Gutes Eis erkennen: Worauf Sie in der Eisdiele achten sollten

Autor: Brigitte Rohm/Lino Wirag | Kategorie: Essen und Trinken | 15.06.2024

Gutes Eis erkennen: Worauf Sie in der Eisdiele achten sollten
Foto: Shutterstock/Markus Photo and video

Bunt, sahnig-cremig und einfallsreich dekoriert: So verlockend präsentiert sich Speiseeis häufig in der Eisdiele. Aber was steckt hinter Aussagen wie "aus eigener Herstellung"? Wie kann es sein, dass "Pistazieneis" keine Pistazien enthält? Wir verraten, wie leicht man an der Eistheke getäuscht werden kann. 

Der Gang zur Eisdiele ist schon an warmen Frühlingstagen für viele ein genussvolles Ritual, und lange Schlangen vor den Vitrinen sind im Sommer keine Seltenheit. Kein Wunder, dass der Süßwarenverband angibt, dass jeder Deutsche pro Jahr rund 1,5 Liter Eis aus der Eisdiele "verschleckt". Das entspricht etwa 20 Kugeln. 

Wer gesundheitsbewusst ist, weiß, dass Speiseeis nicht nur aus Milch und Minusgraden besteht, sondern auch viele Zusatzstoffe enthalten kann: Aromen, Emulgatoren, Stabilisatoren … Und nicht alle dieser Zusätze sind immer erwünscht. Worauf kann man achten? 

Speiseeis aus hochwertigen Zutaten zu identifizieren, ist leider gar nicht so einfach. Denn an der Eistheke existiert wenig, was dazu Orientierung bieten würde. Hinweise wie "aus eigener Herstellung" oder "selbst gemacht" geben beispielsweise keinen Aufschluss darüber, ob es sich um gutes Eis handelt.

Werbung mit Versprechen wie "eigene Herstellung"

Wie die Verbraucherzentrale weiß, genügt es für die Werbung mit Versprechen wie "eigene Herstellung" bereits, das Eis vor Ort aus fertigem Eispulver anzurühren. In anderen Fällen reichern Betriebe eine fertig gelieferte Grundeismasse aus Milch- und Sahnepulver, Dextrose und Bindemittel mit frischen Zutaten wie Früchten, Nüssen oder Schokolade an. Das Eis sieht dann nur so aus, als sei es vollständig frisch hergestellt worden.

Eisdielen-Betreiber können sich aber auch noch weniger Arbeit machen – und sich ihr Eis fertig zubereitet, abgefüllt und verziert von einem anderen Betrieb liefern lassen. Wird dann noch eine angeblich "eigene Herstellung" versprochen, werten die Verbraucherschützer das als Täuschung am Kunden. Sie fordern, zukünftig eindeutig zu regeln, was Verbraucher hinter entsprechenden Werbe-Hinweisen erwarten dürfen.

Umweltfreunde nehmen übrigens lieber nur die Waffel – die kann wenigstens kompostiert werden. Der Plastiklöffel hingegen nicht.
Umweltfreunde nehmen übrigens lieber nur die Waffel – die kann wenigstens kompostiert werden. Der Plastiklöffel hingegen nicht. (Foto: CC0/Unsplash.com/Michel Stockman )

Laut Vorschrift müssen an der Eistheke bislang nur Hinweise auf Allergene und bestimmte Zusatzstoffe wie Farbstoffe angegeben werden – beispielsweise bei optisch auffälligen Sorten wie "Engelblau" oder "Schlumpf". Hinweise auf andere Zusätze oder etwa eine vollständige Zutatenliste sind hingegen nicht vorgeschrieben.

Standards für Speiseeis? Leider unverbindlich

Im Deutschen Lebensmittelbuch (DLMB) existiert lediglich eine Reihe von Leitsätzen für Speiseeis, die angeben, wie Produkte im Handel korrekt auszuzeichnen sind. Die DLMB-Standards sind zwar nicht rechtsverbindlich, bieten jedoch eine wichtige Orientierung für Produzenten, Händler und die Lebensmittelüberwachung.

Zu den DLMB-Leitsätzen gehören beispielsweise:

  • Der Begriff "Eis" erlaubt die Verwendung pflanzlicher Fette (wie Kokosfett), die oft billiger und minderwertiger sind als Milchfette.
  • "Eiscreme" hingegen sollte mindestens zehn Prozent Milchfett enthalten.
  • "Milcheis" sollte sogar mindestens 70 Prozent Milchfett enthalten. Was die Zutaten betrifft, ist es daher – wie Eiscreme – oft hochwertiger als bloßes "Eis".
  • "Fruchteis" sollte mindestens 20 Prozent Fruchtanteil enthalten.
  • Ist bei "Schokoladeneis" ein Stück Schokolade abgebildet, sollte der Hersteller im Produkt auch solche verwenden – und nicht bloß Kakao.
  • Gleiches gilt für die Abbildung von Vanilleblüten oder -schoten bei "Vanilleeis".
  • Trägt das Produkt hingegen den Namen "Eis mit Vanillegeschmack", deutet das auf den Einsatz von künstlichem Vanillin hin.

Da Bourbon-Vanille starken Preisschwankungen unterliegen kann und verhältnismäßig teuer ist, dürfte "echtes" Vanilleeis eher die Ausnahme sein als die Regel. Auch die typischen, schwarzen Pünktchen im Vanilleeis müssen noch kein Qualitätsmerkmal sein: Sie stammen meist nicht vom Vanillemark, sondern von den billigeren Vanilleschoten.

Bei Nusseis wird gern mal getrickst

Das gleiche beim Nusseis: Heißt es tatsächlich so (nämlich "Nusseis"), muss der Nussanteil laut DLMB bei mindestens fünf Prozent liegen und der nussige Geschmack deutlich wahrnehmbar sein. "Eis mit Nussgeschmack" hingegen basiert geschmacklich ganz oder mehrheitlich auf zugesetzten Aromen. Echte Nüsse? Müssen nicht enthalten sein.

Für Pistazieneis gibt es gar keine Leitlinien – nur nach Pistazie sollte es schon schmecken. Oft gelingt noch nicht einmal das, wie die NDR-Verbrauchersendung "Markt" vor drei Jahren aufdeckte. Sie kaufte verschiedene Nusseis-Sorten in mehreren Eiscafés und schickte Stichproben davon ins Labor.

Das Ergebnis: Vor allem bei Pistazieneis wurden Aromen zugesetzt. Eine Schummel-Probe schmeckte noch nicht einmal nach Pistazien – das Einzige, was an die Eissorte erinnerte, war die grüne Farbe. Sie wird zum Beispiel durch Pflanzenextrakte erzielt. Solche färbenden Naturbeigaben gelten rechtlich als Zutaten und müssen daher nicht gekennzeichnet werden – im Gegensatz zu reinen Farbstoffen.

Oft hilft nur: Beim Eiscafé nachfragen, was sich im jeweiligen Produkt genau verbirgt.
Oft hilft nur: Beim Eiscafé nachfragen, was sich im jeweiligen Produkt genau verbirgt. (Foto: CC0/Unsplash.com/Erwan Hesry)

Quietschbunte Farben und mangelnde Sauberkeit 

Indizien dafür, dass es sich um minderwertiges Eis handelt, können folgende Beobachtungen sein:

  • Es gibt Dutzende verschiedene Sorten in quietschbunten Farben – ein Hinweis auf den Einsatz von Zusatzstoffen.
  • Mangelnde Sauberkeit zum Beispiel durch Eisportionierer, die nur kurz in Wasser getaucht werden, oder dreckige Schürzen, die zu erhöhten Keimzahlen in der Eiscreme führen können.

Echte Handwerkseisdielen haben meist eher wenige, dafür aber ausgewählte Geschmacksrichtungen und stellen die Eissorten aus Zutaten wie Milch, Sahne, Zucker, Früchten und Gewürzen frisch her.

Um sicher herauszufinden, ob das Eis tatsächlich auf diese Weise produziert wird, hilft leider nur eines: Bei der Eisdiele direkt nachfragen.

Eis aus dem Supermarkt – die bessere Wahl?

Wer Eis aus dem Supermarkt kauft, statt zur Eisdiele zu gehen, trifft damit nicht automatisch die bessere Wahl. Wer hochverarbeitete Produkte vermeiden will, die sich durch viele oft unnötige Zusätze auszeichnen, sollte die Zutatenliste studieren.

Auch Datenbanken wie OpenFoodFacts können bei der Orientierung helfen. Bio-Eis kommt fast immer mit weniger Zusatzstoffen aus.

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