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Klimawandel lässt Kaffee knapp werden

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Essen und Trinken | 04.10.2019

Klimawandel lässt Kaffee knapp werden
(Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / Engin_Akyurt)

Kaffee gehört für viele Menschen zum Start in den Tag einfach dazu. Das könnte sich in den nächsten Jahren ändern: Die empfindlichen Kaffeepflanzen leiden unter dem Klimawandel.

Morgens mindestens ein Kaffee zum Wachwerden und Nachmittags noch einer zum Wachbleiben – im Jahr trinken wir Menschen in Deutschland im Schnitt 164 Liter Kaffee. Die momentan äußerst günstigen Kaffeepreise befeuern den Trend. Experten warnen in einer aktuellen Studie jedoch, dass Kaffee vielleicht schon bald zum unerschwinglichen Luxusgut wird. 

Auf der anderen Seite wird sich die Nachfrage nach Kaffee bis zum Jahr 2050 fast verdoppeln. Vor allem in den asiatischen Ländern wird der Kaffeeverbrauch ansteigen.

Klimawandel wirkt sich auf Kaffeeanbau aus

In der britischen Tageszeitung The Guardian schlägt Greg Meenahan, Partnership-Director des gemeinnützigen "World Coffee Research"-Instituts Alarm: "Wenn nichts unternommen wird, wird mehr als die Hälfte der Anbauflächen für Kaffee aufgrund des Klimawandels nicht mehr geeignet sein." Die Klimaerwärmung könnte die wichtigsten Kaffeeanbaugebiete der Welt zerstören, so die Warnung des Wissenschaftlers. In den nächsten Jahrzehnten werde es weniger Anbauflächen geben, die Ernte werde immer geringer ausfallen. Bei seinen Aussagen bezieht sich das Institut auf seine Untersuchung von 35 Kaffeesorten in 23 Ländern.

(Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / elizabethfm89)

Kaffeepflanzen leiden unter Hitze, Nässe und Krankheiten

Die Kaffeepflanze ist ein empfindlihes Pflänzchen: Sie liebt tropisches Klima. Das sollte aber möglichst stabil sein. Steigende Temperaturen und ein Anstieg der Niederschläge wirken sich negativ auf Ertrag und Aroma aus. In Mittelamerika kämpfen die Kaffeebauern gegen den Kaffeeblattrost, der durch ungewöhnlich hohe Temperaturen und Regenfälle verursacht wird. Der Klimawandel sorgt auch dafür, dass der Kaffeekirschenkäfer auf höhere Lagen ausweicht. Inzwischen bedroht der Schädling auch Plantagen, die in Höhen über 1.500 Metern liegen. In Costa Rica haben bereits einige Bauern den Kaffeeanbau aufgegeben und sind auf das Geschäft mit Orangen umgestiegen.

(Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / Taufik_81)

Kaffee: Billig wie nie

Derzeit ist der Kaffeepreis so billig wie seit langem nicht mehr. Der Hauptgrund für den niedrigen Weltmarktpreis ist ein Überangebot. Die Exportmenge steigt von Jahr zu Jahr, die größten Kaffee-Exporteure sind Brasilien und Vietnam. Während wir uns über die günstigen Preise für unseren morgendlichen Kaffees freuen, sind sie für die Kaffeebauern existenzbedrohend: Der Kaffeeanbau ist für viele Kleinbauern nicht mehr rentabel.

Weiterlesen: >> Kaffeebohnen-Test: Nur fünf Espresso-Kaffees empfehlenswert

Mindestens 60% der Kaffeearten sind vom Aussterben bedroht

Und noch eine schlechte Nachricht aus der Welt des Kaffees: 60 Prozent der wild lebenden Kaffeesorten sind vom Aussterben bedroht, warnen Forscher der britischen "Kew Royals Botanic Gardens" in London. Verantwortlich dafür sind der Klimawandel, Abholzung, die zunehmenden Dürren sowie Krankheiten.  

Wilde Kaffeesorten sind für die Entwicklung der Kaffeepflanzen und für die genetische Vielfalt wichtig. "Diese Arten haben nützliche Eigenschaften für die Kaffeentwicklung, wie Klimatoleranz, Schädlings- und Krankheitsresistenz, niedrigen oder koffeinfreien Gehalt und Geschmacksverbesserung", so die britischen Wissenschaftler.
Die Studie wurde im Wissenschaftsmagazin "Science Advances" veröffentlicht.

Auswege aus der Kaffee-Misere 

Höhere Lagen wären für die Kaffeeproduktion in den traditionellen Anbauländern förderlich: Hier ist es kühler, der Kaffee könnte besser und gesünder gedeihen. Für neue Anbauflächen in den Hochebenen müsste jedoch Wald gerodet werden – in Zeiten, in denen an allen Fronten gegen den Klimawandel gekämpft wird, keine gute Idee.

Bald Kaffee aus Australien?

Eventuell kann Australien die Kaffeebohne retten. "In Australien haben wir derzeit keinen Kaffeerost, keinen Kirschbohrer oder andere große Schädlinge und Krankheiten. Dies ist im Vergleich zu den meisten Produktionsgebieten der Welt einzigartig", so Graham King von der australischen Southern Cross University. Derzeit werden dort 20 klimaresistente Sorten getestet.

Die australische Kaffee-Produktion ist momentan aber noch so gering, dass sie nicht einmal die Inlandsfrage befriedigen könnte. Zudem soll australischer Kaffee zehn bis 15 Prozent weniger Koffein enthalten als Kaffee aus Lateinamerika oder Afrika. Ein hoher Koffein-Gehalt ist nicht nur uns Kaffeetrinkern wichtig, Koffein hilft den Pflanzen auch dazu, Schädlinge und Krankheiten fernzuhalten.

ÖKO-TEST rät: Kaufen Sie am besten Fairtrade-Kaffee. Im gut sortierten Fairtrade-Handel finden sich einzelne Kaffeesorten, die komplett im Anbauland verarbeitet werden. Das sind beispielsweise Angelique's Finest, Nica-Kaffee von Café Chavalo, El Puente und GEPA-Kaffee.

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