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Bahnstreik: So kommen Reisende ans Ziel und machen ihre Ansprüche geltend

Autor: dpa / Redaktion (bw, lp) | Kategorie: Freizeit und Technik | 23.08.2021

Zugverspätungen durch Bahnstreiks sind ärgerlich, Sie können Ihre Ticketkosten aber erstattet bekommen.
Foto: Shutterstock / Akhenaton Images

Der Streik der Lokführer-Gewerkschaft GDL geht in die zweite Runde. Wir erklären, wie Bahnfahrer trotzdem ans Ziel kommen und welche Entschädigungsansprüche sie für verfallene Tickets geltend machen können. Wichtig: Wer den Ticketpreis erstattet bekommen möchte, sollte nicht zögern.

Betroffene Reisende sollten möglichst rasch eventuelle Ansprüche geltend machen.

Bereits vor zwei Wochen streikten die Lokführer bei der Deutschen Bahn (DB). Nun geht der Streik in die nächste Runde: Seit der Nacht auf Montag kommt es zu erheblichen Einschränkungen im Fern- und Nahverkehr. Beatrix Kaschel von der Schlichtungsstelle Nahverkehr in Düsseldorf und Heinz Klewe, Geschäftsführer der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) in Berlin, erklären, welche Rechte Fahrgäste bei streikbedingten Beeinträchtigungen haben – und wie sie sich das Geld für die Fahrkarte zurückholen können.

Wie kommen Reisende mit gültigem Fahrschein trotz Bahnstreik ans Ziel?

Beatrix Kaschel: Wenn der gebuchte Zug ausfällt oder Verspätung hat, gibt es verschiedene Möglichkeiten, trotzdem ans Ziel zu gelangen:

  • Mit dem Taxi weiterfahren:"Im Nahverkehr hat die Deutsche Bahn in der Vergangenheit bereits Taxifahrten von größeren Bahnhöfen aus organisiert und entsprechende Gutscheine ausgeteilt. Falls Reisende auf eigene Faust nach einem Taxi suchen, gibt es allerdings Einschränkungen - nicht jede Taxirechnung muss das Unternehmen nachträglich übernehmen. Nur wenn die geplante Ankunft am Ziel zwischen 00.00 Uhr und 05.00 Uhr nachts liegt und Reisende mindestens 60 Minuten später per Zug ankommen würden, muss das Bahnunternehmen die Kosten für eine Taxifahrt bis maximal 80 Euro erstatten. Das gleiche gilt, wenn der letzte planmäßige Zug des Tages ausfällt und Reisende ihr Ziel bis Mitternacht nicht anders erreichen."
  • Mit dem Fernverkehr weiterfahren: "Wenn sich abzeichnet, dass Fahrgäste ihr Ziel mit Nahverkehrszügen erst mit mehr als 20 Minuten Verspätung erreichen, können sie ohne Aufpreis mit einem Zug des Fernverkehrs fahren. Dieser darf aber nicht reservierungspflichtig sein. Auch Sonderfahrten sind von dieser Regelung ausgeschlossen. Bevor Fahrgäste in den Fernverkehrszug einsteigen, müssen sie ein gültiges Ticket lösen. Den entstehenden Mehraufwand können sie sich später von dem Bahnunternehmen zurückerstatten lassen. Dieses Recht besteht allerdings nur dann, wenn die ursprüngliche Route nicht mehr als 50 Kilometer lang ist oder nicht länger als eine Stunde dauert. Auch bei einer erheblich ermäßigten Fahrkarte, also beispielsweise einem Länder-Ticket oder Semesterticket gilt diese Regelung nicht."
  • Mit dem eigenen Auto weiterfahren: "Kosten für Fahrten mit dem privaten Pkw werden nicht erstattet."

Welche Rechte haben Fahrgäste im Streikfall bei Zugverspätungen oder Ausfällen?

Beatrix Kaschel: Die Fahrgastrechte der EU-Fahrgastverordnung gelten auch im Streikfall. Es gelten die gleichen Bedingungen wie bei Verspätungen und Zugausfällen aufgrund anderer Ursachen. Wer wegen eines Bahnstreiks nicht pünktlich ans Ziel kommt, kann je nach Verspätung einen Teil des Fahrpreises oder sogar den kompletten Fahrpreis zurückbekommen.

Bundessweit den Personenverkehr bestreikt hatte die Lokführergewerkschaft GDL vom 11. bis 13. August, Streikbeginn und Streikende lagen dabei jeweils um 2.00 Uhr am frühen Morgen.

Ihre Ticketkosten zurückfordern können laut Bahn zum Beispiel Kunden, die eine gebuchte Fahrt in diesem Streikzeitraum nicht angetreten haben. Wenn Reisende eine Fahrt angetreten haben, bei der es aber zu Verspätungen und Zugausfällen gekommen ist, haben sie Anspruch auf Entschädigung.

Wie hoch die Entschädigung ausfällt, hängt von der Länge der Verspätung ab: Kommen Fahrgäste mindestens 60 Minuten später als geplant an, haben sie Anspruch auf 25 Prozent Erstattung, bei mehr als 120 Minuten sind es 50 Prozent. Ab einer absehbaren Verspätung von über einer Stunde können Fahrgäste auch auf die Fahrt verzichten und den kompletten Ticketpreis zurückverlangen.

Bei einer Verspätung von mehr als 60 Minuten muss die Bahngesellschaft außerdem kostenlos Erfrischungen und Mahlzeiten in angemessenem Verhältnis zur Wartezeit anbieten. Gibt es von dem Unternehmen nichts, sollten Reisende auch hier die Rechnungen für ihre Verpflegung aufbewahren.

Reklamation lohnt sich auch für Zeitkarten-Inhaber

Auch für Inhaber von Zeitkarten kann sich eine Reklamation lohnen. Hierfür bietet die Bahn pauschale Entschädigungen bei Verspätungen von mehr als einer Stunde an. Erstattungen geben kann es unter Umständen auch für reservierte Sitzplätze, die nicht eingenommen werden konnten, für Ausgaben für Verpflegung sowie für Übernachtungskosten oder die Weiterfahrt mit anderen Verkehrsmitteln. Entsprechende Belege sollten Betroffene unbedingt aufheben.

Wie bekommen Fahrgäste bei streikbedingten Störungen im Bahnverkehr ihr Geld zurück?

Beatrix Kaschel: Die Ansprüche müssen mit dem Fahrgastrechte-Formular geltend gemacht werden. Das Formular gibt’s im Zug, an der DB-Information, im DB-Reisezentrum oder als Online-Formular.

Dabei sollten Betroffene beachten, dass Beträge von weniger als vier Euro nicht ausgezahlt werden. Im Entschädigungsfall können Kunden laut Bahn zwischen einem Gutschein und der Auszahlung wählen.

Sollte es Probleme bei der Reklamation geben, können sich Verbraucher zum Beispiel an die SÖP wenden und online einen Schlichtungsantrag stellen. "Unsere Juristinnen und Juristen, alles Spezialisten in Sachen Fahrgastrechte, prüfen den Fall und sorgen dafür, dass Fahrgäste schnellstmöglich zu ihrem Recht kommen", sagt Heinz Klewe, Geschäftsführer der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) in Berlin. Für Verbraucher ist dieser Service kostenfrei.

Wann ist der erstattete Betrag auf dem Konto der Bahnkunden?

"Auch wenn nach den gesetzlichen Bestimmungen Fahrgäste ein Jahr Zeit haben, ihr Ticket zurückzugeben, empfiehlt sich sofortiges Handeln", sagt Heinz Klewe.

Laut dem Experten muss die Beantwortung der Beschwerde dann innerhalb eines Monats erfolgen. Angesichts der vielen Betroffenen werde es aber "ganz sicher länger dauern", bis das Geld zurück beim Kunden ist.

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