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Corona-Quarantäne: Tipps und Einkaufliste für den Notfall

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Essen und Trinken | 22.09.2020

Notvorrat anlegen wegen Coronavirus?
Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / matthiasboeckel

Auch wenn die Zahl der Corona-Infizierten in Deutschland immer weiter steigt – für Hamsterkäufe gibt es keinerlei Anlass. Wenn Sie für den Fall einer möglichen häuslichen Quarantäne gerüstet sein wollen, finden Sie hier Tipps für Ihren Notvorrat.

In allen deutschen Bundesländern steigen die Corona-Fallzahlen derzeit stark an. In einigen Regionen ist die Nachfrage nach vereinzelten Alltagsprodukten wie Toilettenpapier wieder leicht gestiegen. Mit den Erfahrungen aus der ersten Corona-Welle steht jedoch fest: Die Angst vor Engpässen bei Lebensmitteln und Hygienprodukten ist unbegründet. Es seien keinerlei Versorgungslücken zu befürchten, Hamsterkäufe nicht notwendig, das bestätigt auch Franz-Martin Rausch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Lebensmittelversorgung bei häuslicher Corona-Quarantäne

Viele Menschen fragen sich allerdings, wie die Versorgung mit Lebensmitteln im Fall einer häuslichen Corona-Quarantäne funktionieren soll. Denn wer sich mit dem Coronavirus infiziert hat, in einem Risikogebiet war oder Kontakt zu einer (eventuell) infizierten Person hatte, darf für 14 Tage das Haus nicht verlassen – auch nicht zum Einkaufen.

So können Sie sich behelfen:

  • Nicht erkrankte Freunde, Verwandte oder Nachbarn kaufen bestimmt gerne für Sie ein.
  • Im Notfall können Sie sich an die Nachbarschaftshilfe wenden, die im übrigen auch unterstützt, wenn Menschen aufgrund ihres hohen Alters oder einer Vorerkrankung nicht mehr alleine einkaufen können oder Angst vor einer Ansteckung haben.
  • Sie können sich Lebensmittel auch bequem und kontaktlos nach Hause liefern lassen. Wir haben sieben Online-Supermärkte unter die Lupe genommen.
  • Auf Netzwerken wie nebenan.de oder quarantaenehelden.org können sich Menschen online vernetzen und helfen.
  • Wenn Sie dennoch für den Fall der häuslichen Corona-Quarantäne gerüstet sein wollen, reichen einige Packungen Nudeln und Reis, ein Sack Kartoffeln, frische Äpfel, ein paar Gläser Ihrer Lieblings-Nudelsauce sowie Obst- und Gemüsekonserven aus.

>> Lesen Sie weiter: Coronavirus – worauf Sie beim Einkaufen achten sollten

Bundesamt rät zu Notvorrat für 10 Tage für den Katastrophenfall – nicht für die Corona-Pandemie

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BKK) empfiehlt, für den Katastrophenfall einen privaten Notvorrat daheim zu haben, der mindestens zehn Tage vorhält. Diese Empfehlung existiert bereits seit 2016, sie hat nichts mit der aktuellen Situation zu tun. Die BKK-Liste gilt für den Fall eines Orkans, heftiger Schneefälle oder Hochwassers, in dem es keinerlei Möglichkeiten gibt, sich mit Lebensmitteln zu versorgen – die Liste ist nicht speziell für die Corona-Pandemie gedacht. 

Ein Notvorrat für 10 Tage ist auch ohne Coronavirus sinnvoll.
Ein Notvorrat für 10 Tage ist auch ohne Coronavirus sinnvoll. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / AKuptsova)

Notvorrat: Essen und Trinken für Notsituationen

Das BKK gibt in seinem "Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen" Tipps, welche Getränke und Lebensmittel als Vorrat sinnvoll sind. Der Gedanke dahinter: Sie sollten genug Lebensmittel im Haus haben, um zehn Tage ohne Einkaufen gut zu überstehen. Die Einkaufsliste basiert auf einem Kalorienbedarf von 2.200 Kalorien pro Tag.

Lebensmittelvorrat für zehn Tage für eine Person – Einkaufsliste:

  • Getränke: 20 Liter
  • Getreideprodukte / Brot / Kartoffeln / Nudeln / Reis: 3,5 kg
  • Obst / Nüsse: 2,5 kg
  • Gemüse / Hülsenfrüchte: 4,0 kg
  • Milchprodukte bzw. haltbare Pflanzendrinks: 2,6 kg
  • Fleisch / Fisch oder Hülsenfrüchte / Tofu: 1,5 kg
  • Fett / Öl: 300 g
  • Zucker, Honig, Marmelade, Süßigkeiten: nach Belieben

Tipp: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat einen praktischen Vorratskalkulator entworfen, mit dem sich die Mengen für eine beliebige Zahl von Haushaltsbewohnern und Tagen berechnen lassen. 

Notvorrat für Vegetarier 

Das Bundesamt für Ernährung und Landwirtschaft hat außerdem eine Tabelle für einen vegetarischen Notvorrat erstellt. Diese unterscheidet sich kaum von der allgemeinen Liste: Sie listet lediglich Tofu, vegetarische Bratlinge, Wurst und Brotaufstrich als Ersatz für Fleisch und Fisch auf. Eine Liste für den Notvorrat für Veganer ist bislang nicht erhältlich.

Nudeln und Öl sind lange haltbar und deshalb im Notvorrat sinnvoll
Nudeln und Öl sind lange haltbar und deshalb im Notvorrat sinnvoll (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / ritaE)

Tipps für einen klugen und nachhaltigen Notvorrat

Die offizielle Empfehlung des Bundesministeriums enthält eine Einkaufsliste mit insgesamt 48 Einzelprodukten, deren Bedarf aufs Gramm genau berechnet wurde. In unseren Augen macht das den Einkauf unnötig kompliziert.

Auf der Liste sind zudem viele Produkte aufgeführt, die nicht jeder mag – oder die angesichts der Klimakrise unsinnig sind: Spargel oder Kirschen im Glas, Karotten, Thunfisch und Corned Beef aus der Dose müssen nicht sein, um in einer eventuellen Notsituation zehn Tage zu überleben, ohne einzukaufen.

Deshalb: Wenn Sie sich entscheiden, einige Lebensmittel zu bevorraten, machen Sie es nicht unnötig kompliziert. Sollten Sie im Fall des Falles zwei Wochen lang zu wenig Obst und Gemüse zu sich nehmen, ist das nicht schlimm. Wichtig ist ein Grundvorrat an Wasser und an Lebensmitteln, die satt machen und zugleich gut schmecken. Ein Klassiker sind hier einfache Pasta-, Reis- oder Kartoffelgerichte.

Und: Legen Sie sich nach Möglichkeit einen nachhaltigen Notvorrat zu, den Sie nicht nach einigen Monaten wieder entsorgen müssen, weil die Lebensmittel verfallen sind oder Sie diese eigentlich gar nicht gerne essen.

Wenn Sie Nahrungsmittel bevorraten, die Sie auch im Alltag verzehren, können Sie diese jederzeit aufbrauchen und gleich wieder nachkaufen – Stichwort: dynamische Vorratshaltung. Neu gekaufte Vorräte kommen dabei immer ganz hinten ins Regal. Ältere Produkte wandern so automatisch nach vorne und werden zuerst aufgebraucht.

Produkte für den Notvorrat selber machen

Sie müssen nicht alle Produkte für den Notvorrat im Supermarkt kaufen, sondern können auch vieles selbst machen:

  • Früchte trocknen
  • Obst und Gemüse einkochen
  • Gemüse fermentieren
  • Fruchtsirup herstellen
  • Pflanzendrinks aus Hafer oder Soja selbst herstellen
    Wer gerne Gemüse und Obst einmacht, hat seinen Notvorrat schon fast beisammen
    Wer gerne Gemüse und Obst einmacht, hat seinen Notvorrat schon fast beisammen (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / jarmoluk)

    Tipps für Ihren individuellen Vorrat für den Notfall

    • Experimentieren Sie beim Anlegen Ihres Notvorrats nicht zu sehr. Am besten sind Lebensmittel, die sich lange halten und die Sie beziehungsweise die ganze Familie gerne essen.
    • Für den Notvorrat eignen sich am besten Lebensmittel, die ohne Kühlung haltbar sind. Sollte der Strom ausfallen, müssten alle Produkte im Kühlschrank und in der Tiefkühltruhe nach kurzer Zeit entsorgt werden.
    • Nudeln und Reis sind für den Katastrophenvorrat optimal, da sie fast unbegrenzt haltbar sind. Vollkornnudeln enthalten mehr Ballastoffe und halten länger satt.
    • An Brot eignet sich Vollkornbrot, Knäckebrot und Zwieback.
    • Getreide, Hülsenfrüchte und Nüsse sind besonders anfällig für Lebensmittelmotten. Achten Sie auf die richtige Lagerung.
    • Karotten, Kartoffeln und Zwiebeln sind lange haltbar. Kaufen Sie nur Gemüsekonserven, die Sie auch wirklich essen. Fermentierte Lebensmittel sind vitaminreich und halten lange.
    • Obstsorten, die Sie problemlos länger einlagern können, sind Äpfel, Birnen und Zitrusfrüchte. Auch Trockenfrüchte eignen sich für den Notvorrat.
    • Das Bundesamt empfiehlt in seinem Ratgeber, auch genug Hygieneartikel, vom Arzt verordnete Medikamente, Müllbeutel und Spezialkost für Babys und Haustiere vorrätig zu haben. Checken Sie bei dieser Gelegenheit, ob Ihre Hausapotheke alle wichtigen Medikamente enthält.

    Ist das Coronavirus ein Grund für Hamsterkäufe? 

    Manch einer wird sich derzeit fragen: Wenn der Bund zu einem Notvorrat rät, heißt das dann im Umkehrschluss, dass eine Katastrophe kurz bevorsteht? Nein! Das BKK rät schon seit einigen Jahren, einen Lebensmittelvorrat für zehn Tage daheim zu haben.

    Als Notfall gilt nicht das Worst-case-Szenario wie beispielsweise ein dritter Weltkrieg, sondern Naturkatastrophen, wie es sie in Teilen Deutschlands in den vergangenen Jahren immer wieder gab: Heftiger Schneefall, eine Hochwasserkatastrophe oder schwere Stürme können die Versorgung mit lebensnotwendigen Nahrungsmitteln und Trinkwasser bereits beeinträchtigen oder zeitweilig unmöglich machen.

    Hamsterkäufe: Müssen wir Vorräte bunkern?

    Angst, plötzlich vor leeren Supermarktregalen zu stehen, muss in Deutschland niemand haben. Stefan Hertel, Pressesprecher des Deutschen Handelsverbands, bezeichnet die Situation als unproblematisch, die Lager seien gut gefüllt und die Versorgung der Bevölkerung gewährleistet. Für die Logistik der Unternehmen wäre es von Vorteil, wenn nicht alle am Wochenende einkaufen würden, sondern ihre Einkäufe auf die ganze Woche verteilten. Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des HDE Berlin-Brandenburg, hat einen Wunsch an die Verbraucher: "Unser Appell an die Kunden: Wenn sie sich Vorräte anlegen, dann schrittweise und mit Bedacht."

    Auch Experten sind sich einig: Übermäßige Vorräte anzulegen ist nicht nötig. "Hamsterkäufe lösen keine Probleme, sondern sie schaffen eins", sagt Nils Hübner vom Institut für Hygiene der Uni Greifswald. Das Hamstern von Vorräten sei ein sich selbst verstärkender Effekt: Wer vor leeren Regalen steht, neigt selbst zum Großeinkauf – aus diesem Herdenphänomen können dann wirkliche Engpässe entstehen, die durch das Virus nie entstanden wären (Quelle: ZDF).

    Nichtsdestotrotz ist die Coronakrise vielleicht ein guter Anlass, sich Gedanken über die eigene Vorratshaltung zu machen. Wer vorgesorgt hat, muss vor dem Ernstfall, der hoffentlich nie eintritt, weniger Angst haben.

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