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Das 9-Euro-Ticket kommt: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Autor: Redaktion mit Material von dpa (Andreas Hoenig) | Kategorie: Freizeit und Technik | 20.05.2022

9-Euro-Ticket: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Foto: Shutterstock / Tero Vesalainen

Das 9-Euro-Ticket kommt, Bundestag und Bundesrat haben zugestimmt! Das Ticket soll ab Juni mehr Menschen in Bus und Bahn locken. Bis August kann der öffentliche Nahverkehr dann drei Monate lang in ganz Deutschland für neun Euro im Monat genutzt werden. Das ist geplant.

Bis zuletzt gab es Streit um die Finanzierung, nun hat am heutigen Freitag auch der Bundesrat zugestimmt und den Weg frei gemacht für das 9-Euro-Ticket. Der Bundestag hatte bereits am Donnerstag zugestimmt.

Von Juni bis Ende August sollen Fahrgäste demnach im Nah- und Regionalverkehr für neun Euro pro Monat fahren können. Dadurch sollen Verbraucher entlastet und Anreize zum Energiesparen gegeben werden. So soll das 9-Euro-Monatsticket funktionieren:

Wo gilt das 9-Euro-Ticket? 

Das günstige Ticket soll bundesweit gelten.

Das bedeutet: Wer ein solches in Berlin kauft, kann damit auch Busse und Bahnen in Hamburg, München oder in anderen Städten nutzen. Wer bereits ein Abo hat, für den sollen Vorteile weiterhin gelten, in Berlin ist das etwa an Wochenenden die kostenlose Mitnahme von Kindern. Dies soll aber nur für das vertragliche Tarifgebiet gelten. Für Neukunden gilt das Ticket für die Person, die es erworben hat.

Wann gilt das 9-Euro-Ticket?

Das 9-Euro-Ticket wird im Juni, Juli und August angeboten. Es gilt bis zum Ende des Monats, in dem es gekauft wurde. Die Monatskarte verlängert sich nicht automatisch. Das Ticket gilt auch für den Regionalverkehr, nicht aber für den Fernverkehr der Deutschen Bahn – also nicht für ICE, IC oder EC.

Wo ist das 9-Euro-Ticket erhältlich?

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte empfohlen, den Rabatt über ein Online-Ticket anzubieten. Dies biete auch die Chance für einen Schub bei der Digitalisierung. Das aber würde Menschen ohne Online-Zugang ausschließen. Deswegen soll das 9-Euro-Monatsticket auch über Fahrkartenautomaten und Kundencenter erhältlich sein. Geplant ist laut VDV auch eine bundesweite App. Der Verband plant eine bundesweite Informationskampagne auch mit einer digitalen Plattform.

Verkaufsstart für das 9-Euro-Ticket ist laut der Deutschen Bahn der 23. Mai. Doch nicht alle Länder und Städte warten auf dieses Datum, in Stuttgart, Freiburg oder Wuppertal gab es einen Frühstart und einige Tausend Tickets wurden bereits verkauft.

Was ist, wenn ich bereits ein Abo habe?

Für Abonnentinnen und Abonnenten etwa von Monatstickets soll es laut VDV einen "Treuebonus" geben. Abokunden sollen sich um nichts kümmern müssen. Das 9-Euro-Monatsticket soll verrechnet werden – über eine Verringerung des Bankeinzugs oder eine Erstattung. Andernfalls war die Befürchtung, dass viele Kunden ihre Abos kündigen könnten. Auch für Semestertickets soll es eine Lösung geben.

Vom 1. Juni an sollen Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr für 9 Euro pro Monat Busse und Bahnen nutzen können.
Vom 1. Juni an sollen Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr für 9 Euro pro Monat Busse und Bahnen nutzen können. (Foto: Shutterstock / Syda Productions)

Wie funktioniert das 9-Euro-Ticket für Neukunden?

Für Neukunden soll das Ticket ein "Schnupperticket" sein. Es soll laut VDV "im Laufe des Mais" verfügbar sein. Neukunden sollen, sofern sie dem zustimmen, von den Verkehrsunternehmen Anschlussangebote bekommen. Die Branche will die Chance nutzen, durch das Ticket dauerhaft neue Kunden zu gewinnen – nach starkem Rückgang der Fahrgastzahl in der Corona-Pandemie.

Wird es künftig übervolle Züge geben?

Das Ticket soll am 1. Juni starten, das ist ein Mittwoch – am Wochenende darauf ist Pfingsten. Das macht es möglich, für ein langes Wochenende mit dem Regionalexpress für neun Euro zum Beispiel von Berlin aus an die Ostsee zu fahren, das ist dann deutlich günstiger. Oder man fährt statt mit einem ICE oder IC mit einer oder mehreren Regionalbahnen von A nach B.

Der Fahrgastverband Pro Bahn warnte bereits vor übervollen Zügen auf touristisch beliebten Strecken. Pro-Bahn-Sprecher Karl-Peter Naumann sagte der "Rheinischen Post", dafür müssten mehr Züge bestellt werden. VDV-Hauptgeschäftsführer Wolff sagte, falls es zu übervollen Zügen komme, sei es schwierig, zusätzliche Züge anzubieten. "Mit diesem Umstand werden Bund und Branche gemeinsam umgehen müssen." Es gebe schlicht nicht mehr Kapazitäten.

Ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte, alle DB-Regio-Fahrgäste würden vom 9-Euro-Ticket profitieren. "Im Regionalverkehr modernisieren, digitalisieren und erweitern wir die Kapazitäten kontinuierlich weiter." Die Nutzung im Nahverkehr nehme wieder deutlich zu. In den vergangenen zwei Jahren habe die DB rund 1,5 Milliarden Euro allein in die Erneuerung der Fahrzeugflotte im Regionalverkehr investiert. "Diese kontinuierliche Modernisierung ist ein stetiger Attraktivitätsschub für Bahn und ÖPNV – auch für den Zeitraum des 9-Euro-Tickets."

Der VDV rechnet nach einer ersten vorsichtigen Schätzung damit, dass insgesamt 30 Millionen alte und neue Fahrgäste das Ticket nutzen, Ziel der Ampel-Koalition ist es, dass möglichst viele Autofahrer umsteigen, allerdings gilt das Ticket nun mitten in der Ferienzeit.

Wie finanziert sich das 9-Euro-Ticket?

Der Bund hatte zugesagt, die Kosten für das 9-Euro-Monatsticket von insgesamt 2,5 Milliarden Euro zu übernehmen. Das Geld müsse vor dem Start über die Länder bei den Unternehmen und Verbünden sein, so der VDV. Notwendig ist eine Änderung des Regionalisierungsgesetzes, auf dessen Basis Regionalisierungsmittel vom Bund an die Länder gezahlt werden zur Finanzierung des Schienenpersonennahverkehrs.

Insgesamt will der Bund in diesem Jahr Mittel für die Länder zur Finanzierung des Nahverkehrs um 3,7 Milliarden Euro erhöhen. Doch bei den Bundesländern hatte sich hinsichtlich der Finanzierung des 9-Euro-Tickets bis zuletzt Widerstand geregt, vor allem in Bayern. Die Länder forderten vom Bund weitere Milliardenhilfen für die Verkehrsunternehmen, um etwa Kostensteigerungen bei Energiepreisen ausgleichen zu können – und damit nicht nach dem Auslaufen des 9-Euro-Monatstickets die Tarife nach oben schießen, im Vergleich zum jetzigen Stand. In Länderkreisen war von schwierigen Verhandlungen die Rede.

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