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Gentechnisch veränderte Lebensmittel: Welche Zusatzstoffe aus dem Labor kommen

Autor: Redaktion | Kategorie: Essen und Trinken | 20.04.2012

Zusatzstoffe – immer öfter aus dem Gen-Labor
Foto: Shutterstock/wk1003mike

Saft, Brot, Käse und vieles mehr wird mithilfe gentechnisch veränderter Zutaten hergestellt. Doch Verbraucher erfahren davon auf dem Etikett nichts. Wir zeigen, bei welchen Inhaltsstoffen – Vitamine, Süßstoffe, Farbstoffe, Geschmacksverstärker & Co. – Gen-Technik ins Spiel kommen kann.

Was haben Zusatzstoffe mit Gen-Technik zu tun?

Unterscheiden muss man zwischen Zusatzstoffen, die …

1. … direkt mit Gen-Technik in Berührung gekommen sind, und solchen, die nur indirekt damit zu tun haben. Eine direkte Verbindung besteht, wenn ein Zusatzstoff aus einem gentechnisch veränderten Rohstoff hergestellt wird. Lecithin (E 322) beispielsweise stammt aus gentechnisch veränderten Sojabohnen: Es wird aus der Sojamasse extrahiert und gereinigt und ist selbst meist frei von der manipulierten Erbsubstanz der Pflanze, der DNA.

2. Nur indirekt kommen hingegen Zusatzstoffe mit der Gen-Technik in Kontakt, wenn für ihre Herstellung gentechnisch manipulierte Mikroorganismen genutzt werden. Das ist bei Enzymen, Aromastoffen, Verdickungsmitteln oder Konservierungsstoffen der Fall.

Beispielsweise bei der Herstellung des für die Käseerzeugung wichtigen Enzyms Chymosin: Hier wird aus dem Magen von Kälbern ein Chymosin-Gen isoliert und auf genmanipulierte Mikroorganismen wie Bakterien, Schimmelpilze und Hefen übertragen. Diese werden dann in geschlossenen Systemen bebrütet, sodass sie Chymosin abgeben. Das so gewonnene Chymosin wird von dem Kultursubstrat abgetrennt und von möglichen Gen-Rückständen gereinigt.

3. Daneben gibt es zahlreiche Zusätze, die sich nicht eindeutig zuordnen lassen. Wird Vitamin C aus der Stärke von gentechnisch verändertem Mais hergestellt, kann die Gewinnung sowohl als direkt (weil aus Gen-Mais) als auch indirekt angesehen werden, weil das Vitamin in mehreren Schritten synthetisiert wird, sodass das Endprodukt kaum noch etwas mit dem Gen-Rohstoff gemein hat.

Hier ist Gen-Technik im Spiel!

Bei welchen Inhaltsstoffen von Lebensmitteln können genetisch veränderte Lebensmittel oder Rohstoffe zum Einsatz kommen? ÖKO-TEST klärt auf über …

  • Aromastoffe
  • Emulgatoren
  • Enzyme
  • Farbstoffe
  • Geschmacksverstärker
  • Süßstoffe
  • Verdickungsmittel
  • Vitamine
  • Sonstige Zusatzstoffe

Aromastoffe

Welche Zusätze? Vanillin, Butteraroma, Frucht-, Nuss- und Brataromen

Inwiefern ist Gen-Technik im Spiel? Aromen können direkt aus gentechnisch manipulierten Mikroorganismen gewonnen werden (zum Beispiel Vanillin) oder von aromabildenden Bakterien und Schimmelpilzen, die auf Nährböden mit Gen-Mais oder -Zucker wachsen. Gen-Enzyme spalten auch aus Hefe oder Käse direkt Aromen ab.

Wo können sie drinstecken? In sämtlichen aromatisierten Lebensmitteln, etwa Süßigkeiten, Fruchtjoghurts und -drinks.

Emulgatoren

Welche Zusätze? Lecithin (E 322), Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren (E 471)

Inwiefern ist Gen-Technik im Spiel? Lecithin kann, wie auch E 471, aus Sojabohnen gewonnen sein. Da ein Großteil der weltweiten Sojaernte gentechnisch verändert ist, ist die Gewinnung dieser Zusätze aus Gen-Sojabohnen möglich.

Wo können sie drinstecken? Lecithin in Margarine, Mayonnaise, Salatsoßen; E 471 eignet sich zum Frischhalten von Brot- und Feinbackwaren, verestert mit Säuren auch für Speiseeis, Desserts und Backmischungen.

Enzyme

Welche Zusätze? Amylasen (E 1100), Proteasen (E 1101), Pectinasen, Invertase (E 1103), Lipasen

Inwiefern ist Gen-Technik im Spiel? Amylasen werden von gentechnisch veränderten Pilzen oder Bakterien produziert, ebenso Proteasen (Chymosin). Pectinasen können mit gentechnisch veränderten Bakterien hergestellt werden, Invertase aus Gen-Hefen, Lipasen aus genmanipulierten Schimmelpilzen.

Wo können sie drinstecken? Chymosin in Schnitt- und Hartkäse; Amylasen sind Hilfsmittel für die Herstellung von Backwaren, alkoholischen Getränken und Fruchtsäften; Pektinasen für Frucht- und Gemüsesäfte, Rotwein, Gemüsekonzentrate und Zitrusaroma. Invertase bzw. der damit gebildete Invertzucker dient als Zusatz zu Süßigkeiten, weil er nicht auskristallisiert. Lipasen machen Nudel- und Brotteige geschmeidig.

Farbstoffe

Welche Zusätze? Riboflavin und Riboflavin-5-Phosphat (E 101), die eine grünlich-gelbe Farbe haben.

Inwiefern ist Gen-Technik im Spiel? Die Farbstoffe werden gentechnisch aus Bacillus subtilis hergestellt.

Wo können sie drinstecken? Eingesetzt werden sie zur Gelbfärbung von Mayonnaise, Suppen, Speiseeis, Gurkenkonserven oder Puddingpulver.

Geschmacksverstärker

Welche Zusätze? Glutamat (E 620-625), Glycin (E 640), Inosinsäure (E 630)

Inwiefern ist Gen-Technik im Spiel? Gentechnisch veränderte Mikroorganismen verwerten Aminosäuren und bilden daraus geschmacksverstärkende Stoffe.

Wo können sie drinstecken? Glutamat in Knabberartikeln, Tütensuppen, Fertiggerichten, Instantbrühe, Tortellini, Wurst- und Fleischwaren. Glycin verstärkt unter anderem den Geschmack von Süßstoffen und Inosinsäure in Suppen, Soßen, Knabberartikeln und Fleischwaren.

Süßstoffe

Welche Zusätze? Aspartam (E 951), Thaumatin (E 957)

Inwiefern ist Gen-Technik im Spiel? Der Aspartambaustein L-Phenylalanin wird mithilfe von Gen-Mikroorganismen aus Eiweiß gewonnen. Das Thaumatin-Gen wurde in gentechnisch manipulierte Mikroorganismen eingebracht und kann von diesen erzeugt werden.

Wo können sie drinstecken? In Diätprodukten, Lightlebensmitteln, Lightsäften und -erfrischungsgetränken mit Süßstoff, als kalorienarme Streu-, Tabletten- und Flüssigsüße (Aspartam), in "zahnfreundlichen" Süßigkeiten.

Verdickungsmittel

Welche Zusätze? Zellulose (E 460), Xanthan (E 415)

Inwiefern ist Gen-Technik im Spiel? Zellulose wird aus gentechnisch veränderter Baumwolle gewonnen, Xanthan mithilfe von Gen-Bakterien und Gen-Mais oder -Soja.

Wo können sie drinstecken? In Backwaren, Eis, Wurstwaren, Fertiggerichten, Salatdressings, Senf und Diätprodukten.

Vitamine

Welche Zusätze? Vitamin B2, B12, C, Biotin und eventuell Vitamin E

Inwiefern ist Gen-Technik im Spiel? Sie werden, je nach Substanz, mithilfe von gentechnisch veränderten Mikroorganismen oder aus Gen-Sojabohnen hergestellt.

Wo können sie drinstecken? Je nach Vitamin in Tütensuppen, Kinderwurst, Cornflakes, ACE-Säften, aber auch als Antioxidans in Säften (Vitamin C). Vitamin B2 dient zudem als Farbstoff.

Sonstige Zusätze

Welche Zusätze? Zitronensäure (E 330), Beta-Cyclodextrin (E 459), L-Cystein (E 920), Cystin (E 921), Nisin (E 234) und Natamycin (E 235)

Inwiefern ist Gen-Technik im Spiel? E 330 wird mithilfe gentechnisch manipulierter Schimmelpilze auf Zuckerlösungen erzeugt, die aus Gen-Mais gewonnen sind. E 459 ist ein Abbauprodukt der Stärke, die meist mit gentechnisch veränderten Mikroben erzeugt wird. Cystein und Cystin werden mithilfe von gentechnisch veränderten Kolibakterien hergestellt. Nisin und Natamycin werden von Schimmelpilzen gebildet.

Wo können sie drinstecken? Zitronensäure ist Säure- und Antioxidationsmittel in Softgetränken, steckt aber auch in Fertiggerichten, Wurst und Desserts. E 459 dient als Füllstoff und Geschmacksstabilisator für Aromen. Cystein und Cystin sind in Backmitteln als "Antischnurrmittel" zur Herstellung von Brot und Brötchen üblich, weil sie verhindern, dass der Teig beim Backen zusammenfällt. Außerdem stecken sie in Fleisch- und Röstaromen für Fertigprodukte und vegetarische Gerichte. Nisin und Natamycin sind Konservierungsstoffe. Nisin kann in Schmelzkäse und gereiftem Käse enthalten sein, in Grießpudding und Mascarpone. Natamycin wird zur Konservierung von Oberflächen bzw. Rinden von Schnitt- und Hartkäse eingesetzt.

Taugt das Logo "Ohne Gentechnik" etwas?

Das Logo stellt zwar hohe Anforderungen, garantiert aber keine Freiheit von Gen-Technik und ist daher eine Mogelpackung. Grundlage ist das EG-Gentechnik-Durchführungsgesetz vom 1. April 2008. Danach dürfen Ohne-Gentechnik-Lebensmittel weder ein gentechnisch veränderter Organismus (GVO) sein - also etwa Gen-Mais aus der Dose - noch daraus hergestellt werden. Trotzdem können die Produkte an verschiedenen Stellen mit Gen-Technik in Berührung kommen.

Beispiel: Fleisch, Milch und Eier. Hier besagen die Vorschriften zwar, dass die Tiere kein gentechnisch verändertes Futter erhalten dürfen. Doch der Teufel steckt im Detail. Denn die Vorschriften beziehen sich nicht auf die gesamte Lebensspanne der Tiere, sondern nur auf eine bestimmte Zeit vor der Schlachtung oder bei Kühen vor Beginn der Laktationsphase. Schweine dürfen noch bis vier Monate vor der Schlachtung Gen-Futter erhalten. Bei Milchkühen reichen drei Monate Umstellungszeit aus, um eine Milch zu einer Milch Ohne Gentechnik zu machen. Bei Legehennen beträgt die Zeit, in der sie kein genhaltiges Futter erhalten dürfen, sechs Wochen. Auch werden in den als genfrei geltenden Futtermitteln zufällige, technisch unvermeidbare Beimischungen von Gen-Futter bis zu einem Schwellenwert von 0,9 Prozent akzeptiert. Zudem dürfen Futterzusätze wie Vitamine und Eiweiße aus gentechnischer Erzeugung stammen und Impfungen und Arzneimittel, die die Tiere benötigen, können mithilfe der Gen-Technik erzeugt worden sein.

Bei verarbeiteten Lebensmitteln Ohne Gentechnik sind Zutaten und Zusatzstoffe, Vitamine und Aminosäuren, Aromen und Enzyme aus gentechnischen Pflanzen prinzipiell tabu. Aber es gibt Ausnahmen: Sind Zusatz- und Hilfsstoffe nicht aus gentechnikfreier Herstellung verfügbar, dürfen gemäß EU-Öko-Verordnung für Bio-Produkte zugelassene verwendet werden. In pflanzlichen Lebensmitteln "ohne Gentechnik" werden zudem zufällige, technisch unvermeidbare GVO-Verunreinigungen bis zur Nachweisgrenze von 0,1 Prozent toleriert.

Besser wäre die umgekehrte Deklaration. Alles was Gen-Technik enthält oder mit ihrer Hilfe erzeugt wurde, müsste entsprechend gekennzeichnet werden. Dann erführen die Verbraucher, wie weit sich die Gen-Technik inzwischen ausgebreitet hat - obwohl die Mehrheit sie ablehnt.

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