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Bald einheitliche Handyladekabel in der EU?

Autor: dpa / Redaktion (lp) | Kategorie: Freizeit und Technik | 23.09.2021

Einheitliche Ladekabel könnten dem Kabelsalat in vielen Haushalten ein Ende bereiten.
Foto: Shutterstock / MIKHAIL GRACHIKOV

Viele Verbraucher warten seit Jahren auf einheitliche Ladegeräte für Handy, Tablet und Co. Nun geht es einen Schritt weiter: Die EU-Kommission legt einen Vorschlag vor, der dem Ladekabelsalat ein Ende bereiten könnte.

Ein Ladekabel für das Handy, eins für das Tablet und eins für die Kopfhörer – der Kabelsalat in deutschen Haushalten ist kaum zu überblicken. Das liegt auch daran, dass ein Kabel häufig nicht für mehrere Geräte genutzt werden kann. Vor allem der iPhone-Konzern Apple mit seinem Lightning-Anschluss macht eine einheitliche Lösung bislang schwierig.

Damit soll bald Schluss sein – zumindest, wenn es nach der EU-Kommission geht. Die Brüsseler Behörde will an diesem Donnerstag einen Gesetzesvorschlag für einheitliche Ladebuchsen an Elektrogeräten vorlegen. 

Warum gibt es keine einheitliche Lösung für Ladegeräte?

Die verschiedenen Ladekabel und -buchsen sind für Verbraucherinnen und Verbraucher seit langem ein Ärgernis – auch, wenn sich die Lage bereits verbessert hat. Vor mehr als zehn Jahren einigten sich 14 Handy-Hersteller – unter ihnen Apple – auf Druck der EU-Kommission in einer Selbstverpflichtung auf einen einheitlichen Standard für Netzteile.

Bei den Buchsen in Smartphones und Tablet-Computern blieben von einst mehreren Dutzend Typen noch drei übrig: das inzwischen veraltete Micro-USB, das neuere USB-C und die dünneren Lightning-Anschlüsse von Apple. Der Konzern weigert sich, auf seinen Standard komplett zu verzichten. Andere Anbieter wie Samsung, Xiaomi oder Motorola verwendet meist USB-C-Buchsen an ihren Geräten.

Wenn es nach der EU-Kommission geht, soll USB-C der allgemeine Standard für die Buchsen in den Geräten werden, wie es im Vorfeld aus der Behörde hieß. 

Für welche Geräte soll das Ganze gelten?

Die Vorgaben sollen für sechs Geräte-Kategorien gelten, wie es hieß. Darunter sind neben Handys auch Tablets, Kopfhörer, Lautsprecher, tragbare Konsolen und Kameras.

Noch müssen iPhone und Android-Handys mit verschiedenen Ladekabeln aufgeladen werden. Die EU will das ändern.
Noch müssen iPhone und Android-Handys mit verschiedenen Ladekabeln aufgeladen werden. Die EU will das ändern. (Foto: Shutterstock / 2p2play)

Warum braucht es eine einheitliche Regelung für Ladegeräte?

Zum einen machen einheitliche Ladebuchsen es deutlich einfacher für Verbraucher, weil sie weniger unterschiedliche Kabel benötigen. Zum anderen sollen dadurch aber auch Unmengen an Elektroschrott vermieden werden. Die kommunale Abfallwirtschaft begrüßte den Vorstoß: "Kabelsalat ist weder verbraucherfreundlich, noch der Umwelt zuträglich", sagte ein Sprecher des Verbands kommunaler Unternehmen der Deutschen Presse-Agentur. "Einheitliche Ladekabel helfen dabei, unnötigen Abfall zu vermeiden."

Warum ist Apple gegen die Vereinheitlichung?

Apple will seinen Lightning-Anschluss behalten, der derzeit in allen iPhones verbaut wird, aber auch in manchen Tablet-Modellen wie dem aktuellen iPad 9. Anfangs ging es wohl darum, dass mit Lightning extrem flache Geräte staub- und wasserdicht gebaut werden konnten.

Inzwischen gibt es mit USB-C aber eine Alternative, die teilweise auch von Apple verwendet wird. So verfügen die teureren iPad-Modelle über eine USB-C-Buchse. Bei den Netzteilen – die von den Ladekabeln getrennt werden können – setze man auf USB-C, argumentiert Apple. Mit einer Zwangsabschaffung der Lightning-Buchse werde eine riesige Menge Elektroschrott entstehen.

Apple hat zudem wirtschaftliche Gründe: Der Konzern erzielt Einnahmen mit seinem Programm «Made for iPhone/iPad» (MFI). Dritthersteller von Lightning-Kabel müssen ihre Produkte im MFI-Programm zertifizieren lassen.

Wie geht es jetzt weiter?

Zunächst werden EU-Staaten und Europaparlament über den Vorschlag beraten, den die EU-Kommission vorlegt. Anschließend müssen beide Seiten eine gemeinsame Linie finden. Nach einer Einigung zwischen EU-Parlament und EU-Staaten hätten die nationalen Regierungen noch ein Jahr Zeit, die neuen Regeln in nationales Recht umzusetzen. Der Kommissionsvorschlag dürfte zudem eine zweijährige Übergangsfrist für die Unternehmen vorsehen, wie es aus der Behörde hieß.

Frühestens 2024 wäre die einheitliche Ladebuchse verpflichtend für die Unternehmen – und der Kabelsalat in den Haushalten würde zurückgehen. Bis dahin spielen Ladekabel vielleicht nur noch eine untergeordnete Rolle, weil die Geräte in Zukunft immer häufiger kabellos aufgeladen werden.

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