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EU-Behörde warnt vor Chlorpyrifos: Insektizid gefährdet ungeborene Kinder

Autor: Katharina Schmidt | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 28.08.2019

Chlorpyrifos
Chlorpyrifos (Foto: Pixabay/ CC0/ moigram)

Das Pestizid Chlorpyrifos kann laut einem neuen Gutachten der EU-Behörde Efsa ungeborene Kinder schädigen. Die EU-Kommission will es nun verbieten. Das Pflanzenschutzmittel ist seit 2005 in der EU zugelassen und steht schon lange in der Kritik.

Das Pestizid Chlorpyrifos soll Getreide und Obst vor Läusen, Fruchtfliegen und anderen Schädlingen schützen. Vor allem Zitrusfrüchte werden oft damit behandelt. Das Insektengift wurde 1973 erstmals in Deutschland und 2005 in der EU zugelassen. Nun hat die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) Chlorpyrifos in einem Gutachten als zu gefährlich eingestuft. Darüber berichtet unter anderem die Tageszeitung TAZ

Der Grund: Chlorpyrifos könne ungeborene Kinder schädigen. Zudem sei nicht hinreichend auszuschließen, dass das Mittel das Erbgut beeinträchtigt. Deshalb könnten keine sicheren Grenzwerte festgelegt werden. Anca Păduraru, eine Sprecherin der EU-Kommission teilte der TAZ mit: „Die Kommission wird den Mitgliedsländern vorschlagen, die Zulassung der Substanz nicht zu verlängern.“

Der US-Agrarchemiekonzern Corteva wies die Vorwürfe der EFSA gegen Chlorpyrifos zurück: „Kein Wirkstoff ist gründlicher untersucht worden als Chlorpyrifos“ – so zitiert die TAZ József Máté, Sprecher des US-Agrarchemiekonzerns Corteva. 

Lebensmittel mit Chlorpyrifos gibt es auch in Deutschland 

In 20 EU-Ländern ist Chlorpyrifos derzeit zugelassen, in Deutschland ist die Nutzung seit 2015 verboten. Trotzdem hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit 2017 Chlorpyrifos in importiertem Obst gefunden, berichtet die TAZ. Über ein Drittel der getesteten Grapefruits und Orangen waren betroffen.

Ungenaues Zulassungsverfahren 

„Der Fall Chlorpyrifos zeigt ähnlich wie bei Glyphosat und den Bienenkillern Neonikoti­no­i­den, dass die Zulassungsverfahren nicht einwandfrei funktionieren“, so zitiert die TAZ den Grünen-Bundestagsabgeordneten Harald Ebner. „Offensichtlich haben die Behörden bei Chlorpyrifos unkritisch die Herstellerschlussfolgerungen über Tierversuche mit dem Stoff übernommen.“ 

Ein Ausschuss der Europäischen Kommission hatte Chlorpyrifos 2005 als sicher eingestuft und den Stoff per Verordnung erlaubt. Voruntersuchungen durch Spanien hatten sich vor allem auf Studien bezogen, die Hersteller des Insektizids in Auftrag gegeben hatten. 

Schon bei der ersten Zulassung hatte den Behörden eine Studie an Ratten vorgelegen, die Anzeichen für die Auswirkung auf Kleinhirne lieferte. Zwischen 2005 und 2016 folgten weitere Studien, die die Auswirkungen des Insektizids auf Menschen untersuchten. Laut EFSA belegen die Untersuchungen kognitive und Verhaltensdefizite bei Kindern, die im Mutterleib Chlorpyrifos ausgesetzt werden.

Zulassung automatisch verlängert 

Die EU-weite Zulassung von 2005 wäre eigentlich 2016 ausgelaufen. Doch weil die zuständigen Behörden nicht rechtzeitig über eine Verlängerung entschieden hatten, verlängerten sie die Zulassung provisorisch. Das geschah insgesamt dreimal. Die letzte Verlängerung läuft Ende Januar 2020 aus.

Chlorpyrifos vermeiden: So geht's

Auch in Deutschland gibt es Zitrusfrüchte zu kaufen, die mit Chlorpyrifos behandelt wurden. Wer das Pestizid vermeiden will, sollte genau hinsehen und nur Früchte aus Bio-Anbau kaufen. Denn Bio-Lebensmittel dürfen nicht mit synthetischen Pestiziden behandelt werden. Bio-Obst erkennen Sie an Siegeln wie dem EU-Biosiegel oder an der Bezeichnung "Bio".

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