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Ostern: Mit dem Kauf dieser Eier tun Sie etwas gegen Kükentöten

Autor: Redaktion | Kategorie: Essen und Trinken | 07.04.2020

Eier ohne Kükentöten
Foto: andia/Shuttertock; PhotobyTawat/Shutterstock

Wenn Sie Eier kaufen, aber das Kükentöten nicht unterstützen wollen, haben wir Alternativen für Sie. Es gibt Initiativen und Projekte, die garantieren, dass männliche Küken in der Eiererzeugung mit aufgezogen und nicht nach dem Schlüpfen getötet werden. 

Mehr als 12,5 Milliarden Eier landeten 2019 auf den Tellern der Bürger in Deutschland. Diese wurden von rund 42 Millionen Legehennen gelegt. Das geht aus einer Statistik des Statistischen Bundesamtes hervor. Auffällig: Nur rund 12 Prozent stammen aus ökologischer Erzeugung.

Kükentöten: Eierproduktion in der Kritik 

Die Eierproduktion steht seit Jahren in der Kritik. Denn im Gegensatz zu früher werden die meisten Hühner heute für zwei unterschiedliche Zwecke gezüchtet. Die Hochleistungs-Legehennen sollen Eier legen, die Masthühner Fleisch ansetzen. Das führt dazu, dass die männlichen Küken der Legehennenrassen kurz nach dem Schlüpfen getötet werden. Denn sie legen weder Eier, noch eignen sie sich zum Mästen, weil sie zu langsam Fleisch ansetzen. Somit kostet ihre Haltung Geld, sie bringen aber letztlich keinen Gewinn.

Die Konsequenz: Sie werden getötet. Rund 45 Millionen männliche Küken werden jährlich geschreddert oder vergast. Und das ist übergangsweise - weiterhin - gesetzlich erlaubt. Erst im Juni 2019 urteilte das Bundesverwaltungsgericht, dass männliche Küken in der Legehennenzucht getötet werden dürfen - bis das Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei zur Verfügung stehen wird. Die Richter mussten abwägen: Können Sie den Brutbetrieben die Haltung der männlichen Küken wirtschaftlich zumuten oder ist das Töten der Tiere vertretbar?

Geschlechterbestimmung im Brutei 

Mit dem Verfahren zur Geschlechterbestimmung im Brutei soll in der Zukunft verhindert werden, dass männliche Küken schlüpfen. Denn: Ausgebrütet werden nur weibliche Legehennen. Die anderen Eier, aus denen Hähne schlüpfen würden, werden aussortiert. Sie werden beispielsweise zu Tierfutter verarbeitet. 

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert die Entwicklung von Verfahren zur Geschlechtsbestimmung der Küken. Es gibt zwei Ansätze: 

  1. Das endokrinologische Verfahren: Eine Maschine entnimmt aus den Bruteiern einen kleinen Tropfen Flüssigkeit, nachdem diese etwa neun Tage lang gebrütet wurden. Mit einem biotechnologischen Nachweisverfahren wird dann das Geschlecht bestimmt. 
  2. Das spektroskopische Verfahren: Ein spezieller Lichtstrahl wird auf das Innere des Eis gerichtet, nachdem es vier Tage lang gebrütet wurde. Durch die Analyse des reflektieren Lichts wir dann das Geschlecht festgestellt. 

Eine andere Alternative zum frühen Kükentöten ist die Haltung von Zweitnutzungshühnern. Der Einsatz dieser Tiere wird ebenfalls vom BMEL gefördert. Zweitnutzungshühner sind Tiere, von denen Bauern sowohl Eier als auch Fleisch gut nutzen können.

Ein stolzer Zweinutzungshahn der Kreuzung Coffee, der auch ordentlich Fleisch ansetzt.
Ein stolzer Zweinutzungshahn der Kreuzung Coffee, der auch ordentlich Fleisch ansetzt. (Foto: Ökologische Tierzucht )

Hybridhühner und Zweitnutzungshühner 

Hochgezüchtete Hybridhühner 

Manche Hühnerrassen legen gut, andere liefern viel Fleisch. Die intensive Zucht der vergangenen 50 Jahre hat diese Trennung von Ei- und Fleischproduktion zur Perfektion gebracht: Legeleistungen von bis zu 330 Eiern im Jahr und Masthähnchen, die von der Hühnerstange fallen, weil sie wegen ihrer fetten Brust das Gleichgewicht nicht mehr halten können. Solch eine Spezialisierung funktioniert nur mit sogenannten Hybridzüchtungen. Das sind Kreuzungen aus verschiedenen Inzuchtlinien, die genetischen Gesetzen folgend zu wahren Wunderhühnern werden. Sie vereinen die besten Eigenschaften von vier Linien.

Wenn die Hybridhühner Nachkommen zeugen, spalten sich die gewünschten Eigenschaften nach den Mendel’schen Regeln sehr schnell wieder auf: die schöne Lege- und Mastleistung ist wieder dahin. Das ist sehr praktisch für die wenigen Zuchtkonzerne, die den Markt dominieren. Die Landwirte können diese Tiere nicht selbst weiterzüchten, sondern sind auf den Zukauf der Nachkommen von Zuchtunternehmen angewiesen. Auch für den Bio-Bereich haben die großen Firmen passende Hybridhühner gezüchtet, die beispielsweise besser an das ökologische Futter und die Bio-Haltung angepasst sind. 

Zweitnutzungshühner 

Für die Bio-Branche lautet der Königsweg in der Hühnerhaltung: Zweinutzungshuhn. Diesen Allrounder gab es ja schon immer, und er wird jetzt ein bisschen neu erfunden. Forschung und Praxis dazu laufen schon lange, und es gibt viele Bio-Bauern und Initiativen, die solche Rassehühner wie Les Bleues und das Sulmtaler Huhn bereits halten und erfolgreich vermarkten. Sie haben allerdings häufig den direkten Kontakt zu ihren Kunden, etwa im Hofladen, und können die nötigen saftigen Preisaufschläge erklären und ein Mehr an Tierwohl direkt vor Ort zeigen.

Der Anteil an solchen Zweinutzunghühnern ist noch verschwindend gering. Im Naturkostfachhandel findet man selten Produkte von ihnen, im Supermarkt so gut wie gar nicht. Der Handel spricht derzeit häufig von Zweinutzungshennen, wenn das Konzept Hochleistungshenne + Bruderhahn gemeint ist. Das bedeutet: Die Brüder der Legehennen werden aufgezogen, setzen aber nur wenig Fleisch an. Die Hennen müssen sie also mitfinanzieren.

Das Konzept Gleichberechtigung in der Geschwisterschaft erfüllen nur echte Zweinutzungshühner. Inga Günther ist Geschäftsführerin der Firma Ökologischen Tierzucht, kurz ÖTZ. Die gemeinnützige Gesellschaft wurde von den Öko-Verbänden Demeter und Bioland 2015 gegründet, um die Zucht von gesunden und rentablen Bio-Hühnern weiter voranzubringen. Die Züchtungsarbeit hat nun vielversprechende Kreuzungen aus drei ursprünglichen Zweinutzungsrassen erbracht. Coffee und Cream heißen sie, weil das Gefieder der Tiere braun, weiß und beige glänzt. "Wir freuen uns, dass wir jetzt Tiere haben, die wir als wirkliche Zweinutzungstiere anbieten können", sagt Günther.

Etwa 12,5 Milliarden Eier wurden 2019 von Bürgern in Deutschland verzehrt.
Etwa 12,5 Milliarden Eier wurden 2019 von Bürgern in Deutschland verzehrt. (Foto: A. Aleksandravicius/Shutterstock)

Eier ohne Kükentöten: Überblick über Initiativen 

Wenn Sie das frühe Kükentöten nicht unterstützen wollen, können Sie auf Alternativen zurückgreifen. Hier ein Überblick über einige Initiativen und Projekte, die garantieren, dass Bruderhennen mit aufgezogen und nicht getötet werden: 

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