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Corona-Schnelltest: Was bringen die neuen Schnelltests?

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 14.10.2020

Corona-Schnelltest: Welche Tests gibt es?
Foto: Shutterstock / Girts Ragelis

Die Zahl der Coronainfektionen steigt stetig an, schnelle Testverfahren werden damit immer wichtiger. Inzwischen gibt es einige Schnelltests auf dem Markt – bislang aber noch nicht für die Anwendung zu Hause. Jetzt bietet auch eine Siemens-Tochter einen Corona-Schnelltest an.

  • Schnelltests sollen ein fester Bestandteil der neuen Corona-Teststrategie werden. Ab Mitte Oktober tritt eine neue Teststrategie für Schnelltests in Pflegeheimen und Krankenhäusern in Kraft.
  • Momentan sind Corona-Schnelltests nicht für den Selbsttest zu Hause vorgesehen. 
  • Jetzt hat der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers einen Antigen-Schnelltest auf den Markt gebracht.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat angekündigt, dass Schnelltests Teil der neuen Corona-Teststrategie sein werden. In Pflege- und Altenheimen, Krankenhäusern und Arztpraxen sollen die Tests ab Mitte Oktober zur Verfügung stehen. Die Bedingungen, die Verteilung und die Finanzierung sind jedoch noch nicht geklärt.

Wann gibt es Corona-Schnelltests für zu Hause?

Viele Menschen wünschen sich einen Schnelltest für zu Hause. So könnte man vor dem Treffen mit den Großeltern kurz checken, ob man – zumindest zum Zeitpunkt des Tests – corona-negativ ist. Konzerte und Fußball-Spiele könnten schneller wieder stattfinden, wenn ein negativer Coronatest das Einlasskriterium wäre, so die Hoffnung.

Spahn hat in der Konferenz mit den Gesundheitsministern der Länder Ende September nicht nur Schnelltests für Einrichtungen, sondern auch für daheim angekündigt. Wann es solche Heimtests geben könnte, ließ er jedoch völlig offen. Ob das in vier, acht, zwölf oder 16 Wochen sei, werde man sehen, "aber ich bin sehr sicher, wir werden es sehen".

Das Infektionsschutzgesetz verbietet derzeit Heimtests; Apotheken dürfen keine Coronatests an Privatpersonen verkaufen. Wer sich nicht an die Richtlinie hält, muss mit einer Geldbuße von bis zu 30.000 Euro rechnen.

Diese Schnelltests gibt es bereits

Antigen-Schnelltests liefern innerhalb von 15 Minuten ein Ergebnis, allerdings sind sie nicht so treffsicher wie PCR-Tests. Bei PCR-Tests (das sind die klassischen Corona-Tests) dauert es mindestens 24 Stunden, meist aber einige Tage, bis ein Ergebnis vorliegt. Von der Firma Bosch gibt es jetzt den, nach eigenen Aussagen, weltweit schnellsten PCR-Test. Mehr über die neuen Schnelltests erfahren Sie hier:

Antigen-Schnelltest von Roche

Bei Antigen-Tests werden – im Unterschied zu PCR-Tests – nicht das Erbgut des Virus, sondern Proteinfragmente des Coronavirus nachgewiesen.

Man benötigt keine zusätzliche Laborausrüstung, das Prinzip ähnelt einem Schwangerschaftstest. Ein Teststreifen zeigt an, ob das Erbgut gefunden wurde und ob der Patient Corona-positiv oder -negativ ist.

Seit Ende September ist der SARS-CoV-2 Rapid Antigen Test von Roche in Deutschland erhältlich. In dem Test-Kit sind alle zur Durchführung notwendigen Materialien enthalten.

Apotheken dürfen den Schnelltest mittlerweile verkaufen, allerdings nicht an jedermann, sondern ausschließlich an Arztpraxen und Krankenhäuser.

Daten und Fakten: 

  • Sensitivität (Erkennungsrate): 96,52 %
  • Spezifität (Prozentsatz, zu dem nicht infizierte Personen als gesund erkannt werden): 99,68 %
  • Dauer: Das Testergebnis liegt nach 15 Minuten vor.
  • Abstrich: in Rachen oder Nase
  • Kein Analysegerät notwendig
  • Einsatz: Gut zur schnellen Risikoabschätzung, zum Beispiel bei Besuchern von Altenheimen oder Reiserückkehrern

Auch wenn dieser Coronatest für den Heimgebrauch erlaubt wäre, würde er sich für die Anwendung bei Laien nicht eignen: Für ein zuverlässiges Ergebnis muss das Teststäbchen tief in den Rachen oder in die Nase eingeführt werden. Das ist unangenehm und schmerzhaft – wer den Test bei sich selbst durchführt, würde möglicherweise eine minderwertige Probe entnehmen.

PCR-Schnelltest von Bosch

Der PCR-Schnelltest von Bosch eignet sich für mobile Testzentren.
Der PCR-Schnelltest von Bosch eignet sich für mobile Testzentren. (Foto: Bosch)

Der neue Coronatest der Firma Bosch soll der weltweit schnellste PCR-Test sein. Sein Ergebnis liegt bereits nach 39 Minuten vor. Der Test ist kein Test für zu Hause, denn für die Auswertung ist ein teures Analysegerät nötig. Ein Gerät kann derzeit nicht mehr als 160 Tests pro Tag auswerten. Damit ist der Einsatz bei einem Fußballspiel oder Popkonzert nicht denkbar.

Daten und Fakten:

  • Sensitivität (Erkennungsrate): 98 %
  • Spezifität (Prozentsatz, zu dem nicht infizierte Personen als gesund erkannt werden): 100 %
  • Dauer: Das Testergebnis liegt nach 39 Minuten vor.
  • Abstrich: Probe aus Nase oder Rachen
  • Für die Auswertung ist ein teures Analysegerät notwendig.
  • Einsatz: Das Verfahren könnte in mobilen Testzentren an Raststätten oder Flughäfen zum Einsatz kommen.

Antigen-Schnelltest von Siemens-Tochter

Siemens Healthineers hat jetzt einen Antigentest auf den Markt gebracht, der ohne Laborgeräte funktioniert und das Ergebnis in 15 Minuten liefert. Der Clinitest COVID-19-Antigen-Schnelltest sei bereits erhältlich.

Daten und Fakten:

  • Sensitivität (Erkennungsrate): 96,72 %
  • Spezifität (Prozentsatz, zu dem nicht infizierte Personen als gesund erkannt werden): 99,22 %
  • Dauer: Das Testergebnis liegt nach 15 Minuten vor.
  • Abstrich: Nasen-Rachen-Abstrich
  • Für die Auswertung ist kein Analysegerät oder medizinisches Personal notwendig.
  • Einsatz: "Mit unserem Test möchten wir insbesondere für Orte mit hohem Verkehrsaufkommen und dort, wo sich Menschen häufig versammeln, einen Beitrag zur Risikobegrenzung leisten", so Christoph Pedain, zuständiger Bereichsleiter von Healthineers.

Weltweite Forschung an Corona-Schnelltests

Weltweit arbeiten Forscherinnen und Forscher an der Entwicklung von Schnelltests. Jetzt haben US-Forscher einen Schnelltest entwickelt, mit dem über einen Tropfen Blut oder Speichel eine Corona-Infektion nachweisbar sein soll. Der Sars-CoV-2-Rapidplex soll das Ergebnis innerhalb von zehn Minuten anzeigen. Oberstes Ziel der Forscher sei der Heimgebrauch. Bislang wurde das Gerät allerdings nur im Labor getestet, jetzt folgt der Test an Patienten. Bis das Gerät als Heimtest zum Einsatz kommt, wird noch einige Zeit vergehen.

Nicht verwechseln: Antigen-Schnelltest vs. Antikörper-Schnelltest

Die meisten Corona-Testkits, die man im Internet als "Schnelltest für Zuhause" bestellen kann, sind Antikörper-Tests.

Bei einem Antikörper-Test werden über einen Tropfen Blut nicht das Virus selbst, sondern Antikörper nachgewiesen. Ein Antikörper-Test kann kann nur eine Aussage darüber machen, ob man bereits mit Sars-CoV-2 infiziert war. Da das Immunsystem ungefähr zehn Tage braucht, um Antikörper gegen das Virus zu bilden, kann mit dem Test keine aktive Coronainfektion nachgewiesen werden. 

Weitere Infos finden Sie hier: Corona-Test: Alles Wichtige zu den möglichen Testverfahren

Ärzte warnen vor Kehrseite der Corona-Selbsttests

Der Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL) warnt davor, Corona-Antigentests als Selbsttest für Laien anzubieten. Corona-Selbsttests seien keine sinnvolle Ergänzung der nationalen Teststrategie. Andreas Bobrowski, BDL-Vorsitzender, fürchtet eine Verschwendung von Testkapazitäten: "Eine Ressourcenverschwendung wie bei der kurzzeitigen Einführung der unkontrollierten Testung von Reiserückkehrern aus Nichtrisikogebieten darf sich nicht wiederholen". 

An dieser Stelle informieren wir Sie über Schnelltests und Heimtests gegen das Coronavirus. Der Artikel wird laufend aktualisiert.

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