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Impfpflicht für Masern: Was das neue Gesetz genau bedeutet

Autor: Annette Dohrmann | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 14.09.2019

Impfpflicht für Masern: Was das neue Gesetz genau bedeutet
(Foto: ChooChin/Shutterstock)

Die Debatte ums Impfen ist entschieden: Die Impfpflicht für Masern kommt. Was die Entscheidung im Einzelnen bedeutet.

Sie war lange umkämpft, nun ist der Weg für die verpflichtende Masernschutzimpfung frei. Im Juli hatte die Bundesregierung einen entsprechenden Gesetzentwurf von CDU-Bundesgesundheitsminister Jens Spahn durchgewunken. Eine Entscheidung, die in weiten Teilen der Bevölkerung auf Zustimmung stößt.

73 Prozent sprachen sich demnach für eine Masernimpfpflicht aus, so eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov. Andere sind empört und meinen, dass eine verpflichtende Schutzimpfung Eltern das Recht und die individuelle Verantwortung abspricht, zwischen den Risiken der Erkrankung und dem mit der Impfung verbundenen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit abzuwägen. Wir erklären, was die Impfpflicht bedeutet. 

Wann kommt die Impflicht und für wen gilt sie? 

Das verabschiedete Masernschutzgesetz sieht eine Impfpflicht gegen Masern vor. Sie soll ab März 2020 in Kraft treten. Kinder, die eine Kita besuchen, und Schüler müssen künftig nachweisen, dass sie gegen Masern geimpft sind. Die Impfpflicht gilt außerdem für Mitarbeiter in Kitas und Schulen, für Tageseltern, Personal in Kliniken, Arztpraxen und andere medizinische Einrichtungen sowie für alle, die in Gemeinschaftseinrichtungen wie Asylbewerberheimen, Flüchtlingsunterkünften oder Ferienlagern leben und arbeiten.

Vorschriften für den Zeitpunkt der Impfung gibt es indirekt. Wer sein Kind in der Krippe betreuen lassen will, muss künftig entsprechend nachweisen, dass es gegen Masern geimpft wurde. Als frühestmöglicher Zeitpunkt für die Schutzimfpung gilt ein Alter von neun Monaten. 

Impfpflicht: Welche Sanktionen drohen? 

Wer gegen die Impfpflicht verstößt, dem droht ein Bußgeld von bis zu 2.500 Euro, das die örtlichen Gesundheitsämter verhängen können. In der Praxis werden Verweigerer wohl eher indirekt bestraft: Gemeinschaftseinrichtungen dürfen Ungeimpfte demnach nicht aufnehmen und Ärzte, Pflegepersonal, Lehrer und Betreuer ohne Impfnachweis nicht mehr beschäftigen.

Als Nachweis für die erhaltene Impfung gilt entweder der Impfausweis oder ein ärztliches Attest für den Fall, dass jemand bereits einmal an Masern erkrankt war. 

Und wer ist von der Pflicht ausgenommen? Menschen, die einen ärztlichen Nachweis erbringen, dass die Impfung bei ihnen aus gesundheitlichen Gründen nicht ratsam ist. Darüber hinaus alle, die vor 1970 geboren wurden, da sie mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Masernerkrankung bereits durchgemacht haben.

Gilt die Impfpflicht nur für Masern? 

Das beschlossene Gesetz richtet sich zwar gegen Masern. In der Praxis ist es aber auch eine Impfpflicht für Mumps und Röteln, da derzeit nur Kombinationsimpfstoffe gegen die drei Infektionskrankheiten verfügbar sind. Zum Teil wird eine Vierfachimpfung verabreicht, die zusätzlich gegen Windpocken immunisiert.

Die Spritze dürfen alle Ärzte mit Ausnahme von Zahnärzten verabreichen.

Warum eine Masernimpfung – Was ist so gefährlich? 

Bei Masernerkrankungen kann es in Ausnahmefällen zu ernsten und gefürchteten Komplikationen und Folgeerkrankungen kommen. Laut Robert-Koch-Institut kommt es in 0,1 Prozent der Fälle – das ist einer von 1.000 Erkrankten – zu einer Hirnentzündung (Enzephalitis). Die wiederum endet bei 10 bis 20 Prozent der Betroffenen tödlich; bei 20 bis 30 Prozent ist mit bleibenden Schäden am zentralen Nervensystem zu rechnen.

Die schwerste Folgeerkrankung ist SSPE, die subakute sklerosierende Panenzephalitis. Sie tritt laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) in 1:10.000 bis 1:100.000 Fällen auf – etwa sechs bis acht Jahre nach einer Maserninfektion. Besonders hoch ist das Risiko für Kinder, die zum Zeitpunkt der Erkrankung jünger als fünf Jahre sind. SSPE ist nicht heilbar und endet in aller Regel tödlich.

Masernimpfung: Welche Nebenwirkungen sind bekannt? 

Eine Schutzimpfung regt die körpereigene Abwehr an. Als Reaktion darauf kommt es in etwa 5 von 100 Fällen zu Rötungen und Schwellungen der Einstichstelle, die auch schmerzen kann. Auch umliegende Lymphknoten können anschwellen. Darüber hinaus kann sich die Körpertemperatur vorübergehend erhöhen, und es kann zu Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden und Mattigkeit kommen.

Dieser Beitrag ist im Ratgeber Kinder und Familie 2019 erschienen. Hier können Sie diesen als e-Paper erwerben.

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