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Streusalz als Umweltproblem: Das sind die Alternativen

Autor: Ann-Cathrin Witte | Kategorie: Freizeit und Technik | 21.11.2020

Streusalz ist im Winter auf Straßen und Wegen ein stetiger Begleiter.
Foto: riopatuca/Shutterstock

Streusalz befreit im Winter Gehwege und Straßen von Schnee und Eis. Der Nachteil: Der Einsatz belastet Böden, Gewässer und Pflanzen. Doch es gibt wirksame, umweltfreundliche Alternativen.

  • Kommunen und Privatpersonen müssen im Winter Straßen und Wege freiräumen.
  • Das eingesetzte Streusalz hat jedoch negative Auswirkungen auf die Umwelt.
  • Bessere Alternativen sind sogenannte abstumpfende Streumittel aus Sand, Holzspänen oder Streusplit.

Im Winter verwandeln sich Gehwege und Straßen bei Schnee und Glatteis ruckzuck in eine rutschige Gefahrenzone. Ebenso schnell erfolgt der Griff zum Streusalz - mit verheerenden Folgen für die Umwelt. ÖKO-TEST gibt Tipps zu umweltschonenden Alternativen.

Wer muss Schnee räumen?

Für das Räumen von Schnee und Eis auf öffentlichen Straßen sind in der Regel die Gemeinden verantwortlich. Ein Paragraph, der die Regelung festgelegt, findet sich häufig in den Landesstraßengesetzen der einzelnen Bundesländer. Darüber hinaus hat jede Kommune oder Stadt eine eigene Satzung, in der die Räumungspflicht für den Winterdienst geregelt ist.

Die Gemeinde kann die Räumungpflicht auf Hauseigentümer übertragen und diese zum Winterdienst vor ihrer eigenen Haustür, insbesondere von Gehwegen, verpflichten. Grundlage ist der Paragraph 823 Absatz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB), nachdem Grundstückseigentümer haftbar gemacht werden können, wenn es vor ihrem Grundstück zu einem Unfall kommt.

Hauseigentümer wiederum können über Regelungen im Mietvertrag ihre Mieter mit in die Verantwortung nehmen.

Wer darf Salz streuen?

Der Einsatz von Streusalz ist in vielen Gemeinden nur dem kommunalen Winterdienst erlaubt. Um die Auswirkungen auf die Umwelt einzudämmen, untersagen Städte wie München, Hamburg und Berlin ihren Einwohnern bereits seit Jahren die Verwendung im privaten Bereich. 

Trotzdem bieten Bau- und Supermärkte jedes Jahr im Winter Streusalz für den privaten Gebrauch an. Wer auf Nummer sicher gehen will, wirft einen Blick in die Satzung seiner Stadt oder Gemeinde, bevor vor der Haustür Salz gestreut wird. Denn im Ernstfall droht bei Verstoß die Zahlung eines saftigen Bußgeldes. 

Eine Ausnahme bildet Blitzeis. Städte wie Frankfurt, Köln oder Leipzig erlauben bei extremen Wetterbedingungen auch Privatpersonen den Gebrauch von Streusalz. Auch das ist in Satzungen geregelt.

Streusalz hinterlässt Flecken auf Schuhen.
Streusalz hinterlässt Flecken auf Schuhen. (Foto: Mike-shots/Shutterstock)

Woraus besteht Streusalz?

Streusalz besteht überwiegend aus Natriumchlorid, also Kochsalz. Es gibt aber auch Streusalz-Mischungen aus Calcium- oder Magnesiumchlorid. Weitere Inhaltsstoffe sind geringe Mengen an natürlichen Begleitstoffen und künstlichen Zusätzen, wie zum Beispiel Rieselhilfsstoffe.

Während Streusalz auf Natriumchlorid-Basis bei Temperaturen von bis zu minus zehn Grad wirksam ist, können Gemische auf Basis von Calciumchlorid sogar bis minus 20 Grad eingesetzt werden.

Ist Streusalz umweltschädlich? 

Problematisch ist die Nutzung von Streusalz, weil die Überreste des Taumittels in Böden und Gewässer einsickern. Über den Boden gelangt das Streusalz an die Wurzeln von Pflanzen und Bäumen, die dadurch Schaden erleiden. Sichtbar werden die Folgen erst im darauffolgenden Frühjahr und Sommer, wenn die salzgeschädigte Flora trotz ausreichender Niederschläge vertrocknet. 

Über das Schmelzwasser gelangen die Salzreste zudem in die Kanalisation und von dort in Flüsse und Seen. Denn die Kläranlagen können das Streusalz nicht vollständig herausfiltern. Die Folge sind erhöhte Konzentrationen von Chlorid, die das Öko-System unserer Gewässer bedrohen.

Auch an Grundwasser-Messtellen in der Nähe großer Straßen wurden in der Vergangenheit erhöhte Konzentrationen von Chlorid nachgewiesen. Somit trägt Streusalz potenziell zur Versalzung unserer Trinkwasserbestände bei. 

Streusalz: Auch schädlich für Tiere

Schädlich ist Streusalz auch für Haus- und Wildtiere, wenn sich zwischen ihren Pfotenballen Salz sammelt und die Haut darauf mit Entzündungen reagiert. Hundebesitzer sollten darum nach jedem Spaziergang die Pfoten ihrer Vierbeiner mit warmem Wasser abspülen oder besser gleich Routen auswählen, auf denen gar nicht gestreut wird.

Viele Hunde versuchen zudem, sich die versalzten Pfoten durch Lecken zu säubern. So gelangen Auftausalze in den Tiermagen und können dort schwere Magenreizungen und -schäden verursachen.

Hundebesitzer sollten mit Salz bestreute Flächen meiden. Waldwege sind in aller Regel unproblematisch.
Hundebesitzer sollten mit Salz bestreute Flächen meiden. Waldwege sind in aller Regel unproblematisch. (Foto: vvvita/Shutterstock)

Umweltfreundlichere Alternativen zu Streusalz

Bereits seit Jahren bewerben Naturschutzverbände umweltverträglichere Alternativen zum Streusalz. Anstelle von Auftausalzen empfehlen NABU, BUND & Co. Abstumpfmittel wie Sand, Splitt und Holzspäne einzusetzen. Diese lassen das Glatteis zwar nicht schmelzen, verringern aber trotzdem die Rutschgefahr.

Ein weitere Vorteil: Nach dem Abtauen lassen sich die meisten Stoffe einfach zusammenfegen, entsorgen oder wiederverwenden. Allerdings müssen die Streusalz-Alternativen relativ großzügig verwendet werden. Laut Umweltbundesamt lautet die Faustregel: Etwa 100 Gramm pro Quadratmeter. 

Wer auf Nummer sicher gehen will, verwendet Streuprodukte mit dem Umweltzeichen "Blauer Engel". Diese enthalten weder Salz noch andere umweltschädliche Stoffe. 

Generell gilt jedoch: Wer den Schnee früh mit der Schneeschaufel wegräumt, muss im Bedarfsfall vielleicht gar nicht streuen.

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