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Düstere Prognose: Warum sich Parkinson weltweit immer schneller ausbreitet

Autor: Brigitte Rohm | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 09.02.2019

Düstere Prognose: Warum sich Parkinson weltweit immer schneller ausbreitet
(Foto: CC0 Public Domain / Pixabay - sabinevanerp)

Die Hände zittern, die Muskeln werden steif: Parkinson ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, die vor allem ältere Menschen trifft. Forscher warnen, dass uns bald eine Epidemie drohen könnte. Woran liegt das?

Diese Zahl sollte uns wachrütteln: Im Jahr 2040 könnten über 17 Millionen Menschen an der Parkinson-Krankheit leiden. Das prognostizieren Wissenschaftler der University of Rochester, die untersucht haben, wie sich die Verbreitung des Leidens in Zukunft entwickeln wird. Im Jahr 2015 waren weltweit noch 6,3 Millionen Patienten davon betroffen – demnach würde die Zahl der Erkrankungen seitdem fast auf das Dreifache ansteigen. Zwischen 1990 und 2015 hatten sich die Fälle bereits verdoppelt.

Nach der Alzheimer-Krankheit ist Parkinson die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung – sie ist behandelbar, aber nicht heilbar, und schreitet meist langsam voran. Zu den typischen Symptomen zählen Zittern, steife Muskeln, eine instabile Körperhaltung und Bewegungsstörungen wie Verlangsamungen. Auch Begleiterscheinungen wie depressive Verstimmungen und Schlafstörungen sind möglich. Laut der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen sind in Deutschland derzeit etwa 250.000 bis 280.000 Menschen davon betroffen.

Die Hauptursache: das weltweite Altern

Die Mediziner der Univerity of Rochester haben ihre neue Hochrechnung in der Fachzeitschrift "Journal of Parkinson's Disease" veröffentlicht. Für ihr Fazit, dass uns eine Epidemie bevorsteht, haben sie verschiedene Faktoren miteinbezogen. Die Hauptursache sei das globale Altern der Bevölkerung: zwölf Millionen der Erkrankungen lassen sich allein auf diese Tatsache zurückführen. Denn unter Menschen ab dem Alter von 65 Jahren steigen die Parkinsonfälle rapide an – und mit einer wachsenden Zahl 65-Jähriger geht eine wachsende Zahl an Parkinson-Patienten insgesamt einher.

Hinzu kommt, dass die weltweite Lebenserwartung in den letzten 20 Jahren um ganze sechs Jahre angestiegen ist. Das wird laut den Forschern den Effekt haben, dass sich auch die Anzahl der Menschen mit Parkinson in fortgeschrittenem Stadium, das schwieriger zu behandeln ist, erhöhen wird. Doch sie weisen darauf hin, dass die Erkrankung nicht nur Senioren allein betrifft und sehr wohl auch schon bei Menschen unter 50 Jahren auftreten kann. 

Auch Pestizide können verantwortlich sein

Weitere treibende Kräfte des Parkinson-Anstiegs seien Nebenprodukte der industriellen Entwicklung: Bestimmte Pestizide, Lösungsmittel, Schwermetalle und andere neurotoxische Chemikalien wurden durch Studien mit der Parkinson-Erkrankung in Verbindung gebracht. Dies würde erklären, weshalb sich gerade in China die Fälle zwischen 1996 und 2016 mehr als in jedem anderen Land vermehrt haben. Eine Ursache, die viele verblüffen könnte, ist außerdem der immer stärker sinkende Anteil an Rauchern in der Bevölkerung: Studien hätten gezeigt, dass Raucher ein 40 Prozent geringeres Risiko haben, an Parkinson zu erkranken.

Umwelteinflüsse und demografischer Wandel, all diese Faktoren in ihrer Gesamtheit treiben die – bislang noch spekulative – Zahl so alarmierend in die Höhe. Im Gegensatz zu vielen Krankheiten, die mit zunehmendem sozioökonomischen Status weniger stark verbreitet sind, sei Parkinson gerade dann auf dem Vormarsch. Zwar sei diese Krankheit nicht infektiös, die Entwicklung zeige aber dennoch Züge einer Pandemie, so die Forscher: Niemand ist dagegen immun und sie breitet sich überall auf der Welt aus.

Das Szenario lässt sich noch abwenden

Doch die Mediziner betonen, dass sich das Szenario noch abwenden ließe – und fordern den Willen zu raschem Handeln. Dazu gehört zum Beispiel eine intensivere Forschung, um neue Therapien zu entwickeln, denn die effektivste Behandlung erfolgt seit 50 Jahren mit dem Medikament Levodopa. Auch sei es wichtig, neue Pflegemodelle zu entwickeln, die allen Betroffenen eine optimale Versorgung garantiert. Eine vorbeugende Maßnahme könnte sein, die Verwendung möglicherweise problematischer Chemikalien einzuschränken.

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