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Ciprofloxacin & Co: EU-Arzneimittelagentur warnt vor häufigen Antibiotika

Autor: Lino Wirag | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 06.12.2018

Antibiotika mit Fluorchinolonen stehen im Verdacht, Nervenschäden zu verursachen (Symbolbild).
Antibiotika mit Fluorchinolonen stehen im Verdacht, Nervenschäden zu verursachen (Symbolbild). (Foto: Quelle: Pixabay/ÖKO-TEST)

Die Europäische Arzneimittel-Agentur empfiehlt, die Anwendung fluorchinolonhaltiger Antibiotika einzuschränken. Sie stehen im Verdacht, schwere Nebenwirkungen zu verursachen. Dennoch werden sie häufig verschrieben.

Nervenschäden, Sehstörungen, Muskelschmerzen: Fluorchinolonhaltige Antibiotika können lang anhaltende, schwere Nebenwirkungen verursachen. Zu diesem Schluss kommt die Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) in einer Stellungnahme vom November. Die EMA empfiehlt darin dringend, die Anwendung fluorchinolonhaltiger Antibiotika einzuschränken. Auf dem deutschen Markt sind folgende Wirkstoffe aus dieser Gruppe zugelassen: Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin sowie Ofloxacin.

Schwere Nebenwirkungen durch Ciprofloxacin & Co.

Auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) rät Patienten, die Behandlung bei ersten Anzeichen entsprechender Nebenwirkungen zu beenden und ihren Arzt zu konsultieren. Laut der Information an Patienten des BfArM zur EMA-Stellungnahme können fluorchinolonhaltige Arzneimittel dauerhafte Nebenwirkungen, insbesondere an den Sehnen, Muskeln, Gelenken und am Nervensystem, verursachen.

Nebenwirkungen sind laut BfArM unter anderem: Entzündungen oder Risse der Sehnen, Muskelschmerzen oder Muskelschwäche, Gelenkschmerzen oder Gelenkschwellungen, Schwierigkeiten beim Gehen, Gefühle von Nadelstichen oder Kribbeln, brennende Schmerzen, Müdigkeit, Depressionen, Gedächtnisstörungen, Schlafstörungen, Probleme beim Sehen oder Hören, veränderter Geschmacks- oder Geruchssinn.

Fluorchinolone sind vierthäufigste Antiobiotika

Das BfArM hatte bereits im vergangenen Jahr angeregt, die Wirkstoffgruppe der Fluorchinolone einer Neubewertung zu unterziehen.

Fluorchinolone werden in Deutschland noch relativ oft verschrieben; unter den Antibiotika gehören sie zu den Mitteln, die am vierthäufigsten verordnet werden. Das Gutachten der Europäischen Arzneimittel-Agentur wird zurzeit an die Europäische Kommission weitergeleitet, die einen für alle Mitgliedsländer rechtlich verbindlichen Beschluss fassen soll.

In den Tagesthemen vom 1. November 2018 kam eine Patientin zu Wort, die das Antibiotikum Ciprofloxacin aus der Gruppe der Fluorchinolone eingenommen hatte und seither über Erschöpfung, Schwindel und Schmerzen klagt. Ciprofloxacin gehört zu den Reserveantibiotika, die nur bei einer strengen Indikation angeordnet werden sollen. Laut der Website Pharmaanalyst, die die Verordnungsdaten der gesetzlichen Krankenversicherung auswertet, wurden im Jahr 2016 dennoch noch rund 3,5 Mio. Packungen Ciprofloxacin verschrieben.

In dem Tagesthemen-Beitrag äußerte sich auch Wolfgang Becker-Brüser von der pharmakritischen Fachzeitschrift "Arzneitelegramm": Er sagte, es werde seit 30 Jahren vor bestimmten Fluorchinolonen gewarnt und verlangte, deutlichere Warnungen für Patienten auszusprechen. Der Tagesthemen-Beitrag kann hier in ganzer Länge angesehen werden.