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Massensterben in Norwegen: Warum acht Millionen Lachse ersticken mussten

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Essen und Trinken | 04.06.2019

Massensterben in Norwegen: Warum acht Millionen Lachse ersticken mussten
(Foto: Fotolia / radzonimo & driftwood)

Eine große Zahl an norwegischen Zuchtlachsen ist auf qualvolle Weise verendet. Auch die Lachsindustrie könnte eine Mitschuld daran tragen. Ein Ende des Sterbens ist noch nicht in Sicht.

Acht Millionen Lachse in norwegischen Fischfarmen hat ein grässliches Schicksal ereilt. Grund dafür sind Mikroalgen, die sich momentan an der Küste Nordnorwegens ausbreiten. Die Algen kleben an den Kiemen der Fische fest und führen zu einem grausamen Erstickungstod. Da die Zuchtlachse in den Fischfarmen in Käfigen gefangen sind, können sie, anders als Wildlachse, nicht wegschwimmen. 

Algenblüte führt zu Massensterben bei Zuchtlachsen

An sich sind die blühenden Algen Chryschomulina laedbaeteri harmlos und ein wichtiger Bestandteil der Nahrungskette. Das warme Wetter der letzten Zeit hat die Algen an der norwegischen Nordküste aber extrem blühen lassen. "Obwohl die Algenblüte ein natürliches Ereignis ist, ist sie selten so konzentriert und tödlich wie in diesem Jahr", so Aleksander Balteskard, ein Sprecher von Northern Lights Salmon und Sorrollnesfisk gegenüber The New York Times. Die Population von Meeresalgen kann explodieren, wenn sich das Wasser erwärmt oder die Strömung schwächer wird. Damit trägt auch der Klimawandel zum momentanen Massensterben in Norwegen bei.

Von der tödlichen Algenblüte betroffen sind die Regionen Troms und Nordland. "Es ist zu früh zu sagen, wie groß die Verluste für die Produzenten sein werden. Vorläufige Zahlen deuten auf acht Millionen tote Fische hin, was 40.000 Tonnen Lachs entspricht, die keine Märkte erreichen", sagte der Analyst des Seafood Council, Paul Aandahl. Die erstickten Fische dürfen nicht auf den Markt gebracht werden und können nur noch zu Tierfutter verarbeitet werden. Ein Ende des Lachssterbens ist laut der staatlichen norwegischen Fischereidirektion noch nicht in Sicht.

Sind Fischfarmen schuld an der extremen Algenblüte?

Die Lachszucht trägt zur Überdüngung der Meere bei und fördert damit das Wachstum der Algen, darin sind sich Experten einig. Wie groß der Beitrag an dem Problem ist, dazu gehen die Meinungen auseinander. 

Das norwegische Institut für Meeresforschung verweist auf Untersuchungen, die zeigen, dass die Aquakultur nicht der Verursacher der Algenblüte ist. Vivian Husa, die die Emissionen aus der Aquakultur untersucht hat, sagt jedoch: "Wir können nicht ausschließen, dass anorganische Nährstoffe aus Fischfarmen dazu beitragen, die Blüte nach dem Start zu verlängern." 

Nach wie vor ist die Lachszucht äußerst umstritten, die Massentierhaltung hat viele Nachteile: Die Tiere sind gestresst und beißen sich gegenseitig. In unserem Test Lachs zeigte sich: Zuchtlachse sind oft mit dem krebsverdächtigen Konservierer Ethoxyquin belastet.

In jüngster Vergangenheit sorgten auch Lachsläuse für eine Bedrohung der Zuchtlachsbestände. Die Algenflut ist ein weiterer herber Schlag für die Lachsindustrie in Norwegen – denn das Land ist der größte Lachs-Exporteur weltweit. 

ÖKO-TEST rät: Essen Sie Lachs angesichts all dieser Probleme am besten nur zu besonderen Anlässen – und dann aus der heimischen Bio-Fischzucht oder als Wildlachs.

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