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Macht uns Fluorid in Zahnpasta krank?

Autor: Kai Thomas/Jürgen Steinert | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 27.03.2019

Macht uns Fluorid in Zahnpasta krank?
(Foto: Colourbox.de)

Immer wieder ist zu hören, das in vielen Zahnpasta-Tuben enthaltene Fluorid sei schädlich. In Bio-Zahnpasta fehlt der Zusatz sogar oft. Ist fluoridhaltige Zahncreme also giftig? Nein, im Gegenteil.

Immer wieder warnen Beiträge auf Facebook und Twitter vor Fluorid: Das Spurenelement vergifte den Körper, Fluorid sei eine der größten Gesundheitslügen. Das sorgt für großes Unbehagen beim Zähneputzen. Viele Verbraucher entscheiden sich offenbar mittlerweile ganz bewusst gegen Fluorid. Die Naturkosmetikbranche bietet Bio-Zahncreme sogar häufig ohne den Zusatz an. Das werten wir in unserem Bio-Zahnpasta-Test ab. Denn Zahncreme wird seit Jahrzehnten künstlich mit Fluorid angereichert. Und dafür gibt es einen guten Grund.

Vergiftung mit Fluorid-Zahnpasta ist unrealistisch

Ja, Fluorid kann schaden. Allerdings nur, wenn man auf einen Schlag sehr hohe Mengen zu sich nimmt. Ein 70 Kilogramm (kg) schwerer Erwachsener müsste für erste Vergiftungsanzeichen mindestens 350 Milligramm (mg) Fluorid aufnehmen: so viel wie in zwei bis drei Zahnpastatuben steckt. Denn Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen treten dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zufolge erst ab Mengen von 5 mg pro kg Körpergewicht auf.

Mit Zahnpasta ist eine Überdosierung unrealistisch. Selbst wer den Inhalt einer kompletten Standardtube (75 ml) verspeist, würde nur maximal 150 mg Fluorid schlucken. Denn die Konzentration in Zahnpasta ist gesetzlich auf 0,15 Prozent (1.500 ppm) beschränkt. Auch das komplette Runterschlucken der beim täglichen Putzen genutzten Fluorid-Zahnpasta ist nicht schädlich. Berechnungen zeigen, dass man so pro Tag nur etwa 4 mg aufnehmen würde.

Wer sich normal die Zähne putzt und anschließend ausspuckt, muss also keine Angst haben. Eine Vergiftung über Zahnpasta ist wegen der niedrigen Fluoridgehalte ohnehin sehr unrealistisch.

Nur extreme Mengen von Fluorid sind giftig

Auch über Essen und Trinken ist eine Vergiftung mit Fluorid extrem unwahrscheinlich. Denn im Schnitt nimmt jeder von uns etwa über Fisch und Mineralwasser täglich zwischen 0,4 und 1,5 Milligramm zu sich. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt als Tageszufuhr sogar eine Menge von 3,1 bis 3,8 Milligramm.

Aber ja, Fluorid kann auch tödlich sein. Allerdings erst durch akute Einnahme von sehr hohen Mengen. Ganze fünf bis zehn Gramm auf einen Schlag braucht es. Für diese Menge müsste man mindestens 30 bis 60 Tuben Zahnpasta mit zulässiger Fluoridhöchstkonzentration verspeisen. Davor wären Symptome wie Koma, Krämpfe und Herzstillstand wahrscheinlich.

Wirksamer Kariesschutz nur mit Fluorid-Zahncreme

Fluoride machen Zahnschmelz widerstandsfähiger gegen eine Karies-Erkrankung. Die Wirksamkeit ist ab dem Schulalter wissenschaftlich zweifelsfrei nachgewiesen. Die medizinischen Fachgesellschaften für Zahnmedizin empfehlen Erwachsenen in ihrer Leitlinie deshalb ausdrücklich fluoridhaltige Zahnpasta. In unserem Zahnpasta-Test schneidet Erwachsenen-Zahnpasta mit weniger als 0,05 Prozent Fluorid (500 ppm) daher nicht besser als „mangelhaft“ ab.

Nur wer seine Zähne regelmäßig mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzt, beugt Kariesbefall nachweisbar vor. Optimal ist ein Fluoridgehalt in Zahncreme von mindestens 0,1 Prozent (1.000 ppm). 

Dass sich Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta lohnt, zeigt übrigens auch der Blick in die Geschichte: Denn die Zahl der kariesfreien Gebisse hat sich von 1997 bis 2014 verdoppelt. Heute sind acht von zehn der 12-jährigen Kinder kariesfrei. Auch bei den 35- bis 44-Jährigen ist die Anzahl der kariösen Zähne seit 1997 um 30 Prozent gesunken. Gründe für den erfreulichen Anstieg sind die verbessert Vorsorge – und eben fluoridhaltige Zahnpasten. Zu diesem Ergebnis kommt die umfassende deutsche Mundgesundheitsstudie.

Hoher Dauerkonsum kann für Zahnflecken sorgen

Ein realistisches Gesundheitsrisiko birgt, wenn überhaupt, ein dauerhaft erhöhter Fluoridkonsum. Erwachsene müssten dafür allerdings über mindestens zehn Jahre täglich mehr als 10 mg über Nahrung, Trinkwasser oder Mundpflege zu sich nehmen. Die Folge wäre eine Skelettflurose, die Knochen schädigt.

Bei Kindern zeigt sich eine dauerhaft erhöhte Fluoridzufuhr durch weiße Flecken auf den Zähnen. Vor allem in jungen Jahren, wenn die Zähne noch wachsen, können sie auftreten. Diese Fluorosen entstehen, weil der Körper überschüssiges Fluorid in die sich entwickelnden Zähne einbaut. Dies macht betroffene Zähne weniger widerstandsfähig.

Um einer Fluorose vorzubeugen, sollten laut BfR Kinder zwischen vier und acht Jahren täglich nicht mehr als 2,5 mg Fluorid aufnehmen. Für Kinder zwischen einem und drei Jahren sollen es nicht mehr als 1,5 mg sein. Mehr dazu in unserem Kinderzahnpasta-Test.

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