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Weniger Streusalz: Bayern testet Gurkenwasser als Ersatz

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Freizeit und Technik | 09.01.2020

Gegen Schnee und Glätte auf Straßen helfen Streusalz und Sand - oder möglicherweise zukünftig auch Gurkenwasser.
Gegen Schnee und Glätte auf Straßen helfen Streusalz und Sand - oder möglicherweise zukünftig auch Gurkenwasser. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / Free-Photos)

Damit Straßen und Gehwege im Winter nicht zu Rutschbahnen werden, wird häufig Streusalz eingesetzt. Für die Umwelt ist das fatal. Bayern geht einen neuen Weg und testet Gurkenwasser als Alternative.

Kaum fallen die Temperaturen unter den Gefrierpunkt, werden auf unseren Straßen und Gehwegen große Mengen Streusalz verteilt. Nach Angaben des Umweltbundesamtes landen in kalten, schneereichen Wintern im Mittel mehr als vier Millionen Tonnen davon auf unseren Straßen und Gehwegen.

Auch im privaten Gebrauch wird gerne auf Streusalz zurückgegriffen. Grundstücksbesitzer müssen für geräumte Bürgersteige sorgen, bei Unfällen ist das Haftungsrisiko hoch. Da klingt es erst einmal einleuchtend, Streusalz zu verwenden: Es ist billig und wirkt in der Regel schnell. Was viele aber nicht zur Kenntnis nehmen: Salz ist gefährlich für Böden, Pflanzen, Gewässer und Bauwerke. Und: In vielen Städten und Gemeinden ist der Einsatz von Streusalz sogar explizit verboten.

Die Bayerische Staatsbauverwaltung will jetzt nachhaltiger werden: In einem Pilotprojekt wird Salzwasser aus der Gurkenproduktion der Firma Develey statt der bislang eingesetzten Sole-Salzlösung verwendet.

Sole-Recycling spart 700 Tonnen Salz

"Wir recyceln das übrig gebliebene Salzwasser der Firma Develey und verringern so die Menge an Salz, das in die Umwelt gelangt – eine Win-Win-Situation!", so Verkehrsminister Dr. Hans Reichhart. Die Straßenmeistereien rund um das Develey-Werk in Dingolfing werden in diesem Winter erstmals mit Salzwasser der Firma beliefert, das bei der Produktion von Salzgurken entsteht und normalerweise über eine Kläranlage entsorgt wird. 

Dank des Pilotprojekts soll der Salzverbrauch um rund 700 Tonnen reduziert werden.

Wie wirkt Streusalz?

Streusalz besteht überwiegend aus Natriumchlorid, also normalem Kochsalz, Calcium- oder Magnesiumchlorid. Das Salz setzt den Gefrierpunkt herab und lässt damit Schnee und Eis schmelzen beziehungsweise verhindert, dass Schnee und Eis sich überhaupt bilden. Eine feine Sache für Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger – wären da nicht die negativen Auswirkungen auf die Umwelt.

Die Natur leidet unter Streusalz

Das Salz setzt sich nämlich im Boden ab und schädigt dort die Pflanzenwurzeln. In der Folge können die Wurzeln Wasser und Nährstoffe schlechter aufnehmen, die Pflanzen werden anfälliger für Krankheiten und Vertrocknung. Zu sehen ist das, wenn salzgeschädigte Bäume oder Hecken im Sommer trotz ausreichender Niederschläge langsam vertrocknen. Bei direktem Kontakt wirkt das Salz außerdem ätzend. Mit dem Schmelzwasser gelangt Streusalz auch in Flüsse, Seen und ins Grundwasser und belastet dort die Ökoysteme.

Nicht nur die Umwelt leidet unter dem aggressiven Salz: Bei Hunden und Katzen setzt sich das Streusalz in den Pfoten fest und kann dort für Entzündungen sorgen. An Autos und Brücken ist das Salz für teure Korrosionsschäden verantwortlich.

Die ökologischste Methode, Schnee zu räumen, ist immer noch das Beseitigen mit der Schneeschaufel.
Die ökologischste Methode, Schnee zu räumen, ist immer noch das Beseitigen mit der Schneeschaufel. (Foto: Anna Kuzmina / Shutterstock)

In vielen Städten ist Streusalz verboten

Viele Kommunen haben den privaten Einsatz von Streusalz deshalb verboten; wer dagegen verstößt, dem drohen teilweise heftige Geldbußen. Umweltverbände unterstützen das Salzverbot. Der BUND Naturschutz kritisiert beispielsweise, dass Baumärkte weiterhin Streusalz in großen Mengen verkaufen.

Wichtig zu wissen: Gegen Streusalz spricht auch, dass es nur unter bestimmten Bedingungen wirkt. Bei Temperaturen unter minus 20 Grad ist es wirkungslos. Auch bei andauerndem Schneefall ist der Einsatz wirkungsarm.

Abstumpfende Streumittel als Alternativen zu Streusalz

Es gibt durchaus gute Alternativen zu Streusalz, die der Umwelt weniger Schaden zufügen. Die natürlichste Methode ist der körperliche Einsatz mit Schneeschaufel und Besen. Hier gilt: Schon frühzeitig räumen, wenn der Schnee sich noch leicht lockern und wegräumen lässt.

Wer bei Eis und erhöhter Glättegefahr Streumittel einsetzen möchte, sollte sogenannte abstumpfende Streumittel verwenden. Sie schmelzen das Eis nicht ab, sondern erhöhen lediglich die Griffigkeit der überfrorenen Oberflächen. "Hier bieten sich Sand, Kies oder Sägespäne an", so der BUND Naturschutz. Das Umweltbundesamt gibt dagegen zu bedenken: "Der Primärenergiebedarf kann beim Einsatz von abstumpfenden Mitteln höher liegen als bei der Verwendung von Taumitteln. In der Energiebilanz ist noch der Aufwand für das Einsammeln und gegebenenfalls Reinigen am Saisonende zu berücksichtigen." Richtig umweltgerecht bleibt also nur die gute alte Schneeschaufel.

Wichtig: Achten Sie beim Kauf von Streumitteln ohne Salz unbedingt auf das Umweltzeichen "Blauer Engel"!

Quelle: Bayerisches Staatsministerium

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