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Trocknet (feste) Seife die Haut aus?

Autor: Lena Pritzl | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 13.11.2021

Händewaschen ist wichtig, aber trocknet Seife auf Dauer die Haut aus?
Foto: Shutterstock / Me_Studio

Seit der Corona-Pandemie ist Händewaschen so verbreitet – und so notwendig – wie nie. Im vergangenen Jahr waren Seifen in den Supermarktregalen wochenlang ausverkauft. Aber ist das viele Händewaschen mit Seife gut für die Haut? Heißt es nicht, dass Seife die Hände austrocknet? ÖKO-TEST hat Antworten.

Seife gehörte während dem ersten Corona-Lockdown neben Toilettenpapier und Hefe zu den Verkaufsschlagern in den Supermärkten. Die Aufregung um die Seifenstücke und Flüssigseifen hat sich ein wenig gelegt, doch Händewaschen bleibt – nicht nur wegen des Coronavirus – wichtig. Dabei hat sehr häufiges Händewaschen nicht nur Vorteile, denn aggressive Substanzen, (zu) heißes Wasser und dauernde Reibung können die Haut angreifen. Vor allem im Winter fragen sich deshalb viele: Trocknet Seife meine Haut aus?

Seife oder Syndet: Aus was besteht Seife?

Seit Jahrhunderten benutzen Menschen Seife zum Waschen. Inzwischen haben wir feste Seifenstücke, Flüssigseifen und sogenannte Syndets (d.h. seifenfreie Waschlotionen) erfunden. Sie unterscheiden sich optisch, haptisch und teilweise auch in Bezug auf die Inhaltsstoffe.

Feste Seife

Um Seife herzustellen, werden pflanzliche oder tierische Fette in einer Lauge gekocht. Beim sogenannten Seifensieden werden die Fette aufgespalten, sodass eine seifige Masse entsteht. Traditionelle Seifen sind alkalisch, haben also einen basischen pH-Wert zwischen 8 und 11. Die Fette zu ihrer Erzeugung können dabei tierischen oder pflanzlichen Ursprungs sein. Als tierische Fette zur Seifenherstellung werden Talg, Schmalz oder Knochenfett verwendet. Öle wie Olivenöl, Palmöl und Leinöl sowie Kokosfett liefern hingegen pflanzliche Fette.

ÖKO-TEST hat 40 feste Seifen untersucht und kann einige Stückseifen mit der Bestnote "sehr gut" empfehlen. Allerdings kritisieren wir in vielen Produkten problematische Duftstoffe, allen voran Lilial: Der Stoff steht in Verdacht, die Fruchtbarkeit zu gefährden.

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Flüssigseife

Im Unterschied zu Seifenstücken besteht Flüssigseife nicht nur aus verseiften Fetten, sondern zusätzlich aus Wasser. Doch nicht alle flüssigen Seifen enthalten "echte" Seifentenside, viele Produkte reinigen die Hände mit synthetisch hergestellten waschaktiven Substanzen (Tensiden). Viele Flüssigseifen zählen damit strenggenommen zu den sogenannten Syndets oder sind Mischungen aus Syndet und Seife.

Auch Flüssigseifen hat ÖKO-TEST unter die Lupe genommen: Im Flüssigseifen-Test stießen wir uns an problematischen Duftstoffen und kritischen Konservierungsstoffen.

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Syndets

Syndets ist die Kurzform für synthetische Detergentien. Diese waschaktiven Substanzen wurden im vorigen Jahrhundert erfunden und lassen sich pH-hautneutral (d.h. mit einem pH-Wert zwischen 4,1 und 5,8) herstellen. Das bedeutet, dass der pH-Wert dieser seifenfreien Waschlotionen dem der Haut angepasst ist und sie den Säureschutzmantel der Haut weniger angreifen.

Auch sogenannte "Arztseifen", die als besonders hautschonend beworben werden, gehören in der Regel zu den Syndets. Es handelt sich dabei aber nicht um Produkte, die explizit für den medizinischen Einsatz vorgesehen sind.

Auch Syndets haben wir bereits untersuchen lassen. Insgesamt drei Syndets im Test bewerteten wir mit Bestnote. Häufigster Kritikpunkt waren PEG-Verbindungen, die die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können. Weitere Details lesen Sie hier: Syndets als Alternative zu Seife: Nicht alle rundum hautfreundlich.

So wirkt Seife auf der Haut: Trocknet Seife die Haut aus?

Um zu verstehen, ob Seife die Haut austrocknen oder nicht, muss man verstehen, wie Seife auf die Haut wirkt. Unsere Haut hat eine natürliche Schutzschicht, die den Körper vor Fremdstoffen schützt. Dieser Säureschutzmantel aus Wasser, Lipiden, Enzymen, Hornzellen, Talg und Schweiß hält den pH-Wert auf der Hautoberfläche auf einem leicht sauren Niveau von etwa 4,5 bis 5,7. 

Da Seife einen alkalischen pH-Wert von 8 bis 11 hat, erhöht sich beim Einseifen der Hände der pH-Wert der Haut ebenfalls kurzfristig auf dieses Niveau. Für gesunde Haut ist das allerdings unproblematisch, denn nach wenigen Stunden hat sich die Haut selbst reguliert und den pH-Wert wieder normalisiert.

Seife erhöht den pH-Wert unserer Haut für kurze Zeit, gesunde Haut kann das alleine wieder regulieren.
Seife erhöht den pH-Wert unserer Haut für kurze Zeit, gesunde Haut kann das alleine wieder regulieren. (Foto: Shutterstock/777Anna777)

Seife erhöht aber nicht nur für kurze Zeit den pH-Wert der Haut, sie tötet auch Bakterien, Viren & Co. ab. Einerseits ist das der Grund, warum wir unsere Hände gründlich einseifen und waschen. Auf der anderen Seite werden damit aber auch Mikroorganismen abgetötet, die die Haut für ihren Säureschutzmantel benötigt.

Außerdem entfernen die Seifentenside nicht nur Schmutz von der Haut, sondern lösen auch hauteigene Fette aus der Hautschutzbarriere. Damit entzieht Seife unserer Haut Fett. Vielen Seifen werden deshalb sogenannte rückfettende Substanzen beigemischt. Damit soll verhindert werden, dass die Haut nach dem Einseifen austrocknet.

Bei sehr häufigem Händewaschen mit Seife kann der Säureschutzmantel der Haut dennoch dauerhaft angegriffen und durchlässig werden. Dadurch können Keime und andere Schadstoffe schneller in die Haut eindringen und Allergien, Reizungen oder Ekzeme (d.h. Entzündungen der Haut) verursachen.

Tipp: Wer die Hände sehr häufig wäscht, kann zur Sicherheit zu einem Syndet oder einer sogenannten "Arztseife" statt zur klassischen Seife greifen. Wie unser Syndet-Test gezeigt hat, sind allerdings auch nicht alle seifenfreien Waschlotionen vorbehaltlos zu empfehlen.

Welche Seife zum Händewaschen?

  • Feste Seifenstücke reinigen unsere Hände am ökologischsten: Sie brauchen weniger Wasser, kommen oft ohne oder mit wenig Verpackung aus und sind sehr ergiebig.
  • Hygienisch kann es feste Seife locker mit der flüssigen Variante aufnehmen: Studien haben gezeigt, dass sich auf festen Seifenstücken zwar mehr Bakterien sammeln, diese beim Händewaschen aber nicht auf die Haut übertragen werden.
  • Seife ist nicht immer vegan. Wer vegane Seife verwenden möchte, muss auf pflanzliche Fette achten. Reine Alepposeife oder Olivenölseife beispielsweise enthält ausschließlich natürliche Inhaltsstoffe.
  • Kernseife ist als Reinigungsmittel und Fleckenentferner beliebt, zur täglichen Reinigung der Hände sollten Sie sie besser nicht verwenden. Sie trocknet die Haut zu schnell aus.
  • Um die Haut zu schonen, können Sie Ihre Hände auch mit kaltem Wasser waschen. Die Seife entfernt Schmutz auch ohne warmes Wasser.
  • PEG-Verbindungen in Seifen lösen hauteigene Fette besonders stark aus der Hautschutzbarriere. Damit machen sie die Haut durchlässiger für Fremdstoffe. Deutlich milder reinigen Zuckertenside wie etwa Coco-Glucoside, die in zahlreichen "sehr guten" Flüssigseifen in unserem Test stecken.
  • Farbstoffe und Parfüm stellen ein potenzielles Allergierisiko dar und haben keinen positiven Einfluss auf die Reinigungsleistung. In unseren Kosmetik-Tests bemängeln wir zum Beispiel immer wieder den Duftstoff Lilial – lesen Sie dazu: Lilial in festen Seifen im Test: Der Duftstoff könnte bald verboten sein

Wichtig ist ein gründliches Händewaschen: Machen Sie beide Hände nass und schäumen Sie sie ausgiebig mit Seife ein, sodass alle Hautstellen inklusive der Fingerzwischenräume benetzt sind. Anschließend mit klarem Wasser abspülen und gut abtrocknen.

Worüber sich die Haut nach vielen Wascheinheiten besonders freut: eine Extraportion Pflege mit einer reichhaltigen Handcreme.

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