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Selbst aktiv werden: Sieben Tipps für den Klimaschutz

Magazin Januar 2022: Superfood Hafer | Autor: Heike Baier | Kategorie: Freizeit und Technik | 31.12.2021

Selbst aktiv werden: Sieben Tipps für den Klimaschutz
Foto: Shutterstock / chayanuphol

Schon klar: Jeder einzelne von uns ist klein, wenn es darum geht, den großen Klimawandel zu stoppen. Und doch verstecken sich im (Familien-) Alltag Klimatreiber, die wir vermeiden können. Sieben Tipps, wie Sie jetzt Ihre CO₂-Bilanz drücken.

Bewusster Einkauf, auf Öko-Strom umsteigen oder öfter mal das Rad nehmen. Jeder kann etwas zum Klimaschutz beitragen. Wir haben sieben Tipps für gute Klima-Vorsätze. 

Tipp 1: Den eigenen Startpunkt errechnen

Jeder von uns produziert im Durchschnitt pro Jahr 11,6 Tonnen des klimaschädlichen Treibhausgases CO₂, rechnet das Umweltbundesamt vor. Damit liegen die Deutschen nicht nur weit über dem Weltdurchschnitt, sondern überflügeln auch den durchschnittlichen europäischen Pro-Kopf-Ausstoß von gut acht Tonnen CO₂ pro Jahr. Beginnen Sie damit, einmal auszurechnen, wie hoch Ihr persönlicher CO₂-Fußabdruck wirklich ist und wo die Schwachstellen liegen. Dafür gibt es diverse kostenlose Rechner im Internet. Stromrechnung und Autokilometerstand bereithalten und los geht’s: uba.co₂-rechner.de/de_DE oder wwf.de/themen-projekte/klima-energie/wwf-klimarechner

Tipp 2: Mehr Pflanzen essen

Bringen Sie mehr pflanzliche Nahrung auf Ihren Teller – das tut nicht nur dem Klima gut, sondern auch Ihnen und Ihren Kindern und ist damit ein prima Vorsatz für ein gesünderes 2022. Dabei muss gar nicht jeder gleich zum Veganer werden.

Ab und zu mal Butter gegen Margarine tauschen, Kuhmilch gegen Hafermilch und die "Gemüse-Beilage" anstelle des Steaks zum Hauptgericht erklären: All das sind gute Schritte. Und es geht nicht ohne, wenn wir das 1,5-Grad-Ziel erreichen wollen. Denn industrielle Tierhaltung ist laut Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) für 14,5 Prozent der vom Menschen verursachten Treibhausgase verantwortlich.

Andere Schätzungen gehen von noch mehr aus. Zu den Lebensmitteln mit dem größten CO₂-Fußabdruck gehören laut Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (Ifeu): Rindfleisch, Butter und gefrorene Garnelen. Achten Sie daneben auf den Einkauf möglichst regional erzeugter Ware. Denn mit einem entsprechend langen Transportweg wird auch ein pflanzliches Lebensmittel zur CO₂- Schleuder: In der Liste des Ifeu-Instituts hat Ananas, die mit dem Flugzeug nach Deutschland kam, einen noch schlechteren Fußabdruck als durchschnittliches Rindfleisch. Übrigens: Wenn Ihre Kinder in der Schule oder Kita essen, haben sie meistens schon zweimal die Woche Fleisch bekommen – viel mehr sollte es ohnehin nicht sein.

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Tipp 3: Gezielt und bewusst einkaufen

Sehr viel CO₂ steckt leider auch in Lebensmitteln, die wir zuerst produzieren, dann aber gar nicht essen. 18 Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland pro Jahr im Abfall; das entspricht laut WWF fast einem Drittel unseres aktuellen Nahrungsmittelverbrauchs.

Ausrangiert wird schon beim Anbau, später im Supermarkt, im Restaurant – aber auch beim Verbraucher. Prüfen Sie deshalb Lebensmittel vor dem Wegschmeißen: Auch wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, sind viele noch bedenkenlos genießbar.

Ausnahmen sind Fisch oder Fleisch. Schreiben Sie sich vor dem Einkauf eine Einkaufsliste, möglicherweise sogar anhand eines Wochenspeiseplans. Das spart nicht nur Überfluss- Einkäufe, sondern auch unnötige Wege.

Apropos bewusster Einkauf: Gewöhnen Sie sich an, eine paar Tüten, Taschen und Behälter beim Einkauf dabei zu haben. Das Angebot an Unverpackt-Ware auch im ganz normalen Lebensmittelhandel wächst. Je häufiger Sie die Papiertüte mit Obst befüllen, desto kleiner wird deren Fußabdruck.

Jedes Jahr landen 18 Millionen Tonnen Lebensmittel in Deutschland im Abfall.
Jedes Jahr landen 18 Millionen Tonnen Lebensmittel in Deutschland im Abfall. (Foto: Thomas Holt/Shutterstock)

Tipp 4: Nachhaltiger kleiden per App

Wir nehmen es uns immer wieder vor und schaffen es am Ende doch nicht: Weniger Klamotten zu kaufen und dafür vielleicht etwas mehr auf Qualität oder verantwortungsvolle Herstellung zu achten. Bei kaum einem Thema ist der sogenannte "Intention- Behavior-Gap" – also die Kluft zwischen Wollen und Umsetzen – so groß wie bei der von Impulskäufen bestimmten Mode: Rund 75 Prozent der deutschen Konsumenten bewerten Nachhaltigkeit als wichtigstes Kriterium für ihren Mode-Einkauf, gleichzeitig liegt der Umsatz von ökologisch oder sozial zertifizierter Kleidung unter 4 Prozent.

Um diese Kluft zu überwinden, haben zwei Wissenschaftler der Leuphana Universität Lüneburg die kostenlose "Green Fashion Challenge App" entwickelt. Das besondere an ihr: Nutzerinnen und Nutzer können am Anfang selbst festlegen, welche Ziele sie sich beim Kleiderkauf setzen und welche Aspekte ihnen dabei besonders wichtig sind. Tierwohl etwa, Umweltoder eben auch Klimaschutz. Wenn sie dann ihre Einkäufe eintragen, liefert die App am Ende des Monats einen Abgleich mit den Zielen. "Es gibt dabei nicht die eine Faser, die das Klima schont", sagt Jacob Hoerisch, Miterfinder der App. Laut McKinsey- Report "Fashion on Climate" ist die Modeindustrie für vier Prozent der globalen Emissionen verantwortlich. Einfluss auf die CO₂-Bilanz des Modekonsums hat laut Hoerisch vor allem: Weniger Kleidung kaufen und diese länger nutzen: green-fashion.app.

Gerade in Sachen Kinderkleidung können Familien übrigens viel Geld und CO₂- Emissionen sparen, indem sie die Klamotten gebraucht kaufen und verkaufen – auf Flohmärkten, Ebay-Kleinanzeigen oder in Apps wie vinted.de. Dort gibt es auch Hochstühle, Kinderbetten, Fahrräder und vieles mehr.

Tipp 5: Auf Öko-Strom umsteigen

Die gute Nachricht: Der Umstieg jedes Haushalts auf Öko-Strom kann einen Beitrag zur Energiewende leisten. Die schlechte: Er tut es nicht automatisch. Denn es tummeln sich viele Anbieter mit Mogelpackungen im Markt, die lediglich Zertifikatehandel betreiben, aber den Ausbau der Erneuerbaren Energien nicht wirklich voranbringen. Jedenfalls nicht über das hinaus, was jeder Verbraucher ohnehin über seine EEG-Umlage finanziert.

Klingt komplex? Ist es auch. Mehr Klarheit und immerhin zehn "sehr gute" Öko-Strom-Produkte finden Sie in unserem aktuellen Test. Eine Neuauflage folgt demnächst. Übrigens: Auch wenn Sie sich finanziell am Ausbau erneuerbarer Energien beteiligen, sorgen sie dafür, dass es mit der Energiewende schneller vorangeht. Oder einfach, indem Sie sich politisch dafür engagieren. Und: Der ökologischste Strom ist der, den Sie gar nicht erst verbrauchen. 

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Tipp 6: Richtig lüften

Wie wichtig das Lüften ist, haben wir und unsere frierenden Kinder in der Schule während der letzten zwei Jahre gelernt. Und das Thema begleitet uns weiter. Das richtige Lüften im Winter ist aber auch fürs Klima relevant – denn in einem durchschnittlichen Haushalt gehen 75 Prozent des Energieverbrauchs auf das Konto der Heizung. Nicht jeder ist Hausbesitzer und kann die Weichen hier durch eine energetische Gebäudesanierung richtig stellen.

Richtiges Lüften lässt sich aber jetzt gleich umsetzen: Öffnen Sie alle zwei bis drei Stunden die Fensterflügel ganz weit zum sogenannten Stoßlüften. Auf diese Weise reichen schon einige Minuten, um die gesamte Raumluft auszutauschen. Das ist besser, als durchs gekippte Fenster stundenlang Energie rauszupusten. Und: Überdenken Sie Ihre Wohlfühl-Temperatur. In Wohnräumen reichen 20 Grad, in Schlafräumen 18 Grad. Schon ein Grad weniger spart laut WWF fünf bis zehn Prozent der Heizenergie. Und damit auch eine Menge Geld.

Tipp 7: Mit dem Fahrrad zum Shoppen

OK, dass wir mit Flugreisen und Kreuzfahrten das Klima anheizen, hat sich inzwischen herumgesprochen. Deswegen lenken wir hier den Blick zur Abwechslung auf die kleinen Alltagsstrecken, die auch Mist machen: Häufiger mal aufs Fahrrad umsteigen wäre gut, gerade bei kurzen Wegen.

Jeder Kilometer, der nicht mit dem Auto gefahren wird, hilft. Forscher der niederländischen Radboud-Universität haben errechnet, wie viel: Wenn wir statt mit Auto zu Fuß oder mit dem Fahrrad in den Laden kommen, kann das den CO₂-Fußabdruck unseres Einkaufs bis zu 40 Prozent verringern. Wenn schon Onlineeinkauf, dann möglichst mit wenig Einzelbestellungen und Retouren.

Wer sich einen zusätzlichen Schubs geben will, steigt auf Carsharing um – denn dann ist die Autotür nicht so verlockend nahe. Noch ein Motiv gefällig? Fahrradfahren hilft nicht nur dem Klima, sondern auch Ihrer Gesundheit. Es macht schlank, senkt das Risiko für Depression oder Herzinfarkt – und manche Menschen macht es sogar glücklich. Wer zwei oder mehr Kinder transportiert, sollte über ein Lastenrad nachdenken; mit E-Antrieb ist es zwar nicht ganz so gut für die Umwelt wie mit reiner Muskelkraft, aber immer noch viel besser als das Auto.  

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