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Geleakte Dokumente: Schulkinder in China bauen Amazon-Lautsprecher in Nachtschichten

Autor: Brigitte Rohm | Kategorie: Freizeit und Technik | 09.08.2019

Geleakte Dokumente: Schulkinder in China bauen Amazon-Lautsprecher in Nachtschichten
(Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - Jan Antonin Kolar)

Dokumente haben enthüllt, dass Amazons Produktion von smarten Lautsprechern unter problematischen Bedingungen geschieht: Chinesische Jugendliche müssen als Praktikanten schuften – und Überstunden machen.

Amazon steht aktuell wegen Lücken im Datenschutz in der Kritik – weil das Unternehmen Alexa-Gespräche abhören lässt, um die Spracherkennung zu verbessern (wir berichteten). Nun zeigt sich, dass auch die Herstellung der smarten Lautsprecher mit Problemen verbunden ist.

Die Firma Foxconn (die auch Apples iPhones herstellt) produziert die Geräte in China. Wie der britische "Guardian" berichtete, beschäftigt die Zulieferer-Firma zu diesem Zweck Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren als Praktikanten. Die Schüler arbeiten teilweise nachts und leisten Überstunden.

Mehr als 1.000 Schüler im Einsatz

Die Informationen stammen aus geleakten Dokumenten und einem Report der chinesischen NGO "China Labor Watch", die sich der Verteidigung von Arbeitnehmerrechten widmet. Demnach sind mehr als 1.000 Schüler für Foxconn im Einsatz, um Amazon Echos und Echo Dots zu produzieren. Zwar dürften chinesische Fabriken Mitarbeiter ab 16 Jahren einstellen, allerdings sollten Schüler keine Nachtarbeit leisten oder Überstunden machen. Nach Einschätzung von China Labor Watch sind diese Überstunden illegal.

Den Dokumenten zufolge ist Foxconn jedoch auf Schüler angewiesen, die hart arbeiten und zudem in firmeneigenen Schlafräumen übernachten – um die Produktionsziele zu erreichen. Laut dem "Guardian" berichtet etwa eine 17-Jährige, sie habe sechs Tage die Woche für zehn Stunden am Tag gearbeitet. Und das bei großer Hitze, aufgrund der hellen Lampen – und für umgerechnet etwa 2,10 Euro pro Stunde (mit Überstundenzulage).

Lehrer setzen die Schüler massiv unter Druck

"Ich hatte keine Wahl, ich musste das aushalten", sagt die Schülerin. Denn als sie sich an ihren Lehrer gewandt habe, hätte dieser sie massiv unter Druck gesetzt und mit schlechten Noten sowie dem Jobverlust bei Foxconn gedroht.

Das Unternehmen bezahlt die Lehrer offenbar dafür, Schüler in der Zeit ihres Praktikums zur Seite zu stehen – und "unkooperative" Jugendliche zu Überstunden und Nachtarbeit zu motivieren. Die Teenager selbst werden mit der Möglichkeit gelockt, Arbeitserfahrung zu sammeln und so später einfacher einen Job zu finden – so verteidigte auch Foxconn sein grundsätzliches Vorgehen, Jugendliche zu beschäftigen.

Amazon und Foxconn zeigen Einsicht

Laut dem Guardian zeigte sich das Unternehmen aber einsichtig und erklärte, die Situation der Praktikanten künftig schärfer zu kontrollieren – und sicherzustellen, dass die Schüler keinesfalls nachts und zu viel arbeiten müssen. Zu lasche Kontrollen vonseiten des lokalen Managements hätten überhaupt erst zu den Verstößen geführt, die "nicht akzeptabel" seien.

Auch ein Sprecher von Amazon sagte dem britischen Medium: "Wenn wir Verstöße vorfinden, werden wir angemessene Maßnahmen ergreifen, einschließlich der Forderung nach sofortigen Verbesserungen." Derzeit sei man mit Nachdruck darum bemüht, die Vorfälle gemeinsam mit Foxconn aufzuklären. 

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