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Studie: So hilft Lichttherapie gegen Winterblues

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 24.01.2020

Studie: So hilft Lichttherapie gegen Winterblues
Foto: Fotolia

Die Tage sind im Winter kurz, das Sonnenlicht ist rar – der Lichtmangel schlägt vielen Menschen aufs Gemüt. Bei Herbst-Winter-Depressionen kann eine Lichttherapie helfen, wie jetzt eine aktuelle Untersuchung bestätigt.

Morgens wird es spät hell und am frühen Nachmittag schon wieder dunkel. Wenn Tages- und Sonnenlicht fehlen, fühlen wir uns häufig müde und schlapp, sind antriebslos und haben Heißhunger auf Kohlenhydrate und Süßes. Diese Symptome können auf eine Winterdepression hindeuten, umgangssprachlich Winterblues genannt. Eine Untersuchung belegt jetzt den kurzfristigen Nutzen von Lichttherapielampen bei Herbst-Winter-Depressionen.

Die Studie wurde im Auftrag des "Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen" (IQWiG) von Wissenschaftlern der Donau-Universität Krems durchgeführt. Die Wissenschaftler untersuchten 21 Studien zur Lichttherapie mit insgesamt 1.441 erwachsenen Teilnehmern. Das Fazit: "Die Untersuchung zeigt einen Hinweis auf einen kurzfristigen Nutzen von Lichttherapie mittels Lichtlampen im Vergleich zu Placebo im Hinblick auf depressionsbezogene Symptome".

Wirkung von Lichttherapie gilt als erwiesen

Lichttherapie gilt als etabliertes und wirksames Mittel zur Behandlung saisonaler Depressionen, das haben zuvor schon zahlreiche Studien belegen können. Und auch der kritische IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS) bewertet die Lichttherapie bei saisonal depressiver Störung als "tendenziell positiv".

Wichtig zu wissen: Tageslichtlampen, sogenannte Lichtduschen, eignen sich nur bei leichten depressiven Verstimmungen. Wer unter mittelschweren bis schweren Depressionen leidet, sollte diese nicht in Eigentherapie behandeln, sondern unbedingt einen Arzt aufsuchen!

Symptome einer Herbst-Winter-Depression

  • gedrückte Stimmung
  • Antriebslosigkeit
  • geringere Freude
  • Heißhunger auf Kohlenhydrate und Süßes
  • erhöhtes Schlafbedürfnis
  • Gewichtzunahme

Andere Formen einer Depression gehen eher mit Appetitlosigkeit, Schlafstörungen und Gewichtsverlust einher.

Weshalb Licht glücklich macht

Dass sich viele Menschen in der dunklen Jahreszeit freudlos fühlen, liegt am fehlenden Tages- und Sonnenlicht: An Wintertagen scheint die Sonne halb so lang wie an Sommertagen. Zudem scheint sie weniger hell.

Bekommt der Körper zu wenig Tageslicht, gerät der Hormonhaushalt durcheinander. Wenn die Zahl der Sonnenstunden sinkt, produziert unser Körper mehr Melatonin (das sogenannte "Schlafhormon"). Wir fühlen uns energielos, sind ständig müde und schlapp. Gleichzeitig nimmt der Serotonin-Spiegel ab, denn unser Körper wandelt Serotonin in Melatonin um. Serotonin, das sogenannte "Glückshormon", sorgt dafür, dass wir uns wach, ausgeschlafen und voller Energie fühlen.

Bei Menschen, die unter Winterdepression leiden, ist das Gegenteil der Fall. Typisch für die Winterdepression (auch SAD, "Seasonal Affective Disorder"): Im Frühling verschwindet sie ganz von selbst wieder. Dass wir bei einer Winterdepression vermehrt zu Schokolade greifen, hat einen einfachen Grund: Schokolade enthält die Aminosäure Tryptophan. Wandert sie ins Gehirn, steigt der Serotoninspiegel und damit auch die Stimmung. 

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So funktioniert die Lichttherapie

Tageslichtlampen können helfen, den Gemütszustand auf das Sommerniveau zu heben. Der Patient oder die Patientin sitzt mit offenen Augen vor einer Lichtquelle, die weißes Licht abgibt. Das künstlich erzeugte Licht der Lampe simuliert das Sonnenlicht und kurbelt die Ausschüttung von Serotonin an.

Einen erheblichen Unterschied gibt es allerdings zu "echtem" Licht: Tageslichtlampen filtern UV-Strahlung heraus, deshalb sind sie nicht in der Lage, die Produktion von Vitamin D anzukurbeln. Vitamin D ist maßgeblich für die Serotonin-Produktion im Gehirn verantwortlich. 

Tipps für die Anwendung der Tageslichtlampe 

  • Lichttherapien werden zum Teil von Arztpraxen angeboten. Der Patient oder die Patientin muss die Sitzungen jedoch in der Regel selbst bezahlen. Mittlerweile gibt es allerdings für relativ wenig Geld eine gute Auswahl hochwertiger Tageslichtlampen für Zuhause.
  • Achten Sie beim Kauf einer Tageslichtlampe auf die Lux-Zahl. Sie sollte bei mindestens 2.500 Lux liegen. Das enspricht der Lichtmenge, die Sie an einem durchschnittlichen Tag im Frühling aufnehmen. Im Sommer liegt diese Menge bei bis zu 10.000 Lux. Optimal ist eine Tageslichtlampe mit 10.000 Lux.
  • Führen Sie die Anwendung täglich durch, am besten morgens. 
  • Infos zu Dauer und Positionierung der Lampe finden Sie in der Betriebsanleitung. Je höher die Lux-Zahl, desto kürzer die Behandlungsdauer. Bei einer Lampe mit 10.000 Lux müssen Sie nur 30 Minuten täglich einplanen, bei einer Lampe mit 2.500 Lux dagegen zwei Stunden.
  • Die Lichttherapie wirkt meist nach wenigen Tagen.
  • Während der Lichttherapie können Sie lesen, essen oder arbeiten.
  • Die Lampen filtern UV-Strahlen heraus, es entsteht deshalb keine Bräunung der Haut, und das Hautkrebs-Risiko steigt nicht an.
  • Lassen Sie sich vor der Behandlung von einem Augenarzt beraten. Bei einigen Augenkrankheiten ist die Therapie nicht ratsam.
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Was bei Winterdepressionen außerdem hilft

  • Bewegung im Freien – auch bei bedecktem Himmel.
  • Vitamin D-Präparate, denn auch ein Mangel an Vitamin D kann Ursache für die temporären Verstimmungen sein.
  • Johanniskraut: Wenn Extrakt und Dosierung stimmen, gilt seine Wirkung bei Depressionen als wissenschaftlich belegt.
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Quellen: IQWiGUniversitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

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