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Richtig lüften im Corona-Herbst

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 08.10.2020

Richtig lüften im Corona-Herbst
Foto: Shutterstock / VanoVasaio, CC0 Public Domain / Pixabay - AnnaliseArt

Richtiges Lüften ist im Herbst und Winter besonders wichtig, denn in schlecht gelüfteten Räumen steigt das Risiko, sich mit dem Coronavirus anzustecken. ÖKO-TEST verrät Ihnen, wie und wie oft Sie lüften sollten, was zu tun ist, wenn jemand im Raum hustet oder niest, und wann Hilfsmittel wie Luftfilter und CO2-Apps sinnvoll sein können.

  • Das Coronavirus verbreitet sich nach aktuellen Erkenntnissen in erster Linie über Aerosole. Wo sich mehrere Menschen längere Zeit in einem geschlossenen Raum aufhalten, ist regelmäßiges und gründliches Lüften zwingend.
  • Stoßlüften mit viel Durchzug ist die beste Methode, um in geschlossenen Räumen für Frischluft zu sorgen.
  • Luftreinigungsgeräte müssen mit Partikelfiltern der Klasse H13 oder H14 ausgestattet sein, sonst sind sie nicht effektiv genug.

Das Coronavirus verbreitet sich nicht nur über Tröpfcheninfektion, sondern auch über Aerosole. Aerosole sind winzig kleine Feuchtigkeitspartikel, die beim Atmen und Sprechen in der Luft verteilt werden und dort für längere Zeit schweben. Da an den Aerosolen auch Coronaviren hängen können, ist es wichtig, in geschlossenen Räumen regelmäßig für frische Luft zu sorgen.

Selbst wenn in einem Raum – zum Beispiel im Büro, bei einer Geburtstagsfeier oder im Klassenzimmer – alle den Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten, steigt die Gefahr einer Coronainfektion, wenn der Raum schlecht oder nicht belüftet wird und einer der Anwesenden mit dem Coronavirus infiziert ist.

Richtig lüften gegen Corona

Wissenschaftler sind sich einig: Richtiges Lüften hilft, das Risiko einer Ansteckung zu reduzieren. Im Sommer war das kein Problem, im Winter wird dauerhaftes Lüften allerdings erschwert. Zum einen ist der Energieverlust bei offenen Fenstern immens, zum anderen drohen Erkältungskrankheiten, wenn es in Räumen zu kalt wird.

Faustregel: Je weniger Frischluft sich im Raum befindet, desto höher ist die Aerosol-Konzentration und damit potenziell die Zahl der Corona-Erreger.

Wichtige Empfehlungen zum Lüften in Corona-Zeiten

Aus der inzwischen bewährten AHA-Formel (Abstand halten – Hygiene beachten – Alltagsmaske tragen) wird im Winter die AHA+L-Formel. Jetzt ist zusätzlich L wie Lüften wichtig, um sich und andere vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen.

1. Stoßlüften hilft gegen Coronaviren

Öffnen Sie die Fenster ganz und möglichst noch eine Tür. Erst wenn richtiger Durchzug entsteht, ist der Luftaustausch optimal. Gekippte Fenster alleine bringen kaum etwas.

2. Regelmäßig lüften

Öffnen Sie die Fenster jede Stunde für mindestens drei Minuten. In Schul- und Besprechungsräumen sollte mindestens alle 20 Minuten gelüftet werden.

>> Zum Weiterlesen: Schule in Corona-Zeiten: So werden Klassenräume richtig gelüftet

3. Stoßlüften, wenn jemand niest oder hustet

Um eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu vermeiden, sollte Experten des Umweltbundesamts zufolge nach jedem Niesen oder Husten sofort stoßgelüftet werden.

Wenn jemand niest oder hustet: Schnell das Fenster öffnen!
Wenn jemand niest oder hustet: Schnell das Fenster öffnen! (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / mohamed_hassan)

4. Bei Sport 5x pro Stunde Fenster öffnen

Beim Sport ist die Atemfrequenz schon bei einer geringen körperlichen Aktivität, verglichen mit einer sitzenden Tätigkeit, deutlich erhöht. Die Menge an ausgeatmeten Aerosolen ist damit höher – und lüften besonders wichtig. Die "Innenraumlufthygiene-Kommission" (IRK) des Umweltbundesamtes empfiehlt, die verbrauchte Luft jede Stunde fünf Mal durch frische Luft zu ersetzen.

5. Ziehen Sie sich warm an!

In der kalten Jahreszeit führt Lüften unweigerlich zu ungemütlich kalten Räumen. Hier helfen nur ein zweiter Pullover, Mütze, Schal – und vielleicht eine Wärmflasche auf dem Schoß.

Übrigens: Kalte Luft allein führt nicht zwangsläufig zu einer Erkältung. Erkältungen werden durch Viren verursacht. Kälte kann allerdings einen Infekt begünstigen, wenn der Körper bereits gegen Krankheitserreger ankämpft und die Kälte das Immunsystem zusätzlich belastet.

Hier erfahren Sie, wie Sie gesund durch Herbst und Winter kommen: So beugen Sie einer Erkältung vor

6. Helfen Luftreiniger gegen Coronaviren?

Eine Alternative zum Lüften sind Luftfilter. Mobile Raumluftreiniger sind in der Lage, infektiöse Aerosole aus der Luft zu filtern und die Aerosolkonzentration in geschlossenen Räumen zu reduzieren. Damit sinkt das Risiko, sich mit Covid-19 anzustecken.

Nicht alle Lüftungsanlagen sind effektiv, manche wälzen die Luft nur um. Voraussetzung ist ein sogenannter Hochleistungsschwebstofffilter (HEPA-Filter) der Klasse H13 oder H14 nach EU-Norm EN 1822-1. Alles darunter ist nicht wirksam genug.

Laut einer aktuellen Studie der Goethe-Universität Frankfurt sind Luftreiniger in der Lage, die Aerosol-Konzentration in einem Klassenzimmer innerhalb von 30 Minuten um 90 Prozent zu senken. Die getesteten Geräte, die jeweils ungefähr 150 Euro kosten, hatten einen H13-Filter.

7. Wie merke ich, wann ich lüften muss? 

Eine sogenannte CO2-Ampel gibt einen schnellen und unkomplizierten Hinweis, wann es Zeit zum Lüften ist. Die Geräte messen den Kohlenstoffdioxid-Gehalt in der Luft. Inzwischen weiß man: Wenn viele Menschen sich in kleinen Räumen aufhalten, steigt der CO2-Gehalt und damit auch die Konzentration an Aerosolen. Allerdings lässt sich aus der CO2-Konzentration in der Luft keine Aussage über die Virenlast im Raum ableiten.

Als Faustregel für einen guten Luftwechsel gilt laut Umweltbundesamt ein CO2-Wert von maximal 1000 ppm (parts per million; Teile pro Million).

Wer kein Gerät zum CO2-Messen hat, kann sich mit der App CO2-Timer des "Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung" behelfen. Die App berechnet für Büro- und Unterrichtsräume die notwendigen Lüftungszeiten und erinnert akustisch daran, wann es wieder Zeit ist, die Fenster aufzureißen.

7. Lüften allein reicht nicht 

Das Robert Koch-Institut (RKI) warnt vor einem längeren Aufenthalt in kleinen, schlecht oder nicht belüfteten Räumen. Denn selbst wenn immer vorbildlich gelüftet wird, bietet das keinen hundertprozentigen Schutz vor Viren. Lüften macht das Abstandhalten und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes nicht überflüssig. Hier können Sie nachlesen, wie Sie sich vor dem Coronavirus schützen.

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