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Fahrrad pflegen und reinigen: So machen Sie Ihr Rad frühlingsfit

Autor: Kerstin Scheidecker | Kategorie: Freizeit und Technik | 19.03.2019

Fahrrad pflegen und reinigen: So machen Sie Ihr Rad frühlingsfit
(Foto: Nina Flauaus / ÖKO-TEST)

Der Winter ist vorbei. Zeit, das Fahrrad aus dem Keller zu holen und es fit zu machen für die erste Frühlingstour. Zwei Fahrradexperten erklären Ihnen, wo Sie selbst Hand anlegen können und was Sie besser richten lassen.

1. Fahrrad reinigen und Schaltwerk säubern

Wer putzt schon gerne. Die wenigsten. Aber wer sein Fahrrad liebt, der reibt es mit dem Lappen. "40 Prozent der Räder landen hier, weil bewegliche Teile durch Dreck schwer gehen", sagt Jens. 40 Prozent der Probleme entstehen also durch Dreck. Oh weia. Nein, es geht nicht darum, die Felgen zu polieren. Es geht um den Schmodder im Schaltwerk. "Dreck und Sand wirken wie Schmirgelpapier", sagt Marco. "Ein gut gepflegtes System lebt länger. Es geht um Optik, Langlebigkeit und Funktion." Ist ja schon gut. Bevor wir ans Reparieren denken, putzen wir. Erlaubt ist, was gefällt. Sogar warmes Wasser mit etwas Spüli. "Aber wenig Wasser, bitte, nicht einfach was drüber kippen", sagt Jens. Und: "Ich habe ja schließlich zwei Hände und einen Kopf." Zwei Hände, um den Lappen zu halten und mit sanftem Druck den Dreck zu entfernen. Den Kopf mit Augen, um beim Reinigen schon mal zu sichten, was mit dem Fahrrad los ist. Sind die Bremsbeläge runter? Ist die Kette rostig?

2. Reifendruck am Rad überprüfen

Echt platt? Steht ein Fahrrad längere Zeit, verliert es Luft. Platt heißt nicht unbedingt Loch. Also erst mal Luft auf die Reifen. "Wer plant, sein plattes Rad zur Reparatur zu bringen, pumpt es zu Hause auf und wartet ab", sagt Jens. Oft hält die Sache. Wenn nicht: runter mit Mantel und Schlauch flicken oder tauschen. Ja, man kann einen Platten auch in der Werkstatt beheben lassen. Aber: "Ey, ein gesunder junger Mann muss doch mit einem Platten klarkommen", sagt Marco. Eine Frau übrigens auch. Deshalb hat Marco früher Reparaturkurse exklusiv für Frauen angeboten. Ohne blöde Kommentare. Für Männer und Frauen gilt: Mit einer großen Standpumpe pumpt es sich leichter. Die hat auch eine Druckanzeige. Der passende Luftdruck steht auf dem Reifen. Hinweis für heiße Tage: Warme Luft dehnt sich aus. Nicht an die Obergrenze der bar gehen, sonst könnte es knallen.

3. Bremsbeläge prüfen und Bremsen einstellen

Sind die Bremsbeläge runter, müssen neue her. Wer Übung hat, tauscht selber. Es gibt sehr einfache Systeme, in die sich die neuen Beläge leicht einschieben lassen. Über die Stellschrauben können auch Anfänger die Bremsen per Hand fein justieren. "Wenn es um Sicherheit geht, solltest du sicher sein", sagt Marco. Im Zweifelsfall mit den Bremsen lieber zum Profi. Marcos Faustregel für Reparaturen: "Bei allem, was du mit der Hand machen kannst, kannst du nichts kaputt machen." Kommen Schraubenzieher ins Spiel, sieht die Sache anders aus. Und Bremsen, die nicht bremsen, sind gefährlich.

4. Fahrradkette reinigen

Lohnt sich das noch? Der Profi beantwortet die Frage mit Hilfe einer Kettenlehre. Das kleine Metallteil gibt es für jedermann für ein paar Euro zu kaufen. Ist die Kette verschlissen, im Fachjargon: "gelängt", sinkt die Kettenlehre ein. Zeit für einen Wechsel. Weil die verschlissene Kette sonst Kettenräder, Ritzel und Zahnkränze kaputt macht. Die neue Kette gibt‘s im Fahrradladen. Ist die alte noch in Ordnung, dann lohnt sich das Putzen. Dazu Kettenreiniger auf einen Lappen geben, Kette durch den Lappen laufen lassen. "Sehr gut funktioniert eine alte Socke", sagt Jens. Danach darf es etwas Öl sein. Öl immer in die Mitte der Kettenglieder tropfen, die Pedale dabei drehen, damit die Kette sich bewegt. Ist zu viel Öl auf der Kette, mit Lappen abnehmen. Rostige Ketten mehrmals ölen.

5. Schaltung justieren

"Wenn alles sauber und unbeschädigt ist, dann stellt man einmal die Anschläge der Schaltung richtig ein und dann lässt sich die Schaltung leicht justieren, indem man an der Einstellschraube dreht", erklärt Jens Strubel. Wenn es trotzdem klackert und die Kette nicht nicht frei läuft, dann können ganz andere Schäden und Faktoren eine Rolle spielen. Ein verbogenes Schaltauge etwa. Hier lässt man besser den Profi ran.

Wer gerne selbst repariert und zu Hause Platz hat, für den lohnt sich die Anschaffung eines Montageständers. Das Fahrrad hängt darin auf Arbeitshöhe, die Komponenten sind gut zugänglich und die Kette kann frei laufen. Montageständer gibt es in jeder Preisklasse, für mehrere hundert Euro, aber auch schon für kleines Geld um die 50 Euro.

Unsere Experten sind Jens Strubel und Marco Müller vom Frankfurter Fahrradladen "Flamme Rouge".

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