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Özdemir warnt: "Mit Torf zu pflanzen ist wie mit Kohle zu heizen"

Autor: Benita Wintermantel (mit Material von dpa) | Kategorie: Freizeit und Technik | 23.05.2022

Bitte ohne Torf: Warum Sie torffreie Erde kaufen sollten
Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / PublicDomainImages, Artisano

Viele Hobbygärtner wissen nicht, dass sie der Natur und dem Klima Schaden zufügen, wenn sie im Baumarkt torfhaltige Blumenerde kaufen. Jetzt will sich auch Bundesagrarminister Cem Özdemir für weniger Torf in Pflanzenerde einsetzen. So gärtnern Sie torffrei und mit gutem Gewissen.

Bundesagrarminister Cem Özdemir will sich auf EU-Ebene für einen besseren Schutz der für das Klima wichtigen Moore einsetzen, indem deutlich weniger Torf in Pflanzenerde genutzt wird. "Mit Torf zu pflanzen ist wie mit Kohle zu heizen", sagt der Grünen-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Er werde bei einem Treffen der EU-Agrarministerinnen und -minister in Brüssel am Dienstag eine Initiative präsentieren, die Torfnutzung schrittweise zu reduzieren.

"Wenn Moore zum Torfabbau trockengelegt werden, wird klimaschädliches CO₂ in die Luft geblasen", sagt Özdemir. Auf EU-Ebene solle daher gemeinsam vorgegangen werden, um klimafreundliche Alternativen zu finden und von Torf wegzukommen.

Ziel seines Ministeriums für Deutschland ist, dass bis 2026 kein Torf mehr im Hobbyanbau verwendet werden soll - für wirtschaftliche Zwecke soll bis 2030 "weitgehend" darauf verzichtet werden.

"Moore sind die Superhelden im Kampf gegen die Klimakatastrophe"

Obwohl die Moorgebiete nur drei Prozent der Landfläche der Erde bedecken, binden sie doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Welt. "Moore sind die Superhelden im Kampf gegen die Klimakatastrophe", sagt Özdemir. 

Torffreie Blumenerde schont die Umwelt und das Klima.
Torffreie Blumenerde schont die Umwelt und das Klima. (Foto: Shutterstock/Regina Burganova)

Weil sie solch gigantische Mengen an Carbon speichern, sind Moore besonders wichtig für den Klimaschutz. Um Torf aus Mooren abzubauen, müssen diese entwässert werden. Weil dem Boden Wasser entzogen wird, kann Sauerstoff in die Sedimentschichten eindringen, was zur Folge hat, dass der eingelagerte Kohlenstoff als klimaschädliches Kohlendioxid entweicht. Dabei wird auch Lachgas freigesetzt.

Die Austrocknung der Moore – und damit die Torfgewinnung – produziert damit gigantische Mengen an Treibhausgasen. Erst wenn der Torf wieder unter Wasser gerät, wird der Abbauprozess gestoppt. Nach einiger Zeit beginnt dann wieder die Speicherung von Kohlenstoff aus der Atmosphäre, denn es wachsen Torfmoose und damit langfristig neuer Torf heran. 

Entwässerte Moore sind Klimakiller

Laut dem deutschen Umweltministerium waren entwässerte Moore im Jahr 2019 mit einem Ausstoß von circa 53 Millionen Tonnen Treibhausgasen für fast sieben Prozent aller Emissionen in Deutschland verantwortlich. Die Situation in Deutschland ist dramatisch: 95 Prozent der einstigen Moorflächen wurden bereits entwässert und abgetorft, sie gelten dem NABU zufolge als "tot". Viele Pflanzen- und Tierarten, die sich auf diesen Lebensraum spezialisiert haben, sind mittlerweile stark bedroht.

Bundesumweltministerin Lemke hat deshalb im Januar 2022 angekündigt, mehr für den Moorschutz in Deutschland erreichen zu wollen. Das Ziel: Die jährlichen Emissionen, die von entwässerten Mooren ausgehen, bis 2030 um fünf Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid zu reduzieren.

Torffreie Erde als Alternative für den Garten

Ohne es zu ahnen, tragen auch viele Hobbygärtner dazu bei, dass wertvolle Moorlandschaften verloren gehen, indem sie torfhaltige Erde im Gartenhandel erwerben. 

Die Nachfrage nach torffreier Erde steigt.
Die Nachfrage nach torffreier Erde steigt. (Foto: Shutterstock / Mahdaliova Volha)

Unser Tipp: Wenn Sie die weitere Austrocknung von Moorlandschaften aufhalten wollen, verzichten Sie besser auf torfhaltige Blumenerde. Der Handel bietet torffreie Blumenerde als Alternative, die die Bodenqualität verbessert und dabei die Umwelt schont. Man erkennt sie an eindeutigen Hinweisen wie "torffrei" oder "ohne Torf". 

Torffreie Erde ist nicht schlechter als torfhaltige

Wichtig zu wissen: Für die Qualität des Bodens ist Blumenerde ohne Torf nicht schlechter als torfhaltige. Torffreie Erden enthalten in der Regel eine Mischung aus Rindenhumus, Holz-, Kokos- oder Hanffasern. "Weitere Zusätze wie Sand, Lavagranulat oder Tonminerale ergänzen die optimale Pflanzenversorgung", so der NABU: "Torffreie Erde verbessert dauerhaft die Humus- und Nährstoffversorgung des Bodens, fördert die Bodenstruktur und unterstützt die wichtigen Bodenlebewesen."

Auch wer im eigenen Garten kompostiert, kann damit einfach und kostengünstig dem Boden und den Pflanzen Gutes tun. Wer keinen eigenen Komposthaufen hat, kann Kompost aus professionellen Kompostieranlagen kaufen, um Torferde zu ersetzen.

Gärtnertipps für die torffreie Alternativen

Torf galt viele Jahre nicht ohne Grund als das ideale Substrat für Pflanzen aller Art: Er kann unglaublich viel Wasser speichern und hat eine ideale Struktur. Bei den Alternativ-Substraten gilt es deshalb ein paar Hinweise zu beachten:

Mit den torffreien Alternativen muss man je nach Zusammensetzung etwas anders umgehen. Da torffreie Substrate aus dem Handel anders kompostiert werden als solche mit Torf, haben sie mehr große Bestandteile, was zu mehr Hohlräumen in der Erde führt und durch die Wasser schneller verrinnt. Außerdem werden beim Gießen eher feine Teilchen nach unten gespült. Die Folge können Verdichtungen sein, die unverbrauchtes Wasser im Topf aufstauen lassen, wenn man zu viel gießt. 

Torffreie Erde: Mehr gießen und häufiger düngen

Daher rät die Gartenakademie Rheinland-Pfalz, vor dem Gießen einer Topfpflanze nicht nur an der Oberfläche zu fühlen, ob die Erde trocken ist. Man sollte den Finger tiefer in die Erde stecken oder alternativ einen Messfühler aus dem Gartenhandel einsetzen.

Besteht die Substrat-Alternativen aus Holzfasern, muss je nach Pflanze schon mal mehr gegossen werden, da die Substrate Wasser besser ableiten, erklärt torffrei.info. Dafür eignen sie sich auch besser für Pflanzen wie Lavendel, die empfindlich auf zu nasse Erde reagieren.

Erde ohne Torf sollte rasch und regelmäßig gedüngt werden. Am besten eignet sich hier Langzeitdünger, den Sie direkt beim Eintopfen einarbeiten.

"Torfarme" Erde ist keine gute Alternative

Achtung: Als "torfreduziert" oder "torfarm" ausgezeichnete Blumenerde ist keine gute Alternative. Auch dort müssen Sie damit rechnen, dass das Substrat noch aus großen Teilen – laut BUND bis zu 80 Prozent – Torf besteht. Oft steht nur auf der Verpackungsrückseite im Kleingedruckten, wie hoch der Torfgehalt ist. Und: Auch Bio-Erde kann einen hohen Torfanteil haben.

Torffreie Erde ist in der Regel teurer als herkömmliche Pflanzenerde mit Torf. Wir raten Ihnen, auf gute Markenqualität zu achten. Billige torffreie Blumenerde ist häufig schlecht durchlüftet, sie enthält Klumpen und keinen Stickstoff, der für die Pflanzen verfügbar ist.

Torffreie Erde kaufen: Welche Erde ist torffrei?

Das Portal torffrei.info der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe und des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft listet torffreie Produkte auf. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) führt entsprechende Produkte in einem Einkaufsführer zum Download.

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