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Valentinstag: Blumen verschenken ohne schlechtes Gewissen

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Freizeit und Technik | 13.02.2019

Valentinstag: Blumen verschenken ohne schlechtes Gewissen
(Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / Pixels)

Vor allem Blumenhändler machen am 14. Februar, dem Valentinstag, ein gutes Geschäft. Dabei haben gerade Rosen den Ruf, eine schlechte Umweltbilanz aufzuweisen. Eine aktuelle Studie überrascht: Rosen aus Kenia schneiden dabei besser ab als solche aus Deutschland.

Blumen und Valentinstag – für viele gehören sie untrennbar zusammen. Die Rose als Königin der Blumen wird zum Tag der Liebe am häufigsten verschenkt. Ein Großteil der in Deutschland verkauften Blumen (rund 80 Prozent) kommt von Blumenfarmen des globalen Südens aus Kenia, Äthiopien, Tansania oder Ecuador. Dort arbeiten meist weiblichen Arbeiterinnen unter miserablen Arbeitsbedingungen und zu schlechten Löhnen. Der massive Einsatz von Pflanzenschutzmitteln macht die Pflückerinnen krank und verseucht die Böden.

Gütesiegel bei Blumen

Wer unbedingt Blumen verschenken möchte, sollte deshalb auf Gütesiegel achten: Fair gehandelte Rosen sind am Fairtrade-Siegel zu erkennen. Auch für Blumen mit regionaler Herkunft gibt es eine Kennzeichnung: Sie tragen das grüne "Ich bin von hier!"-Logo.

Dass regionale Blumen dabei nicht immer die beste Wahl sind, zeigt eine aktuelle Studie vom Migros-Genossenschafts-Bund und Fairtrade International: Sie vergleicht die Umweltbilanz von Schnittrosen aus Holland, Kenia und Ecuador hinsichtlich Umweltfaktoren wie Energie, Transport sowie Verpackung. "Rosen aus Afrika haben zwar eine weite Reise hinter sich, bevor sie bei Floristen und Supermärkten landen, oft aber eine bessere Ökobilanz als europäische", bestätigte TransFair-Vorstandsvorsitzender Dieter Overath.

Das liegt vor allem an den idealen klimatischen Bedingungen Afrikas, wo keine Treibhäuser energieaufwendig beheizt werden müssen. Darüber hinaus punkten fair gehandelte Rosen aus Kenia mit deutlich geringerem Pestizideinsatz als konventionelle kenianische Rosen. Fairtrade-Rosen sind aber nicht nur gut fürs Gewissen und die Umweltbilanz, sondern vor allem für die Beschäftigten in den Anbauländern: "Wer Rosen mit Fairtrade-Siegel kauft, unterstützt neben nachhaltigen Anbaupraktiken auch Arbeitsschutz, Arbeitsverträge und Mindestlöhne für die Beschäftigten", so TransFair-Vorstandsvorsitzender Dieter Overath.

Blumen sind viel zu günstig

Silke Peters, Expertin für nachhaltiges Wirtschaften und Autorin des Buchs 'Blühende Geschäfte. Der weltweite Handel mit der Blume', gibt in einem Interview mit der ZEIT jedoch zu bedenken: "Fair-Trade-Rosen werden oft sehr günstig verkauft; das ist das völlig falsche Signal. Es entsteht der Eindruck, wir könnten uns fair verhalten, ohne wirklich höhere Preise zu zahlen." Dennoch lautet ihr Fazit: "Allerdings ist Fairtrade auf dem Blumenmarkt im Moment das glaubwürdigste Siegel".

+++ Weiterlesen auf oekotest.de: Rosensträuße im Test +++

ÖKO-TEST hat 2017 Rosensträuße auf Pestizide, Mitverantwortung des Handels, Kontrollmechanismen und Transparenz getestet. Nur ein einziger Rosenstrauß des Anbieters Kaufland ging mit einem "gut" aus dem Test hervor, einer (Aldi Süd) bekam ein "befriedigend". Alle anderen Rosensträuße von insgesamt 14 im Test waren "ausreichend", "mangelhaft" oder sogar "ungenügend". Auch bei den Fairtrade zertifizierten Rosen fanden wir mindestens zwölf unterschiedliche Pestizide.

Unsere vier Tipps für den Rosen-Kauf

✓ Fairtrade ist nur im Winter die bessere Wahl. Im Sommer sind heimische Freilandblumen wegen der besseren CO2-Bilanz die erste Wahl.

✓ Blumen lieber im Sommer als im Winter schenken: Zwischen Mai und September ist die Auswahl am größten, Freilandrosen kommen ab Juni in die Läden.

✓ Obwohl auch Fairtrade nicht garantiert, dass die Blumen ohne Rückstände von Pestiziden verkauft werden, sind bei allen Vorbehalten Gewächse mit diesem Label besser als Sträuße ohne jede Zertifizierung.

✓ Wie unser Rosenstrauß-Test zeigt, finden sich in den Sträußen regelrechte Chemiecocktails. Verblühte Schnittblumen gehören deshalb nicht auf den Komposthaufen, sondern in den Restmüll.

Liebesgruß auch ohne Rosenstrauß

Im Blumenladen lohnt es sich nachzufragen, wo Blumen herkommen und unter welchen Bedingungen sie angebaut wurden. Nur wenn die Nachfrage nach fairen Blumen und auch die Zahlungsbereitschaft wachsen, wird sich das Angebot ändern.

Wer seinem oder seiner Liebsten seine Liebe zeigen will, muss dafür nicht gleich ein Dutzend roter Rosen erwerben. Nachhaltiger und mindestens genauso schön: drei einzelne Rosen in einer hübschen Vase. Dazu eine Liebesbotschaft in Worten, das sorgt für mehr Herzklopfen.

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