkung der Creme mindern, sollte man regelmäßig nachcremen, vor allem nach dem Baden. Erneutes Auftragen verlängert den Schutz aber nicht, sondern erhält ihn bloß. Die meisten Sonnenanbeter tragen Sonnencreme ohnehin viel zu dünn auf: Nicht kleckern, sondern klotzen ist deshalb die Devise. Erwachsene brauchen etwa drei bis vier Esslöffel Sonnencreme, um sich von Kopf bis Fuß einzucremen. Öko-Test hat 22 Sonnencremes für Sie getestet - und kann viele Produkte empfehlen:

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Bedeckt halten

Generell gilt: Die Mittagssonne ist zu meiden, denn zwischen 11 und 15 Uhr knallt die Sonne deutlich stärker als in den Morgen- und Abendstunden. Wer aber in die Sonne geht, sollte sich nicht aus-, sondern anziehen, denn Fachleute sind sich einig: Kleidung hält schädliche Sonnenstrahlung am besten ab. Nicht Shorts und Top, sondern eine lange Hose und ein langärmeliges Hemd sind bei Sonne das richtige Outfit. Auf den Kopf gehört ein Sonnenhut. Als Faustregel gilt: Je dichter der Stoff, desto besser der Schutz.

Immer mehr Kleidungsstücke sind mit einer UV-Schutzangabe versehen. Für textilen UV-Schutz haben sich international vier Prüfverfahren durchgesetzt: Der UV-Standard 801 gilt als der sicherste, weil er Textilien praxisnah bewertet. Der Stoff wird vor der Prüfung gewaschen, er wird beim Test angefeuchtet und gedehnt. Bei der Bestimmung des Schutzfaktors wird eine maximale Strahlungsintensität zugrunde gelegt. Im Unterschied dazu wird beim australisch-neuseeländischen Standard (AS/NZS 4399:1996) und auch bei der europäischen Norm (EN 13758-1) die Messung an neuwertigen Textilien vorgenommen. Auch der US-amerikanische Standard (AATCC 183) bewertet unbenutzte Textilien; bei einer zweiten Messung wird der Zustand des Kleidungsstücks nach zwei Jahren Tragezeit simuliert. Wer sich ein Kleidungsstück mit UV-Schutzdeklaration kauft, sollte also auf die Norm achten, die dem Schutzfaktor zugrunde liegt.

Nicht austrocknen

Sonne ist Stress für die Haut. Was sie jetzt vor allem braucht, ist Feuchtigkeit. Von außen - und von innen. Ausreichend Wasser trinken hält die Haut frisch. Von außen sorgt eine Feuchtigkeitslotion für Geschmeidigkeit. Schnell einziehende Gesichtscremes mit hohem Wasseranteil sind im Sommer angenehmer als reichhaltige Pflege, denn fettreiche Cremes können den Feuchtigkeitsaustausch der Haut behindern.

Zum Duschen benutzt man statt Seife eine rückfettende Waschlotion. Nach jedem Bad im Meer oder Schwimmbecken sollte man sich abduschen, um die Haut von Salz beziehungsweise Chlor zu befreien.

Selbstbräuner schützen nicht vor Sonnenbrand

Selbstbräunende Cremes und Lotionen eignen sich hervorragend, um ohne Sonnenbad die kosmetisch gewünschte Bräune zu erreichen. Doch Vorsicht: Die Bräune aus der Tube bietet keinen Sonnenschutz und verlängert nicht den Eigenschutz der Haut. Denn der Selbstbräuner färbt nur die oberste Hautschicht ein. Auch wenn man braun aussieht, ist man der Sonnenstrahlung hilflos ausgeliefert.

Lesen Sie dazu auch: Selbstbräuner-Test: Zwei Drittel fallen durch – sogar Naturkosmetik versagt.

Zu viel Sonne schadet unserer Haut - ein Sonnenbrand ist gefährlicher, als viele glauben.
Zu viel Sonne schadet unserer Haut - ein Sonnenbrand ist gefährlicher, als viele glauben. (Foto: CC0 / Andrea Piacquadio / Pexels)

Sonnenbrand: Nichts wie raus aus der Sonne!

Bei einem Sonnenbrand lautet das erste Gebot: raus aus der Sonne, und zwar so lange, bis er vollständig abgeheilt ist. Das dauert mindestens eine Woche. Allerdings: Einen Sonnenbrand ersten Grades bemerkt man in der Sonne nicht sofort. Später, meist gegen Abend, beginnt die Haut dann zu schmerzen. Ein Sonnenbrand zweiten Grades tut deutlich mehr weh. Hier kommt es zu einer Schwellung oder Bläschenbildung der Haut; die Berührung ist schmerzhaft. Sind ausgedehnte Bereiche des Körpers betroffen, können sich Schüttelfrost, Übelkeit und Kreislaufbeschwerden einstellen. Bei einem starken Sonnenbrand sollte man den Arzt aufsuchen. Er kann eine beruhigende Creme verschreiben.

Hausmittel gegen Sonnenbrand

Gegen die Schmerzen helfen Medikamente auf Basis der Wirkstoffe Acetylsalicylsäure oder Paracetamol. Sie wirken zugleich Entzündungen entgegen. Zudem sollten Sie viel Wasser trinken.

Einen leichten Sonnenbrand ersten Grades kann man mit kalten Umschlägen behandeln, die man wiederholt für etwa eine Viertelstunde auf die betroffenen Stellen legt. Altbewährte Hausmittel sind auch Umschläge mit Quark, Joghurt oder Buttermilch. Ein kühlendes Gel bringt ebenso Erleichterung.

Wie gefährlich ist Sonnenbrand?

Haben wir zu viel Sonne abbekommen, macht sich die Haut daran, die Schäden zu reparieren. Das funktioniert aber nur in einem gewissen Umfang. Wenn die Strahlendosis so stark war, dass sie diesen Mechanismus lahmlegt, bekommen wir einen Sonnenbrand. Die schmerzhafte Hautrötung tritt immer erst dann auf, wenn die Hautzellen bereits durch eine Überdosis UV-Strahlung geschädigt sind. Sie zeigt sich erst einige Stunden nach dem zu ausgedehnten Sonnenbad - nämlich dann, wenn sich die Gefäße weiten und sauerstoffreiches Blut zu den geschädigten Zellen geleitet wird.

Bereits in dieser Phase können in den Hautzellen Veränderungen der Erbinformation auftreten. Werden diese Schäden nicht durch zelleigene Reparatursysteme behoben, sterben die Zellen ab und die Haut pellt sich. Ein Sonnenbrand tut aber nicht nur weh und erhöht die Hautkrebsgefahr. Durch UV-Strahlung belastete Haut kann auch ihre Aufgabe als Abwehrorgan körperfremder Substanzen nicht mehr richtig erfüllen. Die Folge: Die Immunabwehr wird geschwächt.

Sonnenbrand ist also leider viel mehr als eine vorübergehende schmerzhafte Rötung der Haut. Denn der Körper vergisst keinen einzigen davon. Jahrzehnte später kann sich daraus Hautkrebs entwickeln. Lesen Sie dazu auch: 30 Prozent mehr schwarzer Hautkrebs: So erkennen Sie, ob Sie betroffen sind

Die Sonne genießen darf man aber durchaus und wird das auch nicht bereuen, wenn man sich an vier einfache Regeln hält: Die Haut langsam an die Sonne gewöhnen, die Sonnenbäder nicht übertreiben, sich mit Kleidung vor zu viel Strahlung schützen und ein gutes Sonnenschutzmittel verwenden.

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