1. oekotest.de
  2. News
  3. Greenpeace lobt Modefirmen für Verzicht auf giftige Chemie

Greenpeace lobt Modefirmen für Verzicht auf giftige Chemie

Drittel der deutschen Textilindustrie will ohne Schadstoffe produzieren

Kategorie: Freizeit und Technik | 13.07.2018

Greenpeace lobt Modefirmen für Verzicht auf giftige Chemie

In Deutschland hat sich offenbar fast ein Drittel der Textilindustrie verpflichtet, giftige Chemikalien aus der Produktion zu verbannen, heißt es im neue Bericht "Destination Zero" der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Demnach wollen Modeketten vor allem nicht mehr polyflorierte Chemikalien (PFC) einsetzen. Besonders positiv laut Greenpeace: Auch die so genannte Fast-Fashion unterstützt die 2011 gestarteten Detox-Kampagne der Umweltschützer. Unter den Firmen seien endlich auch große Bekleidungsketten wie H&M, Zara und Primark.

Greenpeace-Bericht: Outdoor-Branche verbannt polyflorierte Chemikalien

Durch die Detox-Verpflichtung machen die Firmen ihre Lieferketten transparent und verbannen mindestens die elf für Umwelt und Gesundheit gefährlichsten Chemikalien aus der Herstellung. PFC hätten inzwischen mehr als 70 Prozent der Hersteller aus ihren Produkten verbannt, schreibt Greenpeace. Die Chemikalien waren viele Jahre der Standard für wasserabweisende, atmungsaktive Textilien. Inzwischen ist belegt, dass PFCs die Fortpflanzungshormone verändern. Vor allem bekannte Outdoor-Marken wie Vaude seien kurz davor, zu 100 Prozent PFC-freie Produkte anzubieten. Spätestens 2020, so der Ausblick der Umweltschützer, sei dieses Ziel möglich.

70 Prozent der Modemarken ignorieren Greenpeace-Kampagne

Wo Licht ist, gibt es aber auch viel Schatten. So beteiligten sich knapp 70 Prozent der hierzulande aktiven Modemarken nicht an diesen Kampagnen. Greenpeace beschreibt zudem Verschleierungsversuche der Textilindustrie. In China etwa vermischten Kleiderfabriken ihre Abwässer mit denen anderer benachbarter Industriezweige. "Das verschleiert auf perfekte Weise inakzeptable Umweltverstöße, da es unmöglich wird, die Zuständigen zu bestimmen", heißt es im Greenpeace-Bericht. Es ließe sich so nicht mehr ermitteln, wer für die Verwendung gefährlicher Chemikalien zur Verantwortung gezogen werden kann.

Textilindustrie: Greenpeace fordert internationale Vereinbarungen

Dies zeige, dass nationale Selbstverpflichtungen der Industrie alleine nicht ausreichten. Es müssten politisch verhandelte internationale Vereinbarungen getroffen werden. Darüber sollten Arbeitsschutz und Gesundheitsverträglichkeit der verwendeten Materialien geregelt werden. Einige Erfolge habe Greenpeace auch auf politischer Ebene schon erreicht: China habe strengere Schadstoffkontrollen eingeführt. In der EU trete im Jahr 2020 ein Einfuhrverbot für Textilien in Kraft, die die hormonell wirkende Chemikalie Nonylphenolethoxylate enthalten. Aber auch hier sei nicht das Ende des Wegs erreicht.

"Wir dürfen nicht riskieren, dass die Erfolge der Detox-Unternehmen durch mangelnden politischen Willen wieder geschwächt werden", erklärt Greenpeace. Es seien Gesetze notwendig, die vor Ort in den Produktionsländern Chemikalien in der Fertigung reduzieren. Auch berichteten Unternehmen von teilweise technischen Problemen, die Produktion schadstofffrei und massentauglich zu bekommen. Die flächendeckende Einhaltung von arbeitsrechtlichen Mindeststandards wie Arbeitszeitregelungen und Mindestlohn ist nicht Teil der Detox-Kampagne.

Weitere Initiative mit C&A, Adidas, Puma und Nike

Neben der Detox-Kampagne von Greenpeace setzt sich auch die Zero Discharge of Hazardous Chemicals-Vereinigung (ZDHC) gegen den Einsatz von gefährlichen Chemikalien ein. Ihr gehören unter anderem Adidas, C&A, Puma, Nike, Benetton und Primark an - um nur sechs der insgesamt 24 beteiligten Unternehmen zu nennen. Die Initiative unterstützt die Industrie, umweltfreundliche Alternativen zu den bestehenden Materialien und Chemikalien zu finden.

Textilien in Tests immer wieder mit giftigen Chemikalien belastet

ÖKO-TEST findet immer wieder einige der elf von Greenpeace genannten und auch behördlich als besonders bedenklich eingestuften Chemikalien in Textilien. So steckten mitunter fortpflanzungsschädigende zinnorganische Verbindungen jüngst etwa in Flip-Flops und Arbeitshandschuhen sowie in Matschhosen für Kinder. Krebserregende aromatische Amine fand ÖKO-TEST in Kinderjeans und Wickelauflagen.


Weiterführende Links

https://www.oekotest.de/kosmetik-wellness/25-Flip-Flops-und-Co-im-Test_109685_1.html

https://www.oekotest.de/kinder-familie/13-Matschhosen-im-Test_110635_1.html

https://www.greenpeace.de/presse/presseerklaerungen/textilindustrie-haelt-versprechen-weniger-chemikalien-der-kleidung

https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/s02231-greenpeace-report-2018-detox-destination-zero.pdf