Wenn die Deutschen zu Obst greifen, dann am liebsten zum Apfel, zur Banane und – genau – zur Erdbeere. Wer auf heimischen Anbau Wert legt, kommt bei den süßen, roten Früchten zwar erst ab dem Frühsommer auf seine Kosten. Dann findet das beliebte Obst aber häufig seinen Weg in Desserts, Marmeladen – oder einfach direkt in den Mund.
Eine beliebte Behauptung, die rund um die Erdbeere immer wieder verbreitet wird: Dass es sich bei den roten Früchtchen weder um Beeren noch um Früchte handeln soll (und bestimmt nicht um Gemüse), sondern: um Nüsse. Stimmt das – oder alles Quatsch? Die Antwort: Stimmt nicht ganz. Ist aber auch nicht ganz falsch. Die korrekte Antwort ist etwas umständlich, bietet dafür aber gleich fünf erdbeerige Überraschungen.
Die Erdbeere: Eine Rose unter den Krautigen
Hier gleich die Erste. Die Erdbeer-Pflanze (Fragaria), wie sie bei uns im Beet oder Rasen wächst, ist natürlich selbst weder Beere noch Nuss, sondern vielmehr: eine Rose. Die krautige Pflanze gehört in der Tat zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae) und ist deshalb nicht nur mit der symbolträchtigen Zierblume verwandt, sondern auch mit vielen verbreiteten Obstsorten von Apfel über Himbeere bis Zwetschge. Diese sind nämlich ebenfalls Rosengewächse.
Auch die Frucht der Fragaria, die wir als die eigentliche – nämlich rote, runde und reizende – Erdbeere kennen, ist weder Beere noch Nuss. Und noch nicht einmal eine Frucht, zumindest nicht im botanischen Sinne (Überraschung Nr. 2).
Denn: Die Biologie führt das, was wir als Erdbeere auf dem Markt kaufen, nur als sogenannte Scheinfrucht. Das wiederum bedeutet, dass es sich bei dem (Schein-)Fruchtfleisch im botanischen Sinn gar nicht um die Frucht der Erdbeere-Pflanze handelt, sondern lediglich um deren fleischigen Blütenboden (Überraschung Nr. 3).
Die Erdbeere ist keine Nuss – hat aber welche
Erst in diesem roten Blütenboden sind dann die tatsächlichen Früchte der Fragaria eingelassen, bei denen es sich (Überraschung Nr. 4) um kleine Nüsse handelt. Diese Nüsschen sind sogar problemlos zu erkennen: Es handelt sich um die kleinen, gelbgrünen "Pünktchen" oder "Körnchen", die außen im roten (Schein-)Fruchtfleisch der Erdbeere stecken. In diesen Nüssen befinden sich wiederum die Samen, mit deren Hilfe sich die Pflanze vermehrt. Heißt auch: Wir essen die Nüsse der Erdbeere jedes Mal zu Hunderten mit, wenn wir eine Handvoll Erdbeeren verspeisen.

Auch eine Beere ist die Erdbeere nicht
Wenn Erdbeeren schon keine echten Früchte sind, könnten sie dann nicht wenigstens Beeren sein? Zumal sie bereits so heißen? Leider auch nicht (letzte Überraschung). Warum das? Weil Beeren im botanischen Sinn eine andere Struktur und Form der Fruchtbildung aufweisen: Eine "echte" Beere – z.B. die Johannisbeere – ist eine fleischige Frucht, die aus einem einzigen Fruchtknoten entsteht und in der Regel mehrere Samen enthält.
Die Erdbeere hingegen bildet mehrere Fruchtknoten aus, die während des Heranreifens zur (bereits bekannten) Scheinfrucht mit ihren vielen Nüsschen zusammenwachsen. Eine Verwandte der Erdbeere in diesem Sinn ist übrigens die Hagebutte, auch wenn sich die Nüsse hier nach dem Heranreifen im Inneren der Scheinfrucht verbergen.
Zusammengefasst:
- Überraschung 1: Die Erdbeere gehört als Pflanze zu den Rosengewächsen.
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Überraschung 2: Die rote Erdbeer-Frucht ist botanisch nur eine Scheinfrucht …
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Überraschung 3: … bei der es sich in Wirklichkeit um den fleischigen Boden der Erdbeerblüten handelt.
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Überraschung 4: In diesen Blütenboden sind die echten Früchte der Erdbeere als kleine, gelbgrüne Pünktchen eingelassen. Diese Früchte sind, botanisch gesehen, Nüsse.
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Überraschung 5: Die (Schein-)Frucht der Erdbeere ist botanisch auch keine Beere, weil diese nur aus einzigen Fruchtknoten gebildet wird.
Erdbeeren bei ÖKO-TEST
Ob Nuss oder nicht: Schmecken sollen sie, die Erdbeeren – und frei von Schadstoffen sein natürlich auch. Dazu hat ÖKO-TEST 2023 Erdbeer-Packungen im Test ins Labor geschickt. Mit extremen Ergebnissen: Einige "Nüsse" im Test enthalten ganze Pestizidcocktails – in anderen wurden keine Spritzmittel gefunden.
2025 haben wir außerdem Erdbeermarmeladen getestet. Kritik gab es unter anderem für Pestizidrückstände und zu viel Zucker. Einige Produkte konnten jedoch auf voller Linie überzeugen.
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