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FCKW in Ozonschicht stammt offenbar aus China

11.07.2018

FCKW in Ozonschicht stammt offenbar aus China

Umweltorganisation beklagt Treibgas-Missbrauch

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11.07.2018 |

In der Erdatmosphäre weisen Forscher seit 2012 erhöhte Konzentrationen des Treibmittels FCKW nach. Offenbar stammt es aus China. Dies haben intensive Recherchen der amerikanisch-britischen Environmental Investigation Agency (EIA) ergeben. Demnach setzt die chinesische Industrie das seit 2010 verbotene FCKW CFC-11 bis heute in der Schaumstoffherstellung ein. FCKW gilt als Hauptverursacher des Ozonlochs. Vor allem Schaumstoff aus Polyurethan (PU) werde in China weiterhin unter Verwendung von CFC-11 produziert. Rund ein Drittel des weltweiten PUs stammt aus China.

Ein Viertel mehr FCKW in der Atmosphäre trotz Produktionsstopp

Weltweit gibt es seit 2006 nahezu keine offizielle Produktion von CFC-11 mehr. Es gilt - wie viele weitere Fluorchlorkohlenwasserstoffe - als Hauptverursacher des Ozonlochs. Seit 2010 ist seine Verwendung weltweit verboten. Trotzdem entdeckten Forscher der National Oceanic and Atmospheric Administration zwischen 2012 und 2016 einen sprunghaften Anstieg des Treibmittels in der Atmosphäre um etwa 25 Prozent. Rund 13.000 Tonnen betragen laut den US-Experten die CFC-11-Emmissionen pro Jahr. Unerwartete Veränderungen der CFC-11-Konzentration in der Atmosphäre haben Forscher bereits seit 2002 verzeichnet. Seit damals sank sie deutlich langsamer als prognostiziert. Schon das ließ sie vermuten, dass es weiterhin illegalen Eintrag von FCKW gibt.

FCKW: Chemie-Industrie in China verwendet Treibgas flächendeckend

Die EIA habe vor Ort intensiv in der chinesischen Chemie-Industrie recherchiert. Zahlreiche Insider, darunter Händler des Treibmittels und Vertreter von 18 unterschiedlichen Chemieunternehmen, hätten bestätigt, dass das auch in China streng verbotene CFC-11 weit verbreitet sei und nahezu flächendeckend verwendet werde. Selbst über den Online-Marktplatz alibaba.com habe die EIA Kontakt mit FCKW-Händlern aufnehmen können.

China: Schaumstoff-Produktion ohne FCKW teurer

CFC-11 garantiere qualitativ hochwertigere PU-Endprodukte, berichteten Mitarbeiter der chinesischen Chemie-Industrie. Außerdem sei der Anschaffungspreis niedriger als bei den Alternativen, etwa HCFC-141b. Umweltfreundlichere Treibmittel der Anbieter Bayer und BASF könnten zudem nur in Verbindung mit weiteren Produkten dieser beiden Konzerne verwendet werden. Auch das ließe die chinesischen Produzenten lieber zum billigen, aber illegalen Ozonkiller CFC-11 greifen.

Schaumstoff-Hersteller in China tricksen bei FCKW-Kontrollen

Die Informanten der EIA belegten ihre Aussagen anhand zahlreicher Fotos, die sie in den Produktions- und Lagerhallen einiger der insgesamt rund 3.500 PU-Hersteller in China aufgenommen haben. Sie zeigten auch Lagerräume, in denen Fässer der FCKW-Alternativen lagerten. Diese seien ausschließlich da, um bei Kontrollen der Aufsichtsbehörden vorgezeigt zu werden. Verwendet würden die umweltfreundlicheren Ersatzstoffe aber so gut wie nie.

EIA vermutet internationalen Handel mit Polyolen

Die Herstellung von Polyurethan basiert auf zwei Komponenten: Polyisocyanate reagieren mit Polyolen. Als Teil der letzteren wird das Treibmittel zugeführt. Obwohl die meisten Hersteller die Polyole - und damit auch den Treibmittelanteil - erst vor Ort während der Produktion mischten, blühe der internationale Handel mit FCKW-haltigen Polyolen, vermutet die EIA nach Auswertung aller Angaben ihrer Informanten. Somit sei nicht ausgeschlossen, dass auch anderswo weiterhin FCKW in die Atmosphäre freigesetzt wird. Die Forscher fordern daher vor allem in China flächendeckende behördliche Überwachung. Insbesondere bemängeln sie die Straffreiheit bei Verstößen. So gebe es schlicht keinen Bußgeldkatalog für FCKW-Vergehen im Reich der Mitte.


Weiterführende Links

http://www.noaa.gov/news/emissions-of-ozone-destroying-chemical-are-rising-again

https://eia-international.org/wp-content/uploads/Blowing-It-final.pdf

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