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Millionen toter Vögel: Katzen sollen nicht mehr frei umherlaufen dürfen  

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Geld und Recht | 10.12.2019

Millionen toter Vögel: Katzen sollen nicht mehr frei umherlaufen dürfen  
Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / rihaij

Katzen töten in Deutschland jährlich ungefähr 30 Millionen Vögel. Niederländische Juristen fordern jetzt, dass Katzen nicht mehr frei umherstreunen dürfen. Sie sehen in den beliebten Vierbeinern eine Bedrohung für die europäische Artenvielfalt. 

In Deutschland ist die Katze das beliebteste Haustier, es gibt geschätzt 15 Millionen Hauskatzen. Die niedlichen Samtpfoten sind allerdings für den Tod von Millionen von Tieren verantwortlich. Die Gefahr, die von Katzen für Vögel und kleine Säugetiere ausgeht, ist nicht neu – jetzt sorgt allerdings der radikale Vorstoße zweier Juristen aus den Niederlanden für neuen Brennstoff. 

In der Zeitschrift für Umweltrecht "Journal of Environmental Law" plädieren Arie Trouwborst und Han Somsen dafür, den Freilauf von Katzen einzuschränken. Ihr Argument: Katzen gefährden die Artenvielfalt in Europa. 

Hauskatzen sind Gefahr für Vögel, Mäuse und Reptilien

Nach Schätzung der Wissenschaftler werden allein in den Niederlanden jährlich ungefähr 141 Millionen Tiere von Hauskatzen getötet. Laut Trouwborst und Somsen sind weltweit fast 370 Tierarten durch Hauskatzen bedroht. Die Wissenschaftler verweisen auf eine Studie aus dem Jahr 2016 und machen Katzen für die Ausrottung von mindestens zwei Reptilienarten, 21 Säugetierarten und 40 Vogelarten mitverantwortlich.

Ihre Forderung lautet deshalb: Katzen sollten draußen nicht frei herumlaufen dürfen. Juristisch möglich wäre das, so die Rechtswissenschaftler. Sie beziehen sich dabei auf zwei Richtlinien der Europäischen Union: die Vogelschutzrichtlinie und die sogenannte Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie

Was sagen Naturschützer zu dem geplanten Verbot?

Die Idee aus den Niederlanden dürfte hierzulande nicht realistisch sein – dazu sind die Stubentiger viel zu beliebt. Naturschützer sind sich allerdings einig: Der Verlust von Singvögeln durch Katzen ist höchst problematisch. Der LBV gibt zu bedenken: "Hinzu kommen weitere Beutetiere wie Feld- und Spitzmäuse, Maulwürfe, Fledermäuse, Fische, Frösche, Eidechsen, Blindschleichen, alle kleinen Singvogelarten, aber auch Insekten wie Libellen oder Schmetterlinge".

Lars Lachmann, Vogelexperte beim NABU, sieht das Problem der jagenden Katzen vor allem in menschlichen Siedlungsbereichen. Ein Ausgehverbot könne bei der Gefährdung lokaler Populationen mancherorts durchaus sinnvoll sein. Flächendeckend sei eine solche Maßnahme rechtlich aber nicht begründbar. Lachmann wünscht sich vielmehr ein umfassendes Programm zur Kastration, beziehungsweise Sterilisation von verwilderten Hauskatzen – und eine entsprechenden Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Hauskatzen mit Freigang

Der WWF äußert sich folgendermaßen: "Die größ­te Bedro­hung für die Arten­viel­falt ist die fort­schrei­ten­de Ver­schlech­te­rung von Lebens­räu­men, wie zum Bei­spiel durch den Men­schen".

Katzen jagen oft nur, um ihren Spieltrieb zu befriedigen
Katzen jagen oft nur, um ihren Spieltrieb zu befriedigen (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / MrsBrown)

Katzenhalter vs. Vogelfreunde 

Die radikale Idee der niederländischen Juristen sorgt für viel Aufsehen, das hochemotionale Thema lässt die Diskussion zwischen Katzenhaltern und Vogelfreunden aufflammen. Katzen streifen gerne durch die Gärten der Nachbarschaft und machen dabei Jagd auf Vögel, Mäuse und Reptilien. Auch wenn sie zuhause gut gefüttert werden.

Ihre Beutetiere fressen die Katzen häufig gar nicht, die Jagd dient vielmehr dem Training und der Befriedigung des Spieltriebs. Katzen ist es deshalb gar nicht so wichtig, welches Tier sie jagen und töten – Hauptsache, es bewegt sich schnell.

Tipps für Katzenhalter und Gartenbesitzer 

Katzen nur im Haus halten, ist nicht artgerecht. Es gibt aber einige Punkte, mit denen Katzenhalter und Vogelfreunde die Tiere schützen können:

  • Lassen Sie Kater kastrieren, das schränkt das Umherstreunen und das Jagdfieber ein.
  • Spielen Sie viel mit Ihrem Stubentiger. Das mindert den Jagdtrieb.
  • Zwischen Mitte Mai und Mitte Juli werden die Jungvögel, die für Katzen besonders leichte Beute sind, flügge. In dieser Zeit sollten Sie Ihre Katze nicht nach draußen lassen, vor allem nicht in den frühen Morgenstunden.
  • Ein Halsband mit einem Katzenglöckchen macht durch sein Klingeln Vögel auf die sich nahende Gefahr aufmerksam. Damit Ihre Katze nicht hängenbleibt, sollte das Glöckchen an einem Gummi befestigt sein.
  • Organisieren Sie eine zuverlässige Betreuung für die Zeit Ihres Urlaubs und überlassen Sie Ihre Katze nicht sich selbst.
  • Sichern Sie Nistplätze von Vögeln mit Manschetten.
  • Hängen Sie Nistkästen und Futterstellen für Vögel katzensicher auf: Mindestens zwei Meter über dem Boden oder freihängend an Seitenästen. 

Quellen: Journal of Environmental Law / WWF / NABU / LBV   

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