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Corona: Gutscheine statt Rückerstattung bei Reisen und Events?

Autor: Lena Pritzl | Kategorie: Geld und Recht | 22.05.2020

Corona-Krise: Bei ausgefallenen Veranstaltungen erhalte ich mein Geld zurück – oder doch nur einen Gutschein?
Foto: panuwat phimpha / Shutterstock

Konzerte, Theateraufführungen oder Urlaubsreisen – zahlreiche Veranstaltungen und Reisen wurden und werden aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt. Wer haftet bei einer Absage? Und müssen Sie einen Gutschein als Ersatz akzeptieren?

  • Zahlreiche Veranstaltungen, Flüge und Reisen wurden aufgrund der Corona-Pandemie bereits abgesagt. Bis mindestens 31. August sind Großveranstaltungen untersagt.
  • Grundsätzlich gilt: Verbraucher haben Anspruch auf einen Ersatz für ausgefallene Events oder Reisen.
  • Die Bundesregierung hat nun Eckpunkte für eine Gutscheinlösung statt Gelderstattungen beschlossen.

Kontaktverbote und Ausgangsbeschränkungen werden gerade Stück für Stück gelockert, Geschäfte dürfen unter Auflagen wieder öffnen. Wegen der Corona-Krise mussten bereits auch viele Reisen sowie Sport- und Freizeitveranstaltungen wie Fußballspiele oder Konzerte abgesagt werden.

Künstlerinnen und Künstler, Freiberufler, Vereine und Veranstalter haben dadurch mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Verbraucher fürchten dagegen, auf den Kosten für abgesagte Reisen sitzen zu bleiben. Hier finden Sie die wichtigsten Antworten rund um Reisestornierungen und Ticketerstattungen während der Corona-Krise.

Besser keinen Sommerurlaub ins Ausland planen

Bundesaußenminister Heiko Maas betonte, dass es in diesem Jahr eine normale Urlaubssaison, wie wir sie kennen, nicht geben kann und wird. Dies sei "nicht zu verantworten", erklärt der Bundesaußenminister. Eine zweite Rückholaktion wie vor einigen Wochen werde es nicht mehr geben. Die Bundesregierung hat zudem bereits bis mindestens 31. August Großveranstaltungen weiterhin untersagt.

Da die Bundesländer jedoch schrittweise Lockerungen beschlossen haben, dürfen Restaurants, Hotels und Campingplätze teilweise wieder öffnen. Wir haben für Sie zusammengefasst, wo dadurch ein Urlaub im Sommer möglich sein könnte

> Auch interessant: Alle Informationen zur Maskenpflicht: In allen Bundesländern Pflicht: Was bedeutet die Maskenpflicht?

Wer haftet für ausgefallene Reisen?

Noch bis mindestens 14. Juni gilt eine weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Stornierungen sind dadurch einfacher, allerdings gelten unterschiedliche Regelungen für Pauschalreisen und Individualreisen.

Pauschalreisen

Solange die weltweite Reisewarnung besteht, können Sie Pauschalreisen kostenfrei stornieren (Quelle: Bundesregierung). Bei Reisen, die weiter in der Zukunft liegen, also später als dem 14. Juni stattfinden, wird es ein wenig kniffliger.

Das europäische Verbraucherzentrum Deutschland (EVZ) rät bei diesen Pauschalreisen, mit dem Reiseveranstalter zu verhandeln und mit "unvermeidbaren außergewöhnlichen Umständen" oder "höherer Gewalt" zu argumentieren, also mit Ereignissen, die bei der Buchung nicht vorhersehbar waren. Mit diesen Argumenten sollte es laut EVZ möglich sein, die Reise kostenlos zu stornieren.

Einfacher ist es, wenn der Veranstalter absagt: Wird die Reise vom Reiseanbieter storniert, bekommen Sie grundsätzlich Ihr Geld zurück.

Ein ferner Sommerurlaub am Strand scheint dieses Jahr schwer möglich – Außenminister Maas rät von Reisen ins Ausland ab.
Ein ferner Sommerurlaub am Strand scheint dieses Jahr schwer möglich – Außenminister Maas rät von Reisen ins Ausland ab. (Foto: CC0 / pixabay / Free-Photos)

Individualreisen

Setzen Sie sich am besten frühzeitig mit Ihrem Reiseveranstalter oder der Fluggesellschaft in Verbindung, um eine gute Lösung zu finden. Das EVZ rät: Verhandeln Sie mit der Fluggesellschaft oder dem Reiseveranstalter. Viele zeigen sich in der aktuellen Lage kulant und bieten kostenfreie Umbuchungen oder Stornierungen an.

Ist eine Reiserücktrittsversicherung hilfreich?

Eine Reiserücktrittskostenversicherung greift bei Krisen im Reiseland grundsätzlich nicht. Die Versicherung umfasst Fälle, in denen man selbst krank wird oder durch bestimmte Ereignisse, wie etwa den Tod eines Verwandten oder Arbeitslosigkeit, nicht reisen kann. Viele Versicherer sehen auch vor, dass Schäden, Erkrankungen und Tod infolge von Pandemien wie Corona nicht versichert sind.

Gutscheine als Ersatz für Veranstaltungen?

Fällt eine Veranstaltung oder Reise aus, haben Sie nach deutschem Recht Anspruch darauf, dass Ihnen der Veranstalter das Geld für Ihr Ticket zurückerstattet (Quelle EVD). Einen Gutschein statt einer Bargelderstattung müssen Sie nach deutschem Recht nicht akzeptieren, wenn Sie ein Recht zur kostenfreien Stornierung hatten. Die globale Reisewarnung ist ein Grund für eine kostenfreie Stornierung.

Bund möchte attraktive Gutscheinregelung

Der Bund möchte jedoch, dass Veranstalter für Pandemie-bedingte Absagen von Veranstaltungen den Käufern Gutscheine statt Rückerstattungen anbieten dürfen. Diese Regelung gilt für vor dem 8. März erworbene Tickets oder Reisen. Auch für Jahreskarten, zum Beispiel für Besuche von Museen, Schwimmbädern oder Fußballspielen, die wegen der Pandemie zeitweise nicht genutzt werden können, soll es Gutscheine geben.

Wird ein Gutschein nicht bis spätestens Ende 2021 eingelöst, sollen die Kunden den Geldwert der ursprünglichen Reisepreises zurückerhalten.

Der Bund garantiert zudem eine staatliche Absicherung der Gutscheine in voller Höhe, zusätzlich zur gesetzlichen Insolvenzabsicherung.

Die Bundesregierung möchte damit verhindern, dass Veranstalter angesichts des einbrechenden Geschäfts in der Corona-Krise zusätzliche Finanzierungsprobleme bekommen. Lehnen Kunden den Gutschein jedoch ab, behalten sie ihren sofortigen Erstattungsanspruch.

Die Gutschein-Regelungen sind noch nicht abschließend in Kraft getreten, ein entsprechender Gesetzesentwurf solle aber in Kürze vorgelegt werden. Viele Veranstalter greifen bereits auf Gutscheine zurück.

Die EU-Kommission hat bekräftigt, dass Reisende bei einer Reiseabsage die Wahl haben sollten zwischen einer Geldrückerstattung und einem Gutschein. Weiter empfiehlt die EU den Unternehmen, dass die Gutscheine mindestens 12 Monate gültig sein sollen, Reisende sie für die gleiche Reise zu den gleichen Bedingungen verwendet werden können und die Gutscheine ohne zusätzliche Kosten auf andere übertragbar sind. Zudem sollten Gutscheine gegen die Insolvenz der Veranstalter versichert sein.

Harte Kritik der Verbraucherzentrale

Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) übte harte Kritik an der geplanten Gutscheinregelung: "Zwangsgutscheine wären ein Dammbruch. Erstmals würde die Bundesregierung damit Risiken und Kosten der Corona-Krise voll auf die Verbraucher abwälzen." Seine Begründung: Bei einer Pleite der Unternehmen wären die Gutscheine nichts mehr wert.

Die Bundesregierung rät, dass Kunden sich frühzeitig mit den jeweiligen Veranstaltern in Verbindung setzen sollten, um eine Lösung zu finden. Viele Verbraucher zeigten sich bereits solidarisch mit den Anbietern und akzeptierten einen Gutschein statt einer Bargelderstattung.

Gutscheine für BahnCard-Besitzer

Auch die deutsche Bahn bietet ihren Kunden Gutscheine an: Inhaber einer BahnCard 25 oder BahnCard 50 bzw. einer entsprechenden Probe-BahnCard, die die Karte aufgrund der Corona-Krise nicht wie gewohnt nutzen können, erhalten einen Reisegutschein in Höhe von 10 bis 50 Euro. Diese Regelung gilt für alle BahnCards, die bis einschließlich 13. März 2020 gekauft wurden. Um einen Gutschein zu erhalten, müssen Sie sich unter bahn.de/bahncard-kulanz registrieren. Besitzer einer BahnCard 100 werden von der Deutschen Bahn gebeten, sich an den BahnComfort Service zu wenden.

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