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Corona: So viele Viren atmen wir in Innenräumen ein

Autor: Lino Wirag | Kategorie: Freizeit und Technik | 24.07.2020

Forscher simulieren, wie sich Aerosole ausbreiten
Foto: TU Berlin/Hermann-Rietschel-Institut; Montage: ÖKO-TEST

Forscher der TU Berlin haben simuliert, wie schnell sich Aerosole in geschlossenen Räumen ausbreiten könnten. Die schwebenden Winztröpfchen sind eine Risikoquelle für die Ansteckung mit dem Coronavirus. Wer sich besser schützen will, greift zu einem altem Trick.

Viele Züge sind wieder voll, der Schulbetrieb soll sich nach den Sommerferien normalisieren, auch in vielen Restaurants sitzt man wieder nahe an fremden Menschen. Oft wird der empfohlene Mindestabstand dabei nicht eingehalten – bei der Deutschen Bahn sogar unterschritten, wenn beispielsweise Fremde im ICE stundenlang Schulter an Schulter sitzen.

Dabei steigt die Gefahr, mit kleineren oder größeren Tröpfchen in Kontakt zu kommen. Nach aktuellem Kenntnisstand sind Speichelpartikel einer der wichtigsten Übertragungswege des Coronavirus – deshalb gilt die Maskenpflicht. Die Partikel werden beim Atmen, Sprechen, Singen, Husten oder Niesen abgegeben. Größere Tropfen sinken früher oder später ab, feinere Aerosole bewegen sich in geschlossenen Räumen mit der Raumluftströmung und können so weite Strecken zurücklegen.

Coronavirus: Rolle der Aerosole nicht abschließend geklärt

Wie dominant die Rolle ist, die die luftigen Aerosole bei der Ausbreitung des Coronavirus spielen, ist noch nicht abschließend geklärt. Fest steht aber, dass virusarme Luft hilft, das Ansteckungsrisiko in Innenräumen zu verkleinern.

Klar ist auch: Je mehr Menschen sich umso länger im gleichen Raum aufhalten, desto höher wird die Aerosol-Konzentration in der Luft. Und desto höher die Ansteckungsgefahr. Martin Kriegel und Anne Hartmann von der Technischen Universität Berlin haben vor Kurzem eine Studie veröffentlicht, in der sie simulieren, wie schnell sich virentragende Aerosole im Raum verteilen könnten. Vergleichbare Rechnungen werden beispielsweise angestellt, um die Schadstoffkonzentrationen in Räumen zu schätzen.

Aerosol-Effekt: Tröpfchen aus Speichelpartikeln umschließen Coronaviren und übertragen sie über die Luft auf andere Menschen.
Aerosol-Effekt: Tröpfchen aus Speichelpartikeln umschließen Coronaviren und übertragen sie über die Luft auf andere Menschen. (Foto: Angelo Talia / Shutterstock)

Die Forscher berechneten, wie lange man sich mit einer infizierten Person im gleichen Raum aufhalten kann, bis man eine bestimmte Zahl von Viren eingeatmet hat. Dabei spielen beispielsweise die Raumgröße, die Belüftungssituation oder die Frage eine Rolle, ob die Personen im Raum körperlich tätig sind und entsprechend schwer atmen.

Studie: 3.000 Coronaviren in drei Stunden

Kriegel und Hartmann kommen so beispielsweise zu dem Ergebnis, dass man sich maximal drei Stunden mit einer infizierten Person in einem Zehn-Personen-Büro – 300 Kubikmeter, typische Luftwechselrate, normale Sprechsituation – aufhalten kann, bevor man selbst 3.000 Viren einatmet.

Diese Modellrechnung klingt beunruhigend, hat aber mit der Realität wenig zu tun – im Guten wie im Schlechten: Schließlich weiß niemand, wie viele Viren eine bestimmte Person tatsächlich aufnehmen müsste, um zu erkranken. Fragen zu Übertragungsweg, Übertragungsdauer und notwendiger Konzentration sind nach wie vor unbeantwortet. 3.000 Viren in drei Stunden klingt nach einer hohen Zahl; ob eine konkrete Gefährdung vorliegt, ist damit aber nicht gesagt.

Wichtig ist vor allem die Erkenntnis, dass die Aerosolzahl in einem Innenraum mit der Zeit immer weiter zunimmt. So kann man davon ausgehen, dass man in Räumen auch dann Viren aufnimmt, wenn man den Mindestabstand zu einer erkrankten Person einhält.

Erkenntnisse zum Schutz vor dem Coronavirus

Sonst bleibt nur zu konstatieren, was wir schon wissen. Wer sich schützen will, sollte: Maske tragen, möglichst viel Zeit im Freien verbringen, den Kontakt zu Menschen aus anderen Haushalten meiden. Und was Innenräume betrifft, lautet das Zauberwort: häufig und richtig lüften.

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