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Wintergemüse anbauen: Diese Sorten können Sie im Sommer säen oder pflanzen

Magazin Juli 2020: Fischstäbchen | Autor: Sven Heitkamp | Kategorie: Bauen und Wohnen | 01.07.2020

Wintergemüse anbauen: Wir geben Tipps.
Foto: Mykola N/Shutterstock

Der Juli taugt im Garten zu mehr als Gießen und Unkrautzupfen. Wer im Winter seinen Lieblingskohl ernten will, hat jetzt nochmal eine Chance, zu säen und zu pflanzen. Wir geben Tipps fürs Anbauen von Wintergemüse.

"Im Juli beginnt eine neue große Aussaatwelle, um Gemüse und Kohlsorten zu säen oder zu pflanzen", erklärt die junge passionierte Gärtnerin Marie Diederich. Es sei viel zu schade, dass viele Hobbygärtner nur einmal im Jahr säen und ernten statt vom Frühjahr bis zum Winter, so Diederich, die ökologische Landwirtschaft studierte und ihr Wissen in Online-Kursen und -Videos weitergibt.

Wintergemüse anbauen im Sommer

Im Hochsommer kann man noch immer Wurzelgemüse direkt ins Beet säen. Dazu gehören: 

  • Möhren
  • Pastinaken
  • Rettich
  • Radieschen
  • Spinat
  • Mangold
  • Rote Bete
  • Erbsen
  • Busch-, Stangen- und Dicke Bohnen
  • Rucola
  • Lauch
  • Petersilie
  • Frühlingszwiebeln

"Große Samen lege ich einen Tag vorher in Wasser ein. Sie saugen sich voll und bringen so für den Start genug Feuchtigkeit mit", erklärt Marie. Viele Samen keimen im warmen Boden schneller als im Frühjahr und bilden zartere Wurzeln.

Rosenkohl und Grünkohl, Chinakohl, Blumenkohl und Brokkoli zieht man drei bis vier Wochen im Haus oder im kleinen Gewächshaus auf dem Balkon vor. Die Jungpflanzen für die kälteren Monate kommen dann Ende Juli ins Beet. Die junge Gärtnerin setzt dabei auf alte samenfeste Sorten, die man von diversen ökologischen Anbietern wie Bingenheimer, Dreschflegel, Bio-Saatgut und Samenfest oder beim Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt bekommt.

Der Sommer ist eine Art zweiter Frühling: die perfekte Zeit, um Wintergemüse anzupflanzen, das später für köstliche Gerichte an kalten Tagen sorgt.
Der Sommer ist eine Art zweiter Frühling: die perfekte Zeit, um Wintergemüse anzupflanzen, das später für köstliche Gerichte an kalten Tagen sorgt. (Foto: Elena Veselova/Shutterstock)

Mondkalender bei Anbau berücksichtigen? 

Besonderen Schub verleiht Maries Beeten der Mond. Nach anfänglicher Skepsis, aber erfolgreichen Versuchen hält sie sich so gut wie möglich an den Mondkalender von Maria Thun. "Ich hab erst auch nicht dran geglaubt, aber das Gemüse wird wirklich größer und schöner", erzählt sie. Gute Pflanztage sind zum Beispiel für Kohl dieses Jahr der 2., 3. Juli und 21. Juli, für Erbsen und Bohnen der 4. und der 23. Juli.

Was genau steckt hinter dem Mondkalender? Für die Anhänger gilt: Wer nach den Mondphasen sät, pflanzt und erntet, erzielt größere Erträge. Dafür gibt es Blatt-, Blüten-, Frucht- und Wurzeltage. Zu den Ersten, die in eigenen Anbauversuchen die Wirksamkeit der Mondphasen durch Wachstumsunterschiede beobachtet haben, gehört die Marburger Anthroposophin Maria Thun (1922–2012).

Wintergemüse: So bleibt der Boden bei Hitze feucht 

Gärtnern gelingt auch mit wenig Aufwand – ohne viel gießen und jäten. "Ich gärtnere schon jahrelang, ohne umgraben", betont Marie. "Den Boden lockere ich nur mit einem Rechen oder der Doppelgrabegabel auf und versorge die Erde zusätzlich mit Kompost. Der Rest passiert in den Kompostbeeten von allein."

Je größer die Pflanzen werden, umso höher kann man sie zudem mulchen. So bleibt der Boden auch bei größter Hitze im Juli länger feucht, Unkraut wird unterdrückt. Geeignet sind neben angetrocknetem Rasenschnitt oder kleingeschnittenen Pflanzenresten auch Holzhackschnitzel von Baumpflegebetrieben – sie würden die feinen Schnipsel gern für kleines Geld abgeben.

Dagegen sei Rindenmulch meist zu sauer. "Damit kommt Gemüse nicht zurecht." Als Wasser- und Nährstoffspeicher mischt sie für den Kohl zudem Pflanzenkohle in die Erde. Sie sei im gesunden Boden ein sehr guter Speicher.

Guss fürs Gemüsebeet. Doch um nicht in Strömen gießen zu müssen, mulcht Marie Diederich ihre Pflanzen gründlich.
Guss fürs Gemüsebeet. Doch um nicht in Strömen gießen zu müssen, mulcht Marie Diederich ihre Pflanzen gründlich. (Foto: Wurzelwerk )

Gemüse anbauen: Kohle für den Kohl 

Pflanzenkohle soll die natürliche Bodenfruchtbarkeit nachhaltig verbessern und so auch das Wachstum und den Ertrag der Pflanzen fördern. Sie kann den Boden lockern und durchlüften. Vor allem aber: Durch ihre poröse, große Oberflächenstruktur kann Pflanzenkohle größere Mengen Wasser und Nährstoffe speichern – gerade in den zunehmend heißen und trockenen Sommern durch den Klimawandel ein wichtiger Vorteil. Auch in wissenschaftlichen Untersuchungen wurde der Effekt bestätigt.

Die Bayerische Gartenakademie sieht Pflanzenkohle dabei zwar als eine, aber nicht die wichtigste Möglichkeit, den Boden zu verbessern. "Wichtiger ist immer noch ein gesunder Kompost aus dem eigenen Garten", sagt deren Expertin Marianne Scheu-Helgert. Andere Fachleute im Garten- und Pflanzenbau halten auch eine gute Mischung aus Kompost und Pflanzenkohle für geeignet.

Ausgangspunkt der relativ neuen Methode ist die Entdeckung der Terra preta (schwarze Erde) – eines schwarzen, fruchtbaren Bodens, den Forscher im Amazonasgebiet entdeckten. Sie ist über Jahrhunderte durch die Besiedelung und Nutzung der Indios entstanden, wie auch in anderen Regionen der Erde.

Für Gartenexpertin Scheu-Helgert ist Terra preta aber auch ein modernes "Zauberwort" mancher Hersteller. "Bodenhilfsstoffe mit Pflanzenkohle können durch ihre feine Struktur magere, sandige Böden durchaus verbessern", sagt sie, "für manche Pflanzen wie Erbsen oder Basilikum kann der Nährstoffgehalt von Kultursubstraten mit Pflanzenkohle und Kompost aber auch zu hoch sein." Am wichtigsten sei, dass kohlehaltige Erde frei von Schadstoffen wie Schwermetallen ist und der pH-Wert nicht über 7 liege.

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