Stromfresser Kühlschrank: So berechnen Sie, ob sich der Austausch lohnt

Autor: Lino Wirag | Kategorie: Freizeit und Technik | 05.10.2022

Veraltete Elektrogeräte: So finden Sie heraus, ob sich ein Austausch und Neukauf lohnt.
Foto: Shutterstock/Altrendo Images

Ein oft gehörter Energiespar-Tipp: Veraltete Haushaltsgeräte gegen effizientere Modelle austauschen – selbst wenn die alten noch funktionieren. Doch wie schnell lohnt sich ein Austausch finanziell? Und kann ein Neukauf überhaupt nachhaltig sein? ÖKO-TEST zeigt am Beispiel Kühlschrank, wie sich die Kosten berechnen und vergleichen lassen.

Viele Haushaltsgeräte gelten als Stromfresser, vor allem Kühlgeräte und Waschmaschinen: je größer und je älter, desto hungriger. Um zu sparen, hört man daher oft den Tipp – durchaus auch von ÖKO-TEST –, sich modernere, da energieeffizientere Geräte anzuschaffen. Doch ein neuer Kühlschrank kostet schnell mehrere Hundert Euro, ebenso eine fabrikfrische Waschmaschine oder ein moderner Geschirrspüler. Wer auf maximale Effizienz und Markennamen Wert legt, kratzt bei Neu-Elektronik sogar schnell an vierstelligen Beträgen.

Klar ist aber auch: Die Energiepreise sind dramatisch gestiegen und in den nächsten Monaten sind weitere Erhöhungen zu erwarten. Weshalb sich jede eingesparte Kilowattstunde Strom und jeder gesparte Liter Wasser schnell bemerkbar machen können.

Wann rechnet sich ein Neukauf?

Vielen Verbrauchern stellt sich deshalb zurzeit die Rechenaufgabe: Wie sinnvoll ist der Neukauf – etwa eines Kühlschranks –, wenn man auf den eigenen Geldbeutel blickt? Und was würde die Umwelt dazu sagen?

Das Klima profitiert zwar zweifellos von jeder Energieersparnis, andererseits muss jeder neue Kühlschrank erst einmal produziert und jedes ausgediente Kühlgerät erst einmal entsorgt werden. Vor allem die Herstellung neuer Elektrogeräte belastet das persönliche Umweltbudget, weil sie Emissionen verursacht und wertvolle Rohstoffe verbraucht.

Aber zunächst zum Finanziellen. Um beim Beispiel Kühlschrank zu bleiben: Der Stromverbrauch von Kühlschränken ist nach Angaben der Verbraucherzentrale NRW seit Anfang der 1990er Jahre kontinuierlich gesunken. Verbrauchte ein Kühlschrank mit Gefrierfach, wie er vor 30 Jahren üblich war, zum Beispiel 410 Kilowattstunden (kWh) Strom pro Jahr, kommen besonders effiziente Neugeräte heutzutage auf nur mehr 120 kWh.

Das sind nicht nur rund 70 Prozent weniger Energie, sondern auch – bei einem Strompreis von 0,33 Euro – etwa 95 Euro pro Jahr, die sich bei diesem Beispiel sparen lassen. Und die Energiepreise dürften weiter steigen.

Kühlschrank: Stromverbrauch steigt mit der Zeit

Um herauszufinden, wie viel Sie tatsächlich sparen können, benötigen Sie den genauen Verbrauch Ihres Altgeräts. Diesen herauszufinden, ist oft gar nicht so einfach. Denn: Ältere Kühlgeräte haben oft kein sichtbares Energielabel mehr, von dem sich der durchschnittliche Verbrauch ablesen ließe. Oder Sie haben zwar ein Label, die angegebenen Werte stimmen aber nicht mehr mit dem tatsächlichen Verbrauch überein.

Denn: Der Stromverbrauch nimmt normalerweise zu, je älter ein Kühlschrank wird. Das Dämmmaterial altert, weshalb der Kühlschrank mehr Wärme verliert. Und auch undichte Türen oder verstaubte Kühlgitter führen zu Kostensteigerungen. (Wobei sich Gitter natürlich säubern und Dichtungen austauschen lassen.)

Zwar lassen sich die ungefähren Verbrauchswerte für viele Modelle im Internet recherchieren, unser Rat ist aber, es möglichst genau zu nehmen.

Energiebedarf am besten selbst messen

Investieren Sie deshalb lieber ein paar Euro in ein Strommessgerät (im Handel ab rund zehn Euro), um den Verbrauch des Geräts direkt an der Steckdose zu messen. So erhalten Sie einen zuverlässigen, weil tatsächlichen Wert, mit dem Sie kalkulieren können.

Bei manchen kommunalen Stellen, bei Verbraucherzentralen oder Energieversorgern lassen sich die kleinen Energie-Helferchen auch ausleihen. Mit deren Hilfe können Sie natürlich nicht nur den Verbrauch Ihres Kühlschranks bestimmen, sondern alle größeren und kleineren Stromverbraucher – von der Waschmaschine bis zur Stehlampe – unter die Lupe nehmen, deren genauen Bedarf Sie wissen wollen.

Haben Sie mithilfe des Messgeräts herausgefunden, wie viel Strom Ihr Kühlschrank beispielsweise innerhalb von 24 Stunden benötigt, rechnen Sie den Wert aufs Jahr hoch. Und gleichen Sie ihn anschließend mit dem Verbrauch eines aktuellen, energieeffizienten Geräts ab.

Dessen durchschnittlicher Stromhunger wird in Onlineshops und auf dem Energieeffizienz-Label ebenfalls als "jährlicher Energieverbrauch" in Kilowattstunden pro Jahr (kWh/a) angegeben. Die Angabe ist verpflichtend und wird standardisiert erhoben, sodass Sie verschiedene Neu-Modelle problemlos vergleichen können. Auf diesem Weg erfahren Sie auch, wie schnell sich die Anschaffungskosten wieder einspielen können.

Ersparnis in wenigen Sekunden berechnen

Mit dem Haushaltsgeräte-Check des Bayerischen Staatsministeriums lässt sich in wenigen Sekunden berechnen, wie schnell sich die Anschaffung eines neuen Geräts bezahlt macht. Das kostenlose Onlinetool kann auf Wunsch sogar die Inflationsrate (zurzeit 7,9 %) und steigende Strompreise berücksichtigen (5 % und mehr sind realistisch).

Der folgende Screenshot des Online-Helfers zeigt, dass sich ein neuer 120-kWh-Kühlschrank, der 500 Euro kostet, im Vergleich mit einem 400-kWh-Altgerät beispielsweise nach rund vier Jahren wieder eingespielt hat. Auf gut Deutsch: Wer den neuen Kühlschrank vier Jahre betreibt, hat ihn kostenneutral bekommen. Und macht ab Jahr fünf sogar Gewinn.

Haushaltsgeräte-Check: So sieht das praktische Onlinetool aus.
Haushaltsgeräte-Check: So sieht das praktische Onlinetool aus. (Foto: Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie)

Also gleich auf in den Elektromarkt? Wenn da nicht das Klima wäre. Denn: Bei allen möglichen finanziellen Vorteilen gilt es, die Auswirkungen unseres Konsums auf die Umwelt nicht zu unterschätzen.

Nachhaltigkeits-Experten wie die Forscher des Freiburger Öko-Instituts raten fast immer, ein noch funktionierendes Gerät aus Umweltsicht so lange wie möglich zu nutzen. Und defekte Elektrogeräte nach Möglichkeit reparieren zu lassen – vor allem solche, die man erst vor wenigen Jahren gekauft hat.

Ein vollständiger Austausch, so das Öko-Institut, ist nur bei Kühlschränken sinnvoll, die vor dem Jahr 2000 erworben wurden – oder bei solchen, die zum Kauf-Zeitpunkt die Energieeffizienzklasse B oder schlechter hatten. Bei solchen Kühlgeräten raten die Fachleute dann nicht nur aus finanzieller, sondern auch aus ökologischer Sicht dazu, es gegen ein modernes Gerät mit möglichst hoher Energieeffizienzklasse auszutauschen.

Tipps zu alten (und neuen) Elektrogeräten

Weitere Tipps und Hinweise zum Thema:

  • Da die Energieeffizienzklassen A+, A++ und A+++ im letzten Jahr abgeschafft und das dazugehörige Berechnungssystem angepasst wurde, ist die höchste Energieeffizienzklasse inzwischen wieder das dunkelgrüne A.
  • Da die alten und die neuen Klassen nicht eins zu eins vergleichbar sind, ist ein Gerät mit Effizienzklasse B, das Sie nun im Handel finden, effizienter als ein Kühlschrank, der vor der Umstellung im Jahr 2021 etwa mit A+ oder A++ gekennzeichnet war.
  • Vor allem im Onlinehandel geht dabei noch einiges durcheinander: Achten Sie deshalb unbedingt darauf, ob Sie eine altes (Werte von A+++ bis G) oder ein neues Energieeffizienz-Label (Werte von A bis G) vor sich haben und vergleichen Sie im Zweifel die konkreten Verbrauchswerte.
  • Und nicht wundern: Bei der Label-Umstellung wurde darauf geachtet, dass Hersteller noch "Luft nach oben" haben. Deshalb gibt es zurzeit noch kaum Kühlschränke mit A-Bewertung (nach dem neuen System) im Handel.
  • Wenn ein Gerät noch nicht stark veraltet, sondern nur defekt ist, ist eine Reparatur vor allem bei hochwertigen Geräten häufig sinnvoller als ein Neukauf.
  • Erst wenn das Gerät seine erwartbare Lebensdauer nahezu erreicht hat, kann es besser sein, es durch ein energieeffizienteres Gerät zu ersetzen. Nach Ansicht der Verbraucherzentrale NRW lohnt sich der Austausch eines Standgeräts mit Gefrierfach erst nach rund 15 Jahren, bei den teureren Einbau-Kühlschränken sogar erst ab 20 Jahren.
  • Anders sieht es bei Billig-Modellen aus, deren Reparaturkosten im Verhältnis zu einem vergleichbaren Neuprodukt relativ hoch sein können.
  • Grundsätzlich gilt: Bei Defekten immer zuerst Garantien und Gewährleistungen prüfen und einen Kostenvoranschlag für eine mögliche Reparatur einholen – und erst danach über einen Neukauf entscheiden.
  • Übrigens: Reparaturen müssen nicht immer vom Profi gemacht werden. So manches Gerät lässt sich zum Beispiel unter Anleitung in einem Reparatur-Café heilen.
  • Lohnt sich die Reparatur nicht mehr, müssen Sie trotzdem nicht gleich einen Neukauf in Erwägung ziehen. Denn: Es gibt Unternehmen, die gebrauchte Ware generalüberholen und – inklusive Garantie – weiterverkaufen.

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Mit Material von dpa