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Zuckerarten: Von Agavensirup bis Rohrrohrzucker – Ein Überblick

Autor: Ann-Cathrin Witte | Kategorie: Essen und Trinken | 24.03.2021

Zucker gibt es in vielen Formen. Doch welche Variante ist am gesündesten?
Foto: Anna Mente/Shutterstock

Zucker ist nicht gleich Zucker. Denn das Süßungsmittel kommt in verschiedenen Farben und Formen vor. Aber was ist der Unterschied zwischen Rohrzucker und Kokosblütenzucker? Und sind manche Zuckerarten gesünder als andere? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Bei stolzen 34,6 Kilogramm pro Kopf lag der Zuckerkonsum der Deutschen im Jahr 2017/18. Das geht aus einer Erhebung von Statista hervor. Täglich konsumiert jeder Bundesbürger damit etwa 95 Gramm Zucker und liegt damit deutlich über der empfohlenen Tagesdosis. Diese liegt laut der Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) bei knapp 50 Gramm pro Tag. 

Die tägliche Überdosis Zucker birgt Risiken. "Eine hohe und häufige Zuckerzufuhr fördert die Entstehung von Übergewicht und Adipositas sowie zahlreiche mit Übergewicht assoziierte Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 und kardiovaskuläre Erkrankungen und die Entstehung von Karies", warnt unter anderem die DGE.

Um Kalorien zu sparen oder sich gesünder zu ernähren, setzen viele Menschen auf vermeintlich gesündere Alternativen zum weißen Haushaltszucker. Doch ob Agavensirup oder Kokosblützenzucker wirklich gesünder sind, ist umstritten. Wir stellen die bekanntesten Zuckerarten vor.

Weiß oder braun: Welche Zuckerart ist besser? 

1. Weißer Zucker

Die wohl bekannteste Zuckerart ist der weiße Zucker, auch Haushalts- oder Kristallzucker genannt. Er besteht aus den Einfachzuckern Traubenzucker (Glucose) und Fruchtzucker (Fructose) und wird in der Regel aus Zuckerrüben oder Zuckerrohr gewonnen.

Die weiße Farbe erhält der Zucker durch einen aufwendigen Produktionsprozess, bei dem die aus dem Zuckerrohr oder den Zuckerrüben gewonnene Masse aufgelöst, filtriert, auskristallisiert und schließlich zentrifugziert - auch raffiniert genannt - wird. Am Ende dieser Prozesse steht der weiße Kristallzucker, so wie wir ihn kennen.

Weißen Zucker gibt es in einer Vielzahl von Formen, beispielsweise als Würfel-, Puder-, Hagel- oder eben Kristallzucker. Er steckt in vielen verschiedenen Lebensmitteln, von Fruchtjoghurt über Backwaren bis zu süßen Getränken. Für unsere Ernährung bietet er allerdings keinerlei Vorteile. Mit 400 Kilokalorien pro 100 Gramm ist der weiße Zucker sogar eine ziemliche Kalorienbombe. 

2. Brauner Zucker

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass brauner Zucker gesünder ist als weißer Zucker. Dem ist aber nicht so.  Vielmehr handelt es sich bei braunem Zucker um nicht raffinierten weißen Zucker. Im Gegensatz zu weißem Zucker enthält brauner Zucker noch Reste des dunklen Zuckersirups (Melasse). In diesem stecken kleine Mengen an Mineralstoffen und Vitaminen, die auf die Nährstoffversorgung aber keinen Einfluss haben.

Unter dem Überbegriff brauner Zucker werden insgesamt drei Arten gruppiert: Vollzucker, Vollrohrzucker und Braunzucker. Vollzucker ist nicht raffinierter Zucker aus Zuckerrüben. Vollrohrzucker wird aus Zuckerrohr hergestellt und bei Braunzucker handelt es sich um karamellisierten Zucker, der mit Sirup braun gefärbt wird.

    Kokosblütenzucker wird nicht aus der Frucht, sondern aus der Blüte der Kokospalme gewonnen.
    Kokosblütenzucker wird nicht aus der Frucht, sondern aus der Blüte der Kokospalme gewonnen. (Foto: Dana David/Shutterstock)

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    3. Kokosblütenzucker

    Kokosblütenzucker wird aus dem Nektar der Kokospalme gewonnen. Dieser Nektar wird eingekocht bis eine bröselige Masse entsteht, aus der nach dem Trocknen der fertige Kokosblütenzucker gewonnen wird. Er hat eine braune Farbe, geschmacklich erinnert er an Karamell. Hergestellt wird Kokosblütenzucker in Südostasien, vor allem in Thailand und Indonesien.

    Auch um Kokosblütenzucker ranken sich viele Gerüchte. So soll er den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen lassen und deswegen theoretisch nicht zu Heißhungerattacken führen. Bislang gibt es jedoch kaum Studien, die das ausreichend erforscht haben. Widerlegt ist darüber hinaus die Behauptung, dass Kokosblütenzucker weniger Kalorien hat als weißer Zucker. Zum Vergleich: 100 Gramm Kokosblütenzucker enthalten etwa 380 Kilokalorien, weißer Zucker enthält etwa 400 Kilokalorien auf die gleiche Menge.

    Richtig ist dagegen, dass Kokosblütenzucker, ähnlich wie brauner Zucker, mehr Nährstoffe enthält als weißer Zucker, weil er weniger stark behandelt ist. Aber auch hier gilt: Für eine gesunde Ernährung sind die im Kokosblütenzucker enthaltenen Vitamine und Mineralstoffe vernachlässigbar, da die enthaltenen Mengen zu gering sind.

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    Die älteste Zuckerart: Honig

    4. Honig

    Honig süßt Heißgetränke wie Milch und Tee und schmeckt ebenso gut als Aufstrich auf Butterbrötchen. Bekannt war das Imkerei-Handwerk übrigens schon im alten Ägypten. Die, je nach Sorte, hellgold- bis bernsteinfarbige Flüssigkeit besteht aus verschiedenen Zuckern, unter anderem Glucose, Fructose, Saccharose und Maltose. Zusätzlich enthält Honig wertvolle Mineralstoffe, Proteine, Enzyme, Aminosäuren und Vitamine sowie natürliche Farb- und Aromastoffe. 

    Wirklich gesund ist Honig aber nicht. Zwar werden dem Produkt antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben, die beispielsweise bei Halsschmerzen helfen sollen. Der Zuckergehalt ist aber ähnlich hoch wie beim klassischen weißen Haushaltszucker. Für Säuglinge ist Honig zudem noch nicht geignet, Veganer verzichten freiwillig auf diese Zuckerart.

      Honig und Ahornsirup gelten als gesündere Zuckerarten. Doch das ist ein Trugschluss.
      Honig und Ahornsirup gelten als gesündere Zuckerarten. Doch das ist ein Trugschluss. (Foto: focal point/Shutterstock)

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      5. Agavensirup

      Agavensirup wird in Mexico aus verschiedenen Agavepflanzen hergestellt. Die Süße des Sirups kommt aus einer Mischung von Fruchtzucker (Fructose) und Traubenzucker (Glucose). Dadurch hat Agavensirup einen relativ niedrigen glykämischen Index, was ihm zeitweise das Label eines "gesunden Zuckerersatzes" verlieh.

      Sein relativ hoher Fruchtzuckergehalt macht den Agavensirup jedoch insbesondere für Menschen mit einer Fructoseintoleranz zu keiner guten Wahl. Und auch für Menschen, die Fructose gut vertragen, birgt der erhöhte Konsum gesundheitliche Nachteile, beispielsweise in Form einer Diabetes-Erkrankung. Zudem hat Agavensirup bedingt durch die langen Transportwege einen relativ hohen ökologischen Fußabdruck.  

      6. Ahornsirup

      Ahornsirup wird aus dem Saft des Zuckerahorns gewonnen. Traditionell kommt das Produkt aus Kanada, zunehmend hat sich jedoch auch China als Produzent auf dem Markt etabliert. Erhältlich ist Ahornsirup in verschiedenen Graden, von AA bis D. Der hellste Ahornsirup ist Grad A, der dunkelste Grad D. Je dunkler diese Zuckerart ist, desto intensiver der Geschmack.

      Auch Ahornsirup enthält geringe Mengen an Mineralstoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen, die jedoch bei den Mengen, die wir konsumieren, nicht zu Buche schlagen. Für die Süße ist der enthaltene Traubenzucker und Fruchtzucker verantwortlich. Im Vergleich zu Agavensirup enthält Ahornsirup allerdings weniger Fructose.

      Da die Zuckerart mit Wasser aufgefüllt wird, enthält Ahornsirup im Vergleich zu Zucker und Honig zudem deutlich weniger Kalorien. Um einen ähnlichen Süßegrad in Speisen zu erreichen, ist man jedoch schnell geneigt, mehr Ahornsirup zu verwenden als man beispielsweise Honig verwendet hätte. Ähnlich wie Agavensirup, hat Ahornsirup zudem eine schlechtere Ökobilanz, weil er, bis er in unseren Regalen landet, erst um die halbe Welt geschifft werden muss. 

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