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Planetary Health Diet: Gute Ernährung für uns und für die Erde

Autor: Brigitte Rohm | Kategorie: Essen und Trinken | 07.02.2020

Planetary Health Diet: Gute Ernährung für uns und für die Erde
Foto: CC0 Public Domain / Pexels

Wissenschaftler aus 16 Ländern haben die sogenannte "Planetary Health Diet" entwickelt. Sie soll unsere Ernährungsweise grundlegend verändern – damit die Gesundheit der Menschen und die Erde gleichermaßen profitieren.

Wie können wir im Jahr 2050 eine Weltbevölkerung von zehn Millionen Menschen gesund satt bekommen – ohne dabei unseren Planeten zu zerstören? Anfang 2019 ist das Gremium der EAT-Lancet-Kommission dieser Frage nachgegangen und hat die "Planetary Health Diet" entworfen. Sie soll das globale Ernährungssystem neu denken. 

Das Ziel des speziellen Speiseplans: Probleme wie Hungersnöte, Zivilisationskrankheiten und die Erderwärmung einzudämmen und die Erde nicht über ihre Grenzen auszubeuten. Die Forscher schätzen damit etwa elf Millionen vorzeitige Todesfälle verhindern zu können, die von ernährungs(mit)bedingten Krankheiten verursacht werden.

Planetary Health Diet: eine zeitgemäße Ernährungsform 

37 internationale Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen haben zwei Jahre lang an der Planetary Health Diet gearbeitet. Ein Kernelement des Speiseplans: Die Menschheit muss insgesamt ihren Fleischkonsum halbieren und den Verzehr von Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Nüssen verdoppeln.

Eine gesunde und nachhaltige Strategie zur Ernährung der Weltbevölkerung sollte demnach nicht nur die menschliche Gesundheit, sondern auch die Auswirkungen der Lebensmittelproduktion auf die Umwelt berücksichtigen.

Bei der Planetary Health Diet ist Fleisch – wenn überhaupt – ein seltener Genuss.
Bei der Planetary Health Diet ist Fleisch – wenn überhaupt – ein seltener Genuss. (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Alex Guillaume)

Denn vor allem die Tierzucht ist innerhalb der Lebensmittelproduktion für eine große Menge an Treibhausgas-Emissionen verantwortlich – und treibt so den Klimawandel voran. Zudem ist sie ressourcenintensiv und trägt zum Verlust der Artenvielfalt bei. Die Planetary Health Diet stellt pflanzliche Lebensmittel in den Mittelpunkt, sie muss jedoch nicht komplett vegan oder vegetarisch umgesetzt werden.

Kein festgelegter Plan: Die Ernährungsweise ist flexibel

Das Besondere an der Planetary Health Diet ist nämlich, dass sie keine starren Vorschriften formuliert. Vielmehr handelt es sich um einen Referenzrahmen – er ist so flexibel gehalten, dass er für alle Ernährungsstile, individuellen Vorlieben und kulturellen Traditionen angepasst werden kann.

So dürfen zum Beispiel optional geringe Mengen von Fleisch, Fisch und Milchprodukten gegessen werden, sie müssen es aber nicht. Für fast alle Lebensmittel sind gesundheits- und umweltverträgliche Spannen mit Minimum und Maximum in Klammern angegeben, an denen man sich orientieren kann.

So sieht die Planetary Health Diet aus 

Die Empfehlungen pro Gramm und Tag bei einer täglichen Energieaufnahme von 2.500 Kilokalorien sind:

1. Kohlenhydrate

  • Vollkorngetreide: 232g
  • Stärkehaltiges Gemüse (Kartoffeln, Maniok): 50g (0-100g)
  • Gemüse: 300g (200-600g)
  • Obst: 200g (100-300g)

2. Proteinquellen

  • Rind-, Lamm, oder Schweinefleisch: 14g (0-28g)
  • Geflügel: 29g (0-58g)
  • Eier: 13g (0-25g)
  • Fisch: 28g (0-100g)
  • Hülsenfrüchte: 75g (0-100g)
  • Nüsse: 50g (0-75g)
  • Milchprodukte (Vollmilch oder aus dieser Menge hergestellte Produkte): 250g (0-500g)

3. Fette

  • Ungesättigte Fette (Oliven-, Raps-, Sonnenblumen-, Soja-, Erdnuss-, Traubenkernöl: 40g (20-80g)
  • Gesättigte Fette (Palmöl, Schmalz, Talg): 11,8g (0-11,8g)

4. Zugesetzter Zucker

  • Alle Süßungsmittel: 31g (0-31g)
Planetary Health Diet: Bei dieser Ernährungsform kommt in jedem Fall viel Gemüse auf den Tisch.
Planetary Health Diet: Bei dieser Ernährungsform kommt in jedem Fall viel Gemüse auf den Tisch. (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - Anna Pelzer)

Die praktische Umsetzung: eine Herausforderung

Die Schwierigkeit bei der Planetary Health Diet besteht darin, nach diesen Empfehlungen einen konkreten Speiseplan zu erstellen: Was bedeuten die erlaubten 13 bis 25 Gramm Ei pro Tag nun für das Rührei beim Sonntagsbrunch? Kann ich mir alle zwei Wochen ein kleines Steak erlauben? Wie teile ich die wöchentliche Kartoffelration ein, dass daraus zwei sättigende Mahlzeiten werden? 

Statt sich von solchen Fragen entmutigen und es dann ganz bleiben zu lassen, kann man die Planetary Health Diet auch als Inspiration betrachten – und als Ernährungsmodell für die Zukunft, an dem wir uns grundsätzlich orientieren können. Die auffälligen Fixpunkte – viel mehr Gemüse, viel weniger Fleisch – geben die Richtung vor. 

Am besten spielen Sie bei den Gerichten, die Sie gerne kochen, einmal durch, wie gut sie sich ins Raster der Planetary Health Diet einfügen. In manchen Fällen reicht es vielleicht aus, wenn Sie die Fleisch- oder Zuckermenge reduzieren, Vollkorn- statt Weißmehl verwenden oder Hülsenfrüchte beimischen. Viele vollwertige Rezepte, die vegetarisch sind oder mit wenig tierischen Zutaten auskommen, sind ohnehin gut geeignet.

Kritik an der Planetary Health Diet 

Neben den auf den ersten Blick etwas komplizierten Angaben zu den Lebensmittelmengen gibt es noch weitere Kritik am Speiseplan für die Erde: Ein Knackpunkt ist die tägliche Zufuhr von 2.500 Kalorien. Das ist für manche Menschen zu viel und für andere zu wenig – hier müssten die Richtwerte erst entsprechend umgerechnet werden.

Zum anderen halten Kritiker den Ansatz für schwer umsetzbar. Denn in manchen Regionen der Erde müssten die Menschen ihre Ernährungsgewohnheiten extrem radikal verändern – die USA dürften nur noch ein Siebtel ihres Verzehrs von rotem Fleisch beibehalten. Das sollte aber niemanden darin bremsen, seine eigene Ernährung stärker an der Planetary Health Diet auszurichten – dem Planeten und der Gesundheit zuliebe.

Quellen: Originalstudie in der Zeitschrift "The Lancet", Summary Report als PDF, Bundeszentrum für Ernährung (BZfE)

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