Rasen im Frühjahr vertikutieren: Was Experten empfehlen

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Freizeit und Technik | 21.02.2024

Wie Sie den Rasen im Frühjahr richtig vertikutieren
Foto: Shutterstock/Kamil Macniak

Der Traum der meisten Gartenbesitzer: Eine dichte, grüne Rasenfläche. Damit dieser Traum wahr wird, braucht der Rasen im Frühling die richtige Pflege. Ein wichtiger Punkt: das Vertikutieren. Wann ist das Vertikutieren im Frühling sinnvoll? Und was ist dabei zu beachten? Wir haben mit Experten gesprochen.

Nach dem Winter braucht der Rasen besonders viel Pflege, damit das saftige Grün wieder sprießt und sich zum Start in den Frühling in einen schönen grünen Teppich verwandelt. Wichtig sind regelmäßiges Mähen, Düngen und die Versorgung mit ausreichend Wasser. Aber auch der Vertikutierer kann helfen.

Rasen im Frühling vertikutieren: Eine gute oder schlechte Idee?

Beim Vertikutieren des Rasens wird die Grasnarbe vertikal angeritzt und von Rasenfilz befreit, damit die jungen Gräser wieder atmen und wachsen können. Bei Rasenfilz handelt es sich um halb verrottetes Gras, das den Gräsern Licht und Sauerstoff nimmt. Und das muss weg.

Auch wenn Vertikutieren von Hobbygärtnern oft als Allheilmittel gepriesen wird – ganz so einfach ist es nicht: Für den Boden ist das Vertikutieren eine Belastung, entsprechend vorsichtig und überlegt sollten Sie also vorgehen, wenn Sie Ihrem Rasen Gutes tun wollen.

Wie stelle ich fest, ob ich meinen Rasen vertikutieren sollte?

Den Rasen zu vertikutieren, ist vor allem dann sinnvoll, wenn sich viel Rasenfilz oder Moos gebildet hat. Dabei ist ein Punkt besonders wichtig: Machen Sie sich auf die Suche nach den Ursachen für die Moosbildung (häufig ist der Boden zu sauer oder die Grashalme sind zu lang) und gehen Sie diese an. Ansonsten wird das Moos fast genauso schnell nachwachsen, wie Sie es beseitigt haben.

Nicht jeden Rasen müssen Sie im Frühjahr vertikutieren. Gut gepflegter Rasen kommt durchaus ohne diese Maßnahme zurecht. Wenn Sie sich nicht sicher sind, hilft folgende Faustregel: Fahren Sie mit einer Metallharke durch die oberste Rasenschicht. Wenn Sie dabei Rasenfilz und Moos rausziehen, ist es sinnvoll, den Rasen zu vertikutieren.

Allerdings nur, wenn eine dicke Schicht Rasenfilzauflage das Wachstum der Gräser hemmt. "Dünnere Rasenfilzauflagen sind dagegen eher vorteilhaft, weil sie die Verdunstung aus dem Boden reduzieren", erklärt Martin Degenbeck von der Bayerischen Landesanstalt für Stadtgrün und Landschaftsbau (LWG). Eine Schicht bis 0,5 Zentimeter Höhe sollten Sie deshalb besser nicht entfernen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt fürs Vertikutieren?

Die größte Gefahr ist, dass Sie Ihren Rasen zu zeitig im Jahr vertikutieren. "Zu frühes Vertikutieren schädigt den Rasen eher, als es nutzt," erklärt uns Harald Nonn, Vorsitzender der Deutschen Rasengesellschaft.

Das Vertikutieren ergibt erst Sinn, wenn sich die Lücken, die dabei entstehen, auch wieder schließen können. Sprich: Das Gras muss schon in der Wachstumsphase sein. Ansonsten ist die Gefahr groß, dass sich in den Lücken Unkräuter breit machen. Denn die kommen mit den noch kühlen Temperaturen im Frühjahr besser klar als die jungen Gräser. Rasen keimt bei einer Bodentemperatur von ungefähr 15 Grad am besten.

Faustregel: Erst nach dem zweiten oder dritten Mähen vertikutieren

Warten Sie mit dem ersten Vertikutieren im Frühling lieber bis Mitte/Ende April ab. Oder anders gesagt: "Vertikutieren Sie erst nach dem zweiten oder dritten Mal Mähen", so der Tipp von Harald Nonn.

Auch Martin Degenbeck hat eine Faustregel parat: "Ein guter Hinweis ist auch die Forsythienblüte, die jetzt zum Teil schon gelb leuchtet."

Was Sie beim Rasenvertikutieren beachten sollten

  • Vertikutieren strengt den Boden an, deshalb den Rasen nicht mehr als einmal im Jahr vertikutieren.
  • Der Rasen sollte vor dem ersten Vertikutieren nicht frisch angesät, sondern schon zwei bis drei Jahre alt sein.
  • Vor dem Vertikutieren sollten Sie den Rasen mähen.
  • Vertikutieren Sie den Rasen am besten, wenn es trocken ist.
  • Stellen Sie den Vertikutierer nicht zu tief ein, rät Martin Degenbeck: "Oft wird der Fehler gemacht, den Vertikutierer zu tief einzustellen, so dass viele Wurzeln herausgerissen werden und die Rasennarbe beschädigt wird. Dies verträgt der Rasen insbesondere im zeitigen Frühjahr schlecht." Deshalb: "Der Vertikutierer wird exakt bis zur Bodenoberfläche eingestellt und darf den Boden nur leicht anritzen (maximal 0,3 Zentimeter tief)."
  • Den gelockerten Rasenfilz nach dem Vertikutieren nicht liegenlassen, sondern entfernen und in der Biotonne oder im Kompost entsorgen.
  • Nach dem Vertikutieren dürfen Sie nachsäen (aber bitte nicht mit billigen Rasensamen) und den Rasen ausgiebig wässern

Vor oder nach dem Vertikutieren düngen?

Bei dieser Frage sind sich die von uns befragten Experten nicht ganz einig:

Martin Degenbeck meint: "Die Frühjahrsdüngung kann problemlos kurz nach dem Vertikutieren erfolgen, dann fallen die Körner sauber auf den jetzt leicht aufgerauten Boden und bleiben nicht auf den Halmen liegen."

Harald Nonn dagegen empfiehlt, zuerst mit einem stickstoffbetonten Dünger zu düngen, dann zu mähen und erst dann zu vertikutieren. "So werden die beim Vertikutieren entstehenden Lücken rasch wieder geschlossen, Moos und Unkraut haben kaum eine Chance, sich anzusiedeln."

Unser Fazit: Ob Sie zuerst vertikutieren und dann düngen – oder in umgekehrter Reihenfolge, macht keinen entscheidenden Unterschied. Wichtig, ist, dass Sie düngen. Und dass der Abstand zwischen beiden Tätigkeiten nicht zu groß ist.

Vertikutieren im Sommer?

Wenn es im Sommer heiß und trocken ist, ist das Vertikutieren keine gute Idee. Zumal der Rasen sich nicht erholen kann, so lange er intensiv genutzt wird. Danach benötigt die Rasenfläche ein paar Wochen Schonung, um sich regenerieren zu können. 

Optimal fürs Vertikutieren sind die Monate April bis Mai und September bis Oktober. Hier erfahren Sie mehr über das Vertikutieren im Herbst

Unser Rasen-Tipp für die Umwelt: Ein natürlicher Rasen mit Löwenzahn und Gänseblümchen freut die Insekten. Ein bunter Blumenrasen aus heimischen Wildpflanzen ist die ökologischste Variante – und eine sehr schöne Alternative zum "englischen Rasen". Auch Klee müssen Sie nicht unbedingt aus dem Rasen zupfen, nur Kinder sollten beim Spielen vorsichtig sein, dass sie auf keine Biene treten.

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