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Nachhaltig grillen: So schonen Sie Klima, Umwelt und Tierwohl beim Grillen

Autor: Meike Rix & Redaktion | Kategorie: Essen und Trinken | 08.04.2021

Nachhaltig grillen: So schonen Sie Klima, Umwelt und Tiere beim Grillen
Foto: Shutterstock/Pixel-Shot

Anders als Schwimmen, Festivals und Reisen ist Grillen ein (Früh-)Sommerspaß, den Corona uns nicht vollständig vermiesen kann. Aber schadet das große Brutzeln nicht dem Klima, der Luftqualität und dem Tierwohl? Tut es. Die gute Nachricht: Grillen geht auch einigermaßen klima- und umweltfreundlich. ÖKO-TEST gibt Tipps!

Grillen ist weder klimaneutral noch besonders ressourcenschonend. Und, wie sich erahnen lässt, wenn die Augen in Grillnähe zu tränen beginnen: Es belastet die Atemluft. "Das Grillen mit Holzkohle führt zu wirklich hohen Emissionen", erklärte Christian Liesegang vom Umweltbundesamt im letzten Jahr. Der Grund: Im Qualm stecken Feinstaub und andere krebserzeugende Substanzen, so der Experte.

Jeden Tag mit Kohle grillen sei deswegen enorm ungesund. Global gesehen ist der beim Brutzeln anfallende Rauch aber nicht das Hauptproblem. Der TÜV Rheinland hat schon 2011 eine Öko-Bilanz für einen typischen Grillabend von zwei Familien mit insgesamt acht Personen erstellt.

Das Ergebnis: Bei allen drei Grillarten – also Elektro-, Kohle- und Gasgrill – entstanden zwischen 17,5 und 18 Kilogramm klimaschädliche Treibhausgase an Emissionen (berechnet in sogenannten CO2-Äquivalenten). Das entspricht immerhin einer Autofahrt von rund 120 Kilometern in einem Mittelklassewagen.

Nachhaltig grillen: Rindfleisch als Klimakiller

Welche Art von Grill man verwendet, spiele dabei nur eine sehr untergeordnete Rolle, so die TÜV-Prüfer. Etwa 95 Prozent der durch das Grillen anfallenden klimarelevanten Emissionen würden nämlich durch das Grillgut verursacht, das erzeugt, transportiert und schließlich verkauft werden muss.

Welche der Zutaten, die häufig auf den Grill kommen, verursachen aber die meisten Treibhausgase?

  • Der größte Klimasünder: Rindfleisch. Ein Hauptgrund: Die Wiederkäuer stoßen große Mengen des starken Treibhausgases Methan aus. Hinzukommt: Rinder verbrauchen große Mengen Futtermittel, häufig handelt es sich dabei um Soja, dessen massenhafter Anbau wiederum seine Spuren hinterlässt. 1 kg Rindfleisch verursacht auf diese Weise bis zu 28 kg Treibhausgase.
  • Danach kommt in der TÜV-Bilanz der Grillkäse, weil darin so viel Milch verarbeitet ist.
  • Die Produktion von Schweine- und Geflügelfleisch belastet das Klima weniger als Rindfleisch und Käse – aber immer noch um ein Vielfaches mehr als Gemüse. 1 kg Gemüse ist für weniger als 1 kg Treibhausgase verantwortlich, also nur für einen (Bruch-)Teil der Bilanz von Fleischprodukten.
Rindfleisch als Klimasünder: Die Tiere stoßen große Mengen Methan aus und verbrauchen viel Futtermittel.
Rindfleisch als Klimasünder: Die Tiere stoßen große Mengen Methan aus und verbrauchen viel Futtermittel. (Foto: Shutterstock/Alexander Raths)

Das schlechte Gewissen grillt also mit. Auch, weil wir natürlich wissen, dass das Fleisch auf dem Grill nicht als knuspriges Rippchen auf die Welt kam. Sondern häufig ein Produkt der konventionellen Massentierhaltung ist, das Tieren nur ein kurzes, unbequemes Leben bis zur Schlachtbank zugesteht.

Da ist es bedauerlich, dass sich über 85 % der Deutschen laut einer Umfrage nicht vorstellen können, beim Grillen auf Fleisch zu verzichten. Über 60 % hingegen wären bereit, auf dem Grill das Gemüse wegzulassen. Entsprechend wurden 2018 über 140.000 Tonnen Grillfleisch in Deutschland verkauft, außerdem fast 90.000 Tonnen Würstchen und über 40.000 Tonnen Grillgeflügel. Das beliebteste Grillfleisch: Schweinesteaks.

    Jetzt lesen! Grillkohle-Test – rund die Hälfte empfehlenswert

    Ökologisch grillen für Umwelt und Tiere 

    Leider hat sich das schlechte Image der Hühner-, Rinder- und Schweinehaltung in den letzten Jahren immer wieder bestätigt. Unsere Tests von Grillwürsten und Grillfleisch zeigten etwa: Die Schweine leben eingepfercht in engen Ställen. Viele werden ohne Betäubung kastriert, die Schwänze werden ihnen abgeschnitten.

    Die Haltungsbedingungen machen die Tiere krank – und statt die Haltungsbedingungen zu verbessern, bekommen die Tiere Antibiotika. Rückstände davon hat ÖKO-TEST in wenigen Fällen in Grillfleisch und -würsten nachgewiesen. In Grillfleisch fanden die von uns beauftragten Labore in einigen Fällen auch multiresistente Keime.

    Und jetzt? Wir meinen: Nichtgrillen ist auch keine Alternative. Denn: Sie haben es selbst in der Hand, Ihr Grillfest so zu gestalten, dass Umwelt, Klima und Tiere möglichst unbeschadet davonkommen. Wir helfen Ihnen mit den folgenden Tipps dabei – versprochen!

    Nachhaltig grillen: Mit diesen Tipps klappt's

    1. Dämmen Sie den Rauch ein

    Das Umweltbundesamt (UBA) empfiehlt, statt eines klassischen Holzkohle-Grills einen Gas- oder Elektrogrill zu verwenden, um die Luft weniger zu belasten.

    Wenn es doch Kohle sein soll, lässt sich die Rauchentwicklung mit einem Anzündkamin (eine Art Metallzylinder, der das Anzünden beschleunigt) und guter Luftzufuhr geringer halten. Davon profitiert nicht nur die Atmosphäre, sondern auch die Atemwege der Grillfest-Teilnehmer und Nachbarn.

    "In Innenhöfen und auf Balkonen sollte man es ganz vermeiden, mit Holzkohle zu grillen", sagte Christian Liesegang vom UBA uns 2020. Neben dem Qualm sei der Funkenflug nicht zu unterschätzen. Deshalb: Nicht unter Bäumen oder auf trockenen Wiesen grillen.

    Besser für die Umweltbilanz: Gemüse statt Fleisch auf dem Grill-Teller.
    Besser für die Umweltbilanz: Gemüse statt Fleisch auf dem Grill-Teller. (Foto: Westend61/Shutterstock)

    2. Kaufen Sie bessere Kohle

    Über 65 % der Deutschen grillen mit Holzkohle. Da ist es eigentlich ein Skandal, dass Grillkohle aus Raubbau in Urwäldern bis heute nicht verboten ist. Steht auf der Verpackung gar keine Angabe zur Herkunft oder Baum-Art, sollten Sie skeptisch sein. In unserem Test Grillkohle haben wir überprüft, welche tropischen oder nichttropischen Baumarten in den Tüten stecken.

    Umweltschutzorganisationen wie WWF und Pro Regenwald empfehlen Kohle mit dem Siegel des Öko-Verbands Naturland. Naturland macht nicht strengere Vorgaben für eine nachhaltige Waldwirtschaft als das Label des Forest Stewardship Council (FSC), sondern regelt auch die Verarbeitung – zum Beispiel dass die Kohle in einem geschlossenen Verfahren verarbeitet und auch die dabei entstehende Abwärme sinnvoll genutzt wird.

    Im Zweifel sind aber auch Produkte mit FSC-Zertifizierung vertrauenswürdiger als solche mit vager Werbung wie "ohne Tropenholz", "Naturprodukt" oder "aus bewirtschafteten Forstbeständen".

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      3. Essen Sie weniger Fleisch

      Je mehr Gemüse und je weniger tierische Produkte auf den Grill kommen, desto besser ist die Umweltbilanz! Wenn es Fleisch sein soll: Schweinefleisch und Geflügel sind, siehe oben, weniger klimaschädlich als Rindfleisch und Grillkäse.

      Bemerkungen über Sojasteaks nach dem Motto "Für den Sojaanbau wird doch auch Regenwald abgeholzt" entbehren übrigens jeder Grundlage. Gerade einmal zwei Prozent des weltweiten Sojaanbaus werden direkt zu Lebensmitteln für den Menschen verarbeitet. Das meiste landet im Trog der Tiere.

      4. Bevorzugen Sie Bio-Fleisch

      Bio-Tiere haben's besser. Klar: Besser heißt nicht gut. Auch im Bio-Bereich gibt es teils kritikwürdige Haltungsbedingungen. Aber für gewöhnlich haben die Tiere mehr Platz und Auslauf. Dabei ist das EU-Bio-Label unterer Standard – die Anbauverbände Bioland, Demeter und Naturland sind strenger.

      Auch das Fleisch mit dem Label des Vereins Neuland steht für höhere Anforderungen ans Tierwohl. Würstchen in Bio-Qualität haben noch den gesundheitlichen Vorteil, dass sie frei von Phosphat sind.

      5. Wählen Sie Fisch sorgsam aus

      Grillen Sie möglichst ungefährdete Fischarten. Dazu zählen zum Beispiel Karpfen oder Bio-Forelle aus heimischer Zucht sowie Wildlachs aus Alaska mit dem Label des Marine Stewardship Council (MSC). Unsere Tipps:

      Nachhaltig grillen: Wer auf viel Gemüse, Bio-Fleisch und ungefährdeten Fisch setzt, macht vieles richtig.
      Nachhaltig grillen: Wer auf viel Gemüse, Bio-Fleisch und ungefährdeten Fisch setzt, macht vieles richtig. (Foto: Shutterstock/Photographee.eu)

      6. Nutzen Sie wiederverwendbare Grillschalen

      Nutzen Sie nach Möglichkeit keine Aluschalen, sondern besser wiederverwendbare Grillschalen aus Edelstahl oder Keramik. Aluschalen sind für säurehaltige oder salzige Speisen ohnehin nicht geeignet, weil Aluminium auf die Lebensmittel übergehen kann.

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