1. Home
  2. Ratgeber

Wie viel spare ich, wenn ich 1 Grad weniger heize?

Autor: Lino Wirag | Kategorie: Freizeit und Technik | 20.09.2022

Heizkosten: So geht die Zauberformel
Foto: Shutterstock/Pixel-Shot

In diesem Winter werden viele beim Griff nach dem Heizungsregler ins Zögern kommen – schließlich sind die Energiepreise in nie geahnte Höhen geschossen. Ein oft gehörter Tipp: einfach ein Grad weniger heizen. Doch wie viel Geld lässt sich damit tatsächlich sparen? Und was würden zwei oder gar drei Grad bringen? ÖKO-TEST hat nachgerechnet.

Eineinhalb Grad mehr – fürs planetare Klima ein ehrgeiziges Ziel, das vielleicht noch erreicht werden kann. Eineinhalb Grad weniger – ein persönlicher Beitrag, über den zurzeit viele nachdenken: nämlich bei der heimischen Heiztemperatur. Und das nicht nur, um die Folgen des Klimawandels abzumildern, sondern vor allem, um in den kommenden Monaten die Haushaltskasse zu entlasten, die unter den stark gestiegenen Energiepreisen leidet.

Zurzeit dürfte deshalb viele Verbraucher die folgende Frage interessieren: Wie viel genau kann ich sparen, wenn ich den Heizungsregler im Winter etwas nach unten drehe? Das hängt von mehreren Faktoren ab, die sich aber – mit etwas Mathematik und einigen kleinen Vereinfachungen – bewältigen lassen. ÖKO-TEST hat für Sie nachgerechnet.

Entspricht 1 Grad wirklich 6 Prozent Heizkosten?

Ausgangspunkt unserer kleinen Rechen-Recherche war die Zahl "6 Prozent". Angeblich kann man nämlich genau diesen Heizkosten-Anteil sparen, wenn man die winterliche Wärmezufuhr um ein Grad reduziert. Die "6 Prozent" geistern an vielen Stellen durchs Internet und finden sich auch in seriösen Medien wieder. Aber stimmt die Zahl überhaupt? Und wenn ja: Wie kommt sie zustande?

Die Antwort liefert – wie bei allen Energiefragen – mal wieder die Physik. Und zwar auf folgender Grundlage: Ist es draußen kalt und drinnen warm, strahlen die Wohnung oder das Haus bekanntlich so lange Energie an die Umgebung ab, bis drinnen und draußen die gleiche Temperatur haben. (So will es der zweite Hauptsatz der Wärmelehre.)

Will man es nun drinnen wärmer haben als draußen – und das will man im Winter! –, muss man folglich eine Temperaturdifferenz aufrechterhalten. Hat es draußen im Januar beispielsweise 2 Grad und soll es drinnen 20 Grad haben, ist es Aufgabe der Heizung, die fehlenden 18 Grad zu beschaffen. Beschränkt man sich auf kühlere 19 Grad, muss die Heizung entsprechend ein Grad weniger liefern. Und dafür auch weniger Energie aufwenden, nämlich nur noch 17 Grad erzeugen.

Mit etwas Mathematik – nämlich mit der Formel "((20-2)-(19-2))/(20-2)" – sieht man, dass hier im Vergleich tatsächlich 5,55 Prozent weniger Energie aufgewendet werden muss. Was den oben zitierten 6 Prozent Heizkostenersparnis schon recht nahe kommt.

Drei Temperaturen spielen eine Rolle

Die Ersparnis ändert sich freilich, wenn sich die angenommene Außentemperatur ändert, denn das beeinflusst auch die Temperaturdifferenz, die die Heizung aufrechterhalten muss. Liegt die Außentemperatur im April beispielsweise schon bei frühlingshaften 11 Grad, sparen 19 statt 20 Grad Innentemperatur bereits stolze 11 Prozent Wärme. (Lassen Sie sich aber nicht täuschen: Die Gasrechnung ist im April natürlich viel niedriger als die im Januar, weshalb die 11 Prozent Ersparnis nur etwa halb so viel Geld einbringen wie die 5,5 Prozent im Januar.)

Das errechnete Einsparpotential ändert sich aber natürlich auch, wenn man die neue und/oder die bisherige Innentemperatur modifiziert, wenn Sie also beispielsweise nicht von 20 auf 19 Grad, sondern von 21 auf 20 oder sogar von 21 auf 19 Grad absenken möchten. Bei der Berechnung des Sparpotentials spielen also alle drei Temperaturen – Außen- sowie alte und neue Innentemperatur – eine Rolle.

Aber schwanken die Außentemperaturen nicht ohnehin ständig? Tun sie. Und heizt man nicht mal mehr, mal weniger, mal gar nicht? Tut man. Und was ist mit Dämmung, regelmäßigem Lüften & Co.? Kurz: Geht das Ganze deshalb nicht einfacher? Keine Sorge, geht es.

Wer sein mögliches Sparpotential ohne Excel-Zauberei und ein Studium der Materialwissenschaften ausrechnen will, kann einfach von einer Durchschnittstemperatur von rund 5 Grad ausgehen, die in den letzten Heizungsmonaten (Oktober 2021 bis April 2022) in Deutschland geherrscht hat.

Heizung senken: So lautet die Sparformel

Dann wird gerechnet, und zwar wie folgt: Wollen Sie ein Grad sparen, rechnen Sie …

  • 1 geteilt durch (vorherige Innentemperatur – 5)

Diese Mini-Formel ergibt Ihr Sparpotential, hier beispielsweise mit 21 Grad vorheriger Innentemperatur gerechnet:

  • 1/(21–5) = 1/16 = 0,062 = 6,2 %.

Wie Sie sehen, könnten Sie in diesem Fall (und mit einigen Vereinfachungen) rund 6 Prozent Heizkosten sparen. Wollen Sie 0,5 oder 1,5 oder sogar 2 Grad sparen, rechnen Sie entsprechend …

  • 0,5 geteilt durch (vorherige Innentemperatur – 5)
  • 1,5 geteilt durch (vorherige Innentemperatur – 5)
  • 2 geteilt durch (vorherige Innentemperatur – 5)

Multiplizieren Sie die Prozentzahl, die Sie erhalten (oben z.B. 6,2 %) mit Ihren Heizkosten bzw. einer möglichst guten Schätzung davon. Schon haben Sie eine recht gute Angabe in Euro und Cent, wie viel Sie in der kommenden kalten Jahreszeit einsparen können, wenn Sie Ihre Heizung mehr oder weniger herunterregeln.

Beispiel: Unser Redakteur hatte beispielsweise im letzten Jahr einen Gasverbrauch von 12.000 kWh. Gerechnet mit dem aktuellen Gaspreis seines Versorgers ergeben sich Gaskosten von rund 1.200 Euro; davon entfielen rund 80 Prozent auf die Heizung (geschätzt nach dem statistischen Mittelwert), woraus sich Heizungskosten von fast genau 1.000 Euro ergeben. Bei einer geplanten Absenkung von 20 auf 19 Grad ergäbe mit der obigen Mini-Formel eine Ersparnis von 6,6 %, was rund 66 Euro entspricht.

Weniger heizen: Wie viel Sie sparen können

Geht man übrigens nicht einfach von 5 Grad Durchschnittstemperatur in den kalten Monaten aus, sondern berücksichtigt zusätzlich – mithilfe einer sogenannten Gradtagszahlentabelle, wie sie für Heizkostenabrechnungen genutzt wird –, wie sich die Heizkosten konkreter über die verschiedenen Monate verteilen, kommt unser Redakteur mit den gleichen Ausgangswerten auf eine (nur um wenige Euro abweichende) Ersparnis von rund 6 Prozent bzw. rund 60 Euro – siehe folgenden Screenshot:

Beispielrechnung unter Berücksichtigung der Gradtagszahlentabelle.
Beispielrechnung unter Berücksichtigung der Gradtagszahlentabelle. (Foto: ÖKO-TEST)

Heizkosten sparen: So geht's

Ein Grad sparen: Als Vorsatz schön und gut – aber wie teilen Sie Ihrer Heizung überhaupt mit, welche (Wunsch-)Temperatur sie in Zukunft einhalten soll?

  • Wer ein digitales Thermostat an der Wand hat, hat kein Problem: Hier kann man die gewünschten Gradzahlen punktgenau festlegen.
  • Wer noch über klassische Heizungsventile zum Drehen verfügt, stellt den Regler um einen der Striche herunter, die sich zwischen den Zahlen befinden: Der Unterschied beträgt etwa ein Grad.
  • Eine Alternative: Rüsten Sie Ihre Heizung mit "smarten" Digital-Reglern nach. Mithilfe moderner (Funk-)Thermostate lassen sich nämlich nicht nur die gewünschten Temperaturen für verschiedene Tageszeiten oder Räume programmieren, sondern auch besser überwachen. Das spart zusätzlich Energie.
Wer um einen der kleinen Striche herunterregelt, spart etwa ein Grad.
Wer um einen der kleinen Striche herunterregelt, spart etwa ein Grad. (Foto: Shutterstock/Lutsenko_Oleksandr)

Und wer beim Heizen zusätzlich sparen will, sollte sich unsere Tipps zum Thema nicht entgehen lassen – hier sind sie: Richtig heizen: 10 Tipps, die Geld und Energie einbringen

Energie sparen auf oekotest.de:

Strom sparen auf oekotest.de:

Wasser sparen auf oekotest.de: