Verbraucherverbände für Werbe-Bannmeilen um ungesunde Produkte

Autor: dpa | Kategorie: Essen und Trinken | 03.01.2023

Verbraucherverbände für Werbe-Bannmeilen um ungesunde Produkte
Foto: Shutterstock/Georgi Fadejev

Die Verbraucherzentralen sowie andere Verbraucher- und Medizinverbände machen Druck auf die Politik. Sie wollen, dass Lebensmittel, die zu viel Salz, Fett und Zucker enthalten, nicht wie bisher beworben werden dürfen. Vor allem Kinder sollen besser vor ungesunden Produkten geschützt werden.

In der Diskussion um eine gesündere Ernährung machen Verbraucherverbände Druck für Beschränkungen bei der Werbung gezielt an Kinder. "Beim Marketing für sogenannte Kinderlebensmittel muss sich dringend etwas ändern", sagte die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Ramona Pop, der Deutschen Presse-Agentur. "Es werden Lebensmittel mit lustigen und niedlichen Bildchen beworben, die fetthaltig und zu süß sind. Deswegen brauchen wir eine deutlich strengere Regulierung der Werbung für Kinderprodukte, die den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation nicht entsprechen."

Es brauche "Bannmeilen" rund um Kitas und Schulen, aber auch für Fernsehen, Radio und Influencer, sagte Pop. "Weil Kinder nicht nur Kinderkanäle und Kindersendungen gucken, sondern auch mal Sport und Ähnliches am frühen Abend, ist eine zeitliche Eingrenzung nötig, dass tagsüber bis in den Abend für Lebensmittel keine Werbung gemacht werden darf, die zu ungesund sind."

Werbeverbot für Ungesundes gefordert

Verbraucher- und Medizinverbände drängen die Politik seit längerem zum Handeln beim Marketing für Kinderprodukte. Ein Bündnis mehrerer Organisationen fordert für Lebensmittel mit hohem Zucker-, Fett- und Salzgehalt ein Werbeverbot von 6 bis 23 Uhr. Für Plakatwerbung für "ungesunde" Produkte solle eine 100-Meter-Bannmeile um Kitas, Schulen und Spielplätze gelten. Lebensmittel, die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation erfüllen, sollen nicht betroffen sein.

SPD, FDP und Grüne haben im Koalitionsvertrag vereinbart: "An Kinder gerichtete Werbung für Lebensmittel mit hohem Zucker-, Fett- und Salzgehalt darf es in Zukunft bei Sendungen und Formaten für unter 14-Jährige nicht mehr geben." Eine "Einschränkung der an Kinder gerichteten Lebensmittelwerbung" ist auch in den Eckpunkten für eine Ernährungsstrategie von Minister Cem Özdemir (Grüne) genannt, die das Bundeskabinett kurz vor Weihnachten gebilligt hat.

Die Werbewirtschaft wehrt sich

Die Werbewirtschaft hatte dazu erklärt, Werbung sei "definitiv kein Hebel für Gewichtsveränderungen", sie verschiebe nur Marktanteile im jeweiligen Produktbereich. Auch eine Einteilung in "gesunde" oder "ungesunde" Lebensmittel sei nicht hilfreich, jedes Produkt habe seinen Platz in einer ausgewogenen Gesamternährung. Der Deutsche Werberat habe den Schutz von Unter-14-Jährigen im Fokus und sorge dafür, dass Werbung etwa nicht zu übermäßigem Konsum auffordere.

Verbraucherzentralen-Chefin Pop forderte darüber hinaus: "Natürlich kann man auch darüber nachdenken, eine Süßgetränkeabgabe für Hersteller einzuführen – nicht für die Kundinnen und Kunden. Je stärker der Zuckergehalt im Getränk ansteigt, desto höher müsste sie liegen." Eine vergleichbare "Zuckersteuer" gibt es in Großbritannien bereits seit 2018: Studien haben ergeben, dass sich der Zuckergehalt dort verkaufter Softdrinks daraufhin nachweislich verringert hat.

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