1. Home
  2. News

Test von Bambus-Geschirr: Krebsverdächtige Schadstoffe

Vermeintlich umweltfreundliches Geschirr in Wirklichkeit oft bedenklich

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Essen und Trinken | 23.07.2019

Meiden Sie Bambusbecher!
Meiden Sie Bambusbecher! (Foto: Fotolia / Roman Babakin)

Coffee-to-go-Becher und Picknickgeschirr aus Bambus gelten als umweltfreundlich und besonders nachhaltig. Die hölzernen Helferchen sind entsprechend angesagt. Was dabei verschwiegen wird: Das Geschirr mit dem grünen Image kann krebsverdächtiges Formaldehyd freisetzen.

In trendigen Läden sind immer häufiger bunt bedrucktes Kindergeschirr und stylishe Kaffeebecher aus Bambus zu finden. Beworben wird das Geschirr als umweltfreundliche und recycelbare Alternative zu Wegwerfbechern und Einmalgeschirr.

Doch die Bambusprodukte sind oft nicht so gesund und umweltfreundlich, wie die Werbung suggeriert, warnt die Verbraucherzentrale Niedersachsen. Tatsächlich enthalten die Becher, Teller und Gabeln oft mehr Kunststoff als Bambus. Das ist zumindest fragwürdig.

"Bambusgeschirr" besteht oft vor allem aus Kunststoff

"Insbesondere Melamin- oder Harnstoff-Formaldehyd-Harze dienen als formgebende Bestandteile – zerkleinerte Bambus-, Mais- oder Speisestärke wird vielfach nur als Füllstoff zugesetzt", erklärt Dr. Janina Willers, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Eine Kennzeichnungspflicht gebe es leider nicht.

Ob bedenkliche Stoffe enthalten sind, und wie hoch der Bambusanteil an den Produkten ist, können Verbraucher meist nicht erkennen. Recycelbar sind diese Produkte wegen ihres hohen Kunststoffanteils allesamt nicht.

Gefahr durch Melamin und Formaldehyd 

Untersuchungen von verschiedenen chemischen Labors zeigen: Viele der Gefäße geben Melamin oder Formaldehyd an die Lebensmittel ab. Immer wieder werden die gesetzlichen Höchstmengen überschritten, etliche Kaffeebechern aus Bambus wurden sogar zurückgerufen. Formaldehyd stuft die EU als krebsverdächtig ein und kann Allergien auslösen. Melamin kann zu Nierenschäden führen.

Werden melaminhaltige Produkte nicht erhitzt, gelten sie als sicher. Bedenklich ist das Material vor allem dann, wenn eingefüllte Speisen und Getränke heißer sind als 70 Grad – was bei frischgebrühtem Kaffee durchaus der Fall sein kann.

Bambusgeschirr bei ÖKO-TEST

Wir haben Kindergeschirr auf Schadstoffe überprüft: Die Kunststoffgeschirrsets für Kinder waren meist empfehlenswert, während wir die meisten Bambusprodukte mit dem Gesamurteil "ungenügend" bewerteten. Oft rangierten die Produkte aus unserer Sicht an der Grenze zur Verbrauchertäuschung. Hier zu unserem Test Kindergeschirr.

Bambusgeschirr bei Stiftung Warentest

Ganz aktuell hat auch Stiftung Warentest Bambusbecher getestet. Der Test von 12 Bambusbechern zeigt: In allen ist Kunststoff drin. Die meisten Becher enthalten zu viele Schad­stoffe oder sind falsch deklariert. Sie hätten nicht verkauft werden dürfen.

Tipps für die Verwendung von Bambusgeschirr

  • Nicht mit Flüssigkeiten befüllen, die heißer als 70 Grad sind.
  • Bambusgeschirr darf in die Spülmaschine, sollten aber nicht in den Backofen oder die Mikrowelle gestellt werden.
  • Wenn die Oberfläche aufrauht, sollten Sie die Produkte nicht mehr verwenden.

Gute Alternativen zu Bambusgeschirr

Glücklicherweise werden Einweg- und Mehrweg-Produkt nicht nur aus Bambus hergestellt! Umweltfreundlichere und gesundheitlich unbedenkliche Mehrweg-Alternative sind beispielsweise Gefäße aus Edelstahl, Glas und Porzellan.

Weiterlesen auf oekotest.de: