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Nachhaltig grillen: So schonen Sie Klima, Umwelt und Tierwohl beim Grillen

Autor: Meike Rix, Redaktion | Kategorie: Essen und Trinken | 11.08.2022

Nachhaltig grillen: So schonen Sie Klima, Umwelt und Tiere beim Grillen
Foto: Shutterstock/Pixel-Shot

Schadet Grillen nicht dem Klima, der Luftqualität und dem Tierwohl? Tut es. Die gute Nachricht: Grillen geht auch einigermaßen klima- und umweltfreundlich. 

Grillen ist weder klimaneutral noch besonders ressourcenschonend. Und, wie sich erahnen lässt, wenn die Augen in Grillnähe zu tränen beginnen: Laut Umweltbundesamt belastet Holzkohle-Qualm die Atemluft am Grill und in der Nachbarschaft mit Feinstaub und Ruß.

Jeden Tag mit Kohle zu grillen ist deswegen enorm ungesund. Global gesehen ist der beim Brutzeln anfallende Rauch aber nicht das Hauptproblem. Der TÜV Rheinland hat schon vor rund zehn Jahren eine Öko-Bilanz für einen typischen Grillabend mit zwei Familien erstellt.

Das Ergebnis: Bei allen drei Grillarten – also Elektro-, Kohle- und Gasgrill – entstanden zwischen 17,5 und 18 Kilogramm klimaschädliche Treibhausgase an Emissionen (berechnet in sogenannten CO2-Äquivalenten). Das entspricht einer Autofahrt von rund 120 Kilometern in einem Mittelklassewagen.

Nachhaltig grillen: Rindfleisch als Klimakiller

Welche Art von Grill man verwendet, spiele nur eine untergeordnete Rolle, so die TÜV-Prüfer. Etwa 95 Prozent der durch das Grillen anfallenden klimarelevanten Emissionen würden nämlich durch das Grillgut verursacht, das erzeugt, transportiert und schließlich verkauft werden muss.

Welche der Zutaten, die häufig auf den Grill kommen, verursachen die meisten Treibhausgase?

  • Der größte Klimasünder: Rindfleisch. Ein Hauptgrund: Die Wiederkäuer stoßen große Mengen des starken Treibhausgases Methan aus. Hinzukommt: Rinder verbrauchen große Mengen Futtermittel, häufig handelt es sich dabei um Soja, dessen massenhafter Anbau wiederum seine Spuren hinterlässt. 1 kg Rindfleisch verursacht auf diese Weise bis zu 28 kg Treibhausgase.
  • Danach kommt in der TÜV-Bilanz der Grillkäse, weil darin so viel Milch verarbeitet ist.
  • Die Produktion von Schweine- und Geflügelfleisch für Bratwürste & Co. belastet das Klima weniger als Rindfleisch und Käse – aber immer noch um ein Vielfaches mehr als Gemüse. 1 kg Gemüse ist für weniger als 1 kg Treibhausgase verantwortlich, also nur für einen Bruchteil der Bilanz von Fleischprodukten.

Das schlechte Gewissen grillt also mit. Auch, weil wir natürlich wissen, dass das Fleisch auf dem Grill nicht als knuspriges Rippchen auf die Welt kam. Sondern häufig ein Produkt der konventionellen Massentierhaltung ist, das Tieren nur ein kurzes, unbequemes Leben bis zur Schlachtbank zugesteht. 

    Ökologisch grillen für Umwelt und Tiere 

    Leider hat sich das schlechte Image der Hühner-, Rinder- und Schweinehaltung in den letzten Jahren immer wieder bestätigt. Unsere Tests von Grillwürsten und Grillfleisch zeigten traurige Realität in der Schweinehaltung: Kupierte Schwänze, kastrierte Ferkel, viele Antibiotika, kein Auslauf und kaum Platz. Auf dem Weg zu echtem Tierwohl muss noch viel passieren. 

    Und jetzt? Wir meinen: Nichtgrillen ist auch keine Alternative. Denn: Sie haben es selbst in der Hand, Ihr Grillfest so zu gestalten, dass Umwelt, Klima und Tiere möglichst unbeschadet davonkommen. Wir helfen mit den folgenden Tipps dabei. 

    Besser für die Umweltbilanz: Gemüse statt Fleisch auf dem Grill-Teller.
    Besser für die Umweltbilanz: Gemüse statt Fleisch auf dem Grill-Teller. (Foto: Westend61/Shutterstock)

    Nachhaltig grillen: Mit diesen Tipps klappt's

    1. Rauch eindämmen

    Das Umweltbundesamt (UBA) empfiehlt, statt eines klassischen Holzkohle-Grills einen Gas- oder Elektrogrill zu verwenden, um die Luft weniger zu belasten.

    Wenn es doch Kohle sein soll, lässt sich die Rauchentwicklung mit einem Anzündkamin (eine Art Metallzylinder, der das Anzünden beschleunigt) und guter Luftzufuhr geringer halten. Davon profitiert nicht nur die Atmosphäre, sondern auch die Atemwege der Grillfest-Teilnehmer und Nachbarn.

    In Innenhöfen und auf Balkonen sollten Sie nicht mit Holzkohle grillen. Neben dem Qualm ist der Funkenflug nicht zu unterschätzen. Deshalb gilt auch: Nicht unter Bäumen oder auf trockenen Wiesen grillen.

    2. Bessere Kohle kaufen 

    Auch wenn die meisten Deutschen sich bei einem Neukauf inzwischen für einen Gasgrill entscheiden würden (so eine Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2021), grillt die Mehrheit immer noch mit Holzkohle. Da ist es eigentlich ein Skandal, dass Grillkohle aus Raubbau in Urwäldern bis heute nicht verboten ist. Steht auf der Verpackung gar keine Angabe zur Herkunft oder Baum-Art, sollten Sie skeptisch sein.

    Ganz aktuell: In unserem Test Grillkohle (aus dem Juli-Heft 2022) haben wir überprüft, welche Baumarten in den Tüten stecken. Hier erfahren Sie mehr:

      Umweltschutzorganisationen wie WWF und Pro Regenwald empfehlen Kohle mit dem Siegel des Öko-Verbands Naturland. Naturland macht nicht strengere Vorgaben für eine nachhaltige Waldwirtschaft als das Label des Forest Stewardship Council (FSC), sondern regelt auch die Verarbeitung – zum Beispiel dass die Kohle in einem geschlossenen Verfahren verarbeitet und auch die dabei entstehende Abwärme sinnvoll genutzt wird.

      Im Zweifel sind aber auch Produkte mit FSC-Zertifizierung vertrauenswürdiger als solche mit vager Werbung wie "ohne Tropenholz", "Naturprodukt" oder "aus bewirtschafteten Forstbeständen".

      3. Weniger Fleisch essen

      Je mehr Gemüse und je weniger tierische Produkte auf den Grill kommen, desto besser ist die Umweltbilanz! Wenn es Fleisch sein soll: Schweinefleisch und Geflügel sind, siehe oben, weniger klimaschädlich als Rindfleisch und Grillkäse.

      Bemerkungen über Sojasteaks nach dem Motto "Für den Sojaanbau wird doch auch Regenwald abgeholzt" entbehren übrigens jeder Grundlage. Gerade einmal zwei Prozent des weltweiten Sojaanbaus werden direkt zu Lebensmitteln für den Menschen verarbeitet. Das meiste landet im Trog der Tiere.

      >> Lesen Sie auch: Weniger Fleisch essen: Warum Gesundheit, Tierwohl und Klima profitieren

        4. Bio-Fleisch bevorzugen 

        Bio-Tiere haben's besser. Klar: Besser heißt nicht gut. Auch im Bio-Bereich gibt es teils kritikwürdige Haltungsbedingungen. Aber für gewöhnlich haben die Tiere mehr Platz und Auslauf. Dabei ist das EU-Bio-Label unterer Standard – die Anbauverbände Bioland, Demeter und Naturland sind strenger. Auch das Fleisch mit dem Label des Vereins Neuland steht für höhere Anforderungen ans Tierwohl, ist allerdings nicht in allen Teilen Deutschlands zu finden.

        Tipp: Würstchen in Bio-Qualität haben noch den gesundheitlichen Vorteil, dass sie frei von Phosphat sind.

        5. Fisch sorgsam auswählen

        Grillen Sie möglichst ungefährdete Fischarten. Dazu zählen zum Beispiel Karpfen oder Bio-Forelle aus heimischer Zucht sowie Wildlachs aus Alaska mit dem Label des Marine Stewardship Council (MSC). Unsere Tipps:

        Nachhaltig grillen: Wer auf viel Gemüse, Bio-Fleisch und ungefährdeten Fisch setzt, macht vieles richtig.
        Nachhaltig grillen: Wer auf viel Gemüse, Bio-Fleisch und ungefährdeten Fisch setzt, macht vieles richtig. (Foto: Shutterstock/Photographee.eu)

        6. Wiederverwendbare Grillschalen nutzen

        Nutzen Sie nach Möglichkeit keine Aluschalen, sondern besser wiederverwendbare Grillschalen aus Edelstahl oder Keramik. Aluschalen sind für säurehaltige oder salzige Speisen ohnehin nicht geeignet, weil Aluminium auf die Lebensmittel übergehen kann.

        Einweggeschirr aus Plastik sollte nach Möglichkeit tabu sein. Auch "plastikfreies" Einweggeschirr ist oft nicht besonders ökologisch – und Bambusgeschirr enthält in der Regel eine Mischung aus Bambus und Kunststoff.

        7. Solar- und Elektrogrill sparen CO₂

        Kohlendioxid einsparen lässt sich natürlich auch, wenn man Steaks und Gemüse mit dem Solar- oder Elektrogrill brutzelt statt über der Kohle. Der Elektrogrill sollte am besten mit echtem Ökostrom betrieben und mit den Nachbarn geteilt werden: So können die Emissionen noch weiter gesenkt werden.

        Unsere Tests zum Thema:

        Weiterlesen auf oekotest.de:

        Mit einem Tipp aus dpa-Material.