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Ratgeber: Hörsturz

Alarm im Innenohr

ÖKO-TEST Juli 2011 | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 24.06.2011

Ratgeber: Hörsturz

Bei Hörsturz lässt das Hörvermögen schlagartig nach - meist auf einem Ohr. Die Ursachen sind unklar, die Therapien umstritten. Oft verschwindet der Hörverlust von selbst - aber manchmal bleibt ein Tinnitus.

Das Gefühl kam ganz plötzlich. Der Kopf fühlte sich taub an und schlagartig wurden alle Geräusche dumpf. "Als ob ich Watte im Ohr hätte", erinnert sich Jens Kock, "es war total beunruhigend." Der Notarzt ließ ihn sofort ins Krankenhaus bringen. Nach Ohruntersuchung und einer Prüfung des Hörvermögens war die medizinische Diagnose klar: Der Patient hatte einen Hörsturz. Er bekam Infusionen, die sein Blut verdünnten. "Vor allem aber habe ich endlich abgeschaltet", sagt er. Nach drei Wochen konnte er wieder gut hören.

Ein Hörsturz ereilt jedes Jahr 200.000 Menschen, die meisten sind zwischen 50 und 60 Jahre alt. Doch auch jüngere Leute kann es treffen, Frauen wie Männer. 85 Prozent hören gleichzeitig Ohrgeräusche, 30 Prozent leiden unter Schwindel. Warum sie plötzlich auf einem Ohr das Gehör verlieren, ist bis heute unklar. Sicher ist: Der Hörsturz passiert im Innenohr. Normalerweise wandeln dort die Haarsinneszellen Schallwellen in Nervensignale um. Bei einem Hörsturz funktioniert diese Signalumwandlung in bestimmten Frequenzen schlagartig nicht mehr. Man vermutet, dass Durchblutungsstörungen des Innenohrs, Virusinfektionen oder Autoimmunerkrankungen den Hörsturz auslösen.

Als Jens Kock seinen Hörsturz erlitt, galt er noch als Notfall. Heute gilt er als Eilfall und die Empfehlung lautet: Gehen Sie so schnell wie möglich zum Arzt. Er klärt als Erstes, was den Hörverlust ausgelöst hat. Auch Mittelohrentzündungen, Knalltrauma oder Tumore können zu Hörverlust führen.

Bitte zum Arzt!

Bis vor zwei Jahren verordneten die meisten Hals-Nasen-Ohren-Ärzte nach einem Hörsturz Infusionen. Die Wirksamkeit der zeitaufwendigen Infusionen ist aber schon länger umstritten. Bisher kann keine solide Studie belegen, dass die blutverdünnenden oder entzündungshemmenden Infusionen besser wirken als eine wirkstofflose Lösung. Tatsächlich beobachteten die Forscher, dass sich das Gehör bei vielen Probanden von alleine erholte.

Die ernüchternden Studienergebnisse haben vor zwei Jahren dazu geführt, dass der Gemeinsame Bundesausschuss aus Ärzten und Krankenkassen die Wirkstoffe in den Infusionen von der Liste der verordnungsfähigen Arzneimittel gestrichen hat. Im Klartext: Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen sie nicht mehr. Abwarten und auf Heilung hoffen, mehr kann ein Arzt seinen Patienten demnach nicht mehr empfehlen.

Prof. Friedrich Bootz, Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde der Universität Bonn hat an der Hörsturz-Leitlinie seiner Fachgesellschaft mitgearbeitet, die im Jahr 2010 überarbeitet wurde. Sie empfiehlt, bei Patienten mit geringfügigen Hörverlusten eher einige Tage abzuwarten. Bei starkem Hörverlust und zusätzlichem Schwindel halten die Fachleute einen Behandlungsversuch mit blutverdünnenden oder entzündungshemmenden Wirkstoffen für gerechtfertigt. Die müssen Kassenpatienten nun als sogenannte IgeL-Leistung selbst zahlen, die privaten Versicherungen zahlen noch. Bei drei von zehn Leuten mit Hörsturz bleibt ein dauerhaftes Ohrgeräu

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Seite 82 - 87 im ÖKO-TEST Juli 2011
vom 24.06.2011
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Erschienen am 24.06.2011

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