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Fruchtsaft verkürzt das Leben? Was eine neue Schock-Studie wirklich aussagt

Autor: Brigitte Rohm | Kategorie: Essen und Trinken | 25.05.2019

Fruchtsaft verkürzt das Leben? Was eine neue Schock-Studie wirklich aussagt
(Foto: CC0 Public Domain / Pixabay - JESHOOTS-com)

Sie sollen sogar schlimmer sein als Softdrinks wie Cola und Fanta: Eine aktuelle US-Studie kommt zu dem Schluss, dass Säfte mit 100 Prozent Fruchtgehalt das Sterberisiko drastisch erhöhen. Doch die Untersuchung hat viele Schwächen.

Wer auf seine täglichen fünf Portionen Obst und Gemüse kommen möchte, trinkt gerne mal ein Glas Saft. Eine neue US-Studie, die derzeit im Netz kursiert, verdirbt jedoch die Lust darauf: Sie warnt, dass schon 350 Milliliter Fruchtsaft täglich das Risiko eines vorzeitigen Todes um ganze 24 Prozent erhöht – während die entsprechende Menge Cola nur auf elf Prozent kommt.

Die Forscher, die an verschiedenen US-amerikanischen Universitäten arbeiten, haben ihre Ergebnisse im Fachblatt "Jama Network Open" veröffentlicht. Ist nun tatsächlich Panik angebracht? Bevor man Fruchtsäfte zu geradezu tödlichen Getränken erklärt, lohnt es sich, die Methoden der Studie genauer anzusehen. Denn dabei werden etliche Mängel sichtbar.

Daten von 13.440 Studienteilnehmern

Von den 13.440 mehr als 45 Jahre alten Probanden waren nach sechs Jahren 1168 gestorben – 168 von ihnen an den Folgen einer koronaren Herzkrankheit (KHK) wie etwa einem Herzinfarkt. Im Schnitt waren die Teilnehmer bereits zu Studienbeginn bereits 64 Jahre alt. Zudem waren 71 Prozent von ihnen übergewichtig oder fettleibig.

Bei einem Abgleich mit den Daten zum jeweiligen Fruchtsaft- und Softdrink-Konsum stellten die Forscher den genannten statistischen Zusammenhang fest – jedoch belegt dies noch kein Ursache-Wirkungsprinzip.

Lediglich einmal zu Beginn der Studie mussten die Teilnehmer einen Fragebogen zu ihren Ernährungsgewohnheiten ausfüllen. Darauf sollten sie angeben, wie oft sie bestimmte Lebensmittel und Getränke verzehrten. Diese Momentaufnahme berücksichtigte jedoch keine Veränderungen im Laufe der folgenden Jahre – vielleicht hatten sich die verstorbenen Probanden grundsätzlich weniger gesund als andere ernährt, sodass die Ernährung als Ganzes ein Risikofaktor gewesen sein könnte.

Die Vorgehensweise lässt nur bedingt Rückschlüsse zu

Auch lässt sich nicht ermitteln, wie ehrlich die Probanden tatsächlich bei ihren Antworten waren. Und schließlich ist nichts über die Gründe bekannt, aus denen Menschen Fruchtsaft konsumierten. Möglicherweise wollten einige gezielt ihr Immunsystem stärken, da sie ohnehin eine labile Gesundheit hatten – was wiederum ein sowieso schon vorhandener Risikofaktor für einen vorzeitigen Tod wäre. 

Im Übrigen ist die von den Wissenschaftlern mit 350 Millilitern angesetzte Fruchtsaftmenge ohnehin recht hoch: Ein kleines Glas Orangensaft zum Frühstück liegt deutlich darunter. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät aktuell dazu, maximal 200 Milliliter Saft pro Tag zu trinken.

Fruchtsaft ist nicht so gesund wie Obst

Sind Säfte nun also gesund oder sogar schädlich? Noch ist die Studienlage zu den Getränken, die zumindest einen Ruf als gesündere Alternative zu Softdrinks haben, recht dünn. Die DGE betont, dass es sich nicht um einen gleichwertigen Ersatz zu Obst handelt – und höchstens eine tägliche Portion davon ausgleichen sollte. Denn frische, ganze Früchte enthalten mehr Nährstoffe und weniger Kalorien. Dazu sind sie besser für die Umwelt, weil dabei kein Verpackungsmüll anfällt.

Problematisch an Säften ist ihr hoher Zuckergehalt: Auch wenn es sich dabei um Fruktose handelt, den natürlichen Fruchtzucker aus dem verwendeten Obst, mindert das den positiven Aspekt der Vitaminzufuhr. Unser Orangensaft-Test ergab zudem, das manche Produkte überflüssige Vitaminzusätze enthalten oder gar Pestizidrückstände – wenn der Saft keine Bio-Qualität hat. 

Fazit: Säfte in Maßen genießen

Fruchtsaft als einzelnem Lebensmittel die Schuld an einem erhöhten Sterberisiko zu geben, kann die aktuelle Studie nicht rechtfertigen. Dennoch sollten Sie Säfte besser in Maßen genießen und nicht mehr als ein kleines Glas pro Tag trinken. Dabei ist es wichtig, darauf zu achten, dass es sich um Produkte mit 100 Prozent Fruchtgehalt handelt – nicht etwa um Nektare oder nachgesüßte Fruchtsaftgetränke. Am besten verdünnen Sie den Saft zusätzlich mit Mineralwasser: So löscht der Fruchtsaft auch noch viel besser den Durst.

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