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Giftnotruf warnt: Nicht auf Handy-Apps für Pilzsammler verlassen

Autor: dpa / Redaktion (bw) | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 28.09.2021

Giftnotruf warnt: Nicht auf Handy-Apps für Pilzsammler verlassen
Foto: Shutterstock / Bukhta Yurii

Jetzt im Herbst sammeln viele Menschen im Wald Pilze – oft mit scheinbar praktischen Apps, die beim Bestimmen der Pilze helfen sollen. Eine gefährliche Idee, warnt der Giftnotruf.

Wer im Herbst auf Pilzsuche geht, sollte sich nicht auf Apps oder Suchmaschinen verlassen. Davor warnt das Giftinformationszentrum (GIZ) Nord. Derzeit gibt es wieder vermehrt Meldungen über Pilzvergiftungen bei der Beratungsstelle der Universitätsmedizin Göttingen.

"Zur Zeit melden sich rund eine Handvoll Menschen täglich bei uns", sagt Andreas Schaper. Der Toxikologe leitet mit seinem Kollegen Martin Ebbecke das GIZ-Nord, das für die Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein zuständig ist. Sommer und Herbst seien die Hochzeit bei Pilzvergiftungen. Bisher habe es keine Toten zu beklagen gegeben. Oft handele sich aber um Vergiftungen mit Knollenblätterpilzen. "Das Gift dieses Pilzes kann die Leber zerstören und zum Tod führen", erklärte Schaper.

In vielen Fällen vergiften sich dem Experten zufolge aus dem Ausland zugezogene Menschen. Diese kennen aus ihrer Heimat Pilze, die in Deutschland wachsenden Exemplaren sehr ähnlich sehen. "Nur die einen sind harmlos und die anderen können sehr giftig sein", betonte Schaper. Vor dem Pilzesammeln sei es wichtig, sich umfassend zu schulen. Apps oder Internetrecherchen seien nicht ausreichend. Schaper: "Im Zweifel gesammelte Pilze besser nicht essen."

Pilzvergiftungen sind keine Seltenheit

Rund 1.000 Pilzvergiftungen und Verdachtsfälle pro Jahr werden dem Notruf üblicherweise gemeldet. Insgesamt erlangt die Beratungsstelle jährlich von mehr als 40.000 möglichen Vergiftungen Kenntnis. Bei den Beratungen geht es aber auch um Unverträglichkeiten, überwiegend was Arzneimittel sowie chemische Produkte betrifft.

So erkennen Sie eine Pilzvergiftung: Symptome

Der Verzehr von nicht essbaren Pilzen kann unter Umständen tödlich enden. Die Symptome einer Pilzvergiftung ähneln denen einer Lebensmittelvergiftung.

  • starke Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Übelkeit
  • Halluzinationen, Bewusstseinsstörungen
  • Angstattacken
  • Schwindel
  • Atembeschwerden
  • Muskelzuckungen, Krämpfe
  • Herzrasen, beschleunigter Puls, Hitzegefühl

Wenn Sie den Verdacht auf eine Pilzvergiftung haben, sollten Sie sofort zum Arzt gehen oder die Giftnotrufzentrale anrufen. 

Beschwerden nach dem Verzehr von Pilzen sollten grundsätzlich ernst genommen werden.

Gut zu wissen: Pilze, die innerhalb von ein bis zwei Stunden nach dem Verzehr Symptome auslösen, gelten in der Regel als weniger gefährlich als solche, die erst nach mehr als sechs Stunden zu Beschwerden führen.

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